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Im besten Sinne bockig: Hans Haids letzter Roman blieb unvollendet

Hans Haids letzter, unvollendet gebliebener Roman „es kann sein, dass dann die schatten kommen“.

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Hans Haid starb am 5. Februar 2019 im Alter von 83 Jahren.
© Böhm

Innsbruck – Hans Haids letzter Roman blieb Fragment. Der Ötztaler Volkskundler, Mundartdichter, Mahner und mitunter wortmächtige Polterer starb im Februar 2019. Im Innsbrucker Brenner-Archiv, wo Haids literarischer Nachlass aufgearbeitet wird, gibt es mehrere Arbeitsfassungen seines zunächst nach seinem Bergbauernhof „Roale“ benannten Romanprojekts, ausgedruckt wie digital. Haid hatte den Roman – nach „Similaun“ (2008) und „Die Landgeherin“ (2011) – als Abschluss einer Trilogie angedacht. Beenden konnte er ihn nicht. Die Kräfte schwanden.

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2016 erklärte Haid die weitere Arbeit am Text zur Sache „für ein allerbestes lektorat“. So zitieren es Christine Riccabona und Anton Unterkircher. Riccabona und Unterkircher haben sich der Sache angenommen – und aus den Entwürfen „es kann sein, dass dann die schatten kommen“ komponiert: eine editorische Detektivarbeit sondergleichen.

Inhaltlich ist Haids Romanversuch schnell umrissen: Ein „Alter vom Berg“ schaut ins Tal, auf das, was dort in den vergangenen Jahrzehnten war, und auf das, was droht. Es geht um die Nazi-Zeit und ihr giftiges Weitwirken in kontaminierter Landschaft, um Turbo-Tourismus, um die Erfindung des Tirolers in Wort, Bild und Arie – und um die Apokalypse, auf die alles zusteuert.

Seinen Ich-Erzähler hat Haid entlang der eigenen Lebenslinien entwickelt. Er hat ihm seine Lebensthemen umgehängt – und die verzweifelte Suche nach einer Form für diese Themen. „es kann sein, dass dann die schatten kommen“ ist ein unversöhnlicher Text. Unversöhnlich mit der Welt, an der er sich abarbeitet – und unversöhnlich mit sich selbst, weil sich die Geschichten, die ihn umtreiben, die schönen genauso wie die schrecklichen, nicht zu einer Geschichte verdichten lassen. Darin liegt der Reiz dieses Fragments: Die Sätze treffen, die Schilderungen schmerzen. Der große Wurf, zu dem Hans Haid ansetzte, wird im Entwurf erahnbar. „es kann sein, dass dann die schatten kommen“ erzählt schonungslos direkt und zwischen den Zeilen auch und gerade vom Scheitern am Anspruch. Und von der Notwendigkeit, es trotzdem immer wieder zu versuchen: ein im besten Sinne bockiger Text. (jole)

Romanfragment Hans Haid: es kann sein, dass dann die schatten kommen. Werkausgabe Bd. 2. Haymon, 210 Seiten, 19,90 Euro.


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