Verein Emmaus baut Gemüse in Hall an: Gemeinsam wächst es besser

Der Verein Emmaus baut seit heuer in Hall Gemüse an: Kunden tragen die „Solidarische Landwirtschaft“ mit ihren Jahresbeiträgen – und erhalten dafür Anteile an der Ernte.

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Über 40 verschiedene Gemüsekulturen hat der Verein Emmaus heuer in Hall bereits angebaut.Stefan Voitl
© Stefan Voitl

Von Michael Domanig

Hall, Innsbruck – Übersiedlungen, Räumungen, Reinigungen, Baumschnitt, Bügelservice, Innenrenovierungen: Der Verein Emmaus bietet auch jetzt in der kalten Jahreszeit eine Vielzahl an Dienstleistungen – und unterstützt zugleich Frauen und Männer, die nach einer Sucht- erkrankung ins Berufsleben zurückkehren wollen.

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Dabei beschreitet Emmaus neue, außergewöhnliche Wege: Seit Beginn dieses Jahres hat der Verein die Landwirtschaft des ehemaligen Klosters Thurnfeld in Hall von der Diözese gepachtet. Auf der insgesamt acht Hektar großen Fläche war davor Milchwirtschaft betrieben worden. Nun baut Emmaus auf einem Teil des umfangreichen Areals Biogemüse an – und zwar nach dem Modell der „Solidarischen Landwirtschaft“.

Emmaus-Geschäftsleiter Benedikt Zecha erklärt die Eckpunkte: „Unsere Kundinnen und Kunden finanzieren mit einem jährlichen Beitrag, der in einem Vertrag fixiert wird, die landwirtschaftliche Produktion – also die Arbeit, das Saatgut, die Pflanzkosten.“ Im Gegenzug erhalten sie jede Woche einen Anteil an der Ernte. „Es geht darum, Teil der Gemeinschaft zu sein, die den Hof trägt“, sagt Zecha. „Wir richten uns an Menschen, für die es ein besonderer Wert ist, Landwirtschaft vor der Haustür zu unterstützen, mit saisonalem Gemüse und sozialem Hintergrund – und ohne den Marktgesetzen direkt unterworfen zu sein.“ Über 80 Haushalte haben sich im ersten Jahr schon am Projekt beteiligt, wobei rund ein Hektar der Fläche bewirtschaftet wurde. Für 2022 bereite man 1,5 Hektar vor, berichtet Zecha, Ziel sei es, die Anbaufläche schrittweise zu steigern.

Zum Konzept der Solidarischen Landwirtschaft gehöre es auch, „das Gemüse so zu nehmen, wie wenn es aus dem eigenen Garten kommt“ und das Ganze auch „mitzutragen, wenn einmal etwas nicht funktionieren sollte“. Wobei in der heurigen Saison vieles sehr gut gelungen sei: Über 40 verschiedene Gemüsekulturen wurden in Hall gepflanzt und geerntet – von Salaten aller Art über Wirsing, Kohl und Rotkraut, Tomaten, Gurken und Fenchel, Lauch, Zwiebeln und Sellerie bis hin zu Kartoffeln und Süßkartoffeln.

Die wöchentliche Gemüseausgabe erfolgt vor Ort in der Kaiser-Max-Straße 7 in Hall oder in Innsbruck-Mühlau. Künftig seien zudem ein bis zwei innenstadtnahe Abholdepots geplant, ergänzt Zecha.

Neben „nachhaltigen Anbaumethoden“ – ohne Gifte oder chemischen Dünger – spreche z. B. auch der Verzicht auf Verpackung für das Modell, meint Zecha. Vor allem aber spüre man beim Abholen „große Freude und Wertschätzung“ bei den Kunden. Geplant sei, künftig mehrmals im Jahr gemeinsam am Feld zu arbeiten, auch zusammen zu kochen und zu feiern. Schon heuer hätten einige Kunden mit Begeisterung bei der Kartoffelernte mitgeholfen.

Grundsätzlich werde die Arbeit aber über die Klienten des Vereins Emmaus abgedeckt: „Manchen liegt das wirklich sehr, und es gibt eine große Bandbreite an Tätigkeiten.“

Für 2022 sind noch Ernte-anteile zu vergeben – bei Interesse möge man sich, idealerweise noch heuer, unter Tel. 0650/2617671 oder solawi@emmaus-innsbruck.at melden.


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