Fast 70 Prozent des Honigs in den Supermärkten stammt aus dem Ausland

Die Landwirtschaftskammer kritisiert unnötig lange Transportwege vor allem bei Mischhonigen. Klare Herkunftsangaben auf der Verpackung werden gefordert. Empfohlen wird der Direktkauf beim Austro-Imker.

  • Artikel
  • Diskussion
Symbolbild.
© Maniturm/pixabay

Wien, Graz – In den heimischen Supermärkten findet sich mehrheitlich ausländischer Honig. Knapp 70 Prozent des Honigs in den Regalen kommt nicht aus Österreich, hat die Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark erhoben und nennt das Ergebnis "sehr ernüchternd". Für Honigfreundinnen und -freunde sei es zudem oft sehr schwer herauszufinden, woher das Produkt kommt. Die LK fordert daher Transparenz durch Angabe der Herkunftsländer auf dem Etikett. Empfohlen wird der Direktkauf beim Austro-Imker.

Knapp 70 Prozent aus dem Ausland

"In den Supermarktregalen finden sich überraschend viele Honigsorten. Exakt 68,8 Prozent der Honige kommen aus dem fernen Ausland und davon sind 90 Prozent Mischhonige", erläuterte der steirische LK-Kammerdirektor Werner Brugner am Donnerstag in einer Aussendung. "Solche Mischhonige werden beispielsweise von Honigen aus Rumänien, Uruguay, Brasilien und Argentinien zusammengemischt." Nicht selten habe ein Glaserl Mischhonig mehr als 30.000 Kilometer auf dem Buckel, bevor der Inhalt aufs Butterbrot, den Tee oder in die Mehlspeise kommt, kritisiert Brugner "unnötig lange Transportwege".

Gekennzeichnet seien diese Mischhonige meist "lapidar mit 'Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern', ohne das Herkunftsland genau anzugeben". Auf Honigen von heimischen Imkern hingegen sind der genaue Name und die Adresse der Imkerei angegeben.

Der Biohoniganteil liegt bei 18,4 Prozent. Aber selbst die Hälfte des Biohonigs im Supermarkt kommt aus dem Ausland. Auch hier gibt es Mischhonige die laut Kammer beispielsweise aus Thailand, Mexiko oder Brasilien stammen.

Jetzt einen von vier Skiurlauben gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Kritikpunkt für die Kammer ist auch, dass die beiden größten österreichischen Honiganbieter auch fast nur ausländische Honige und Mischhonige im Sortiment hätten. Es gehe grundsätzlich um eine eindeutige Kennzeichnung von ausländischem Honig, fordert die Kammer klare Angaben auf den Gläsern. Konkret soll bei Honigmischungen jedes Herkunftsland mit der Prozentangabe der vermischten Honigmenge angegeben werden. Auf dem Etikett von Honig aus fernen Ländern könnte beispielsweise Folgendes stehen: 70 Prozent Ukraine, 25 Prozent China und 5 Prozent Italien.

Den Einkaufstest hat die Landwirtschaftskammer in der ersten Dezemberwoche in den elf größten Supermärkten in der Steiermark durchgeführt. Untersucht wurde die Herkunft der angebotenen Honige. Insgesamt wurden 234 Honige unter die Lupe genommen.

Laut Statistik Austria lag der Selbstversorgungsgrad - also das Verhältnis von Inlandsproduktion und gesamten Verbrauch - mit Honig im Wirtschaftsjahr 2019/20 (1. Juli 2019 bis 30. Juni 2020) , in Österreich bei rund 44 Prozent. (APA)


Kommentieren


Schlagworte