Die gute Geschichte: „Oft geht es nur darum, dass jemand da ist“

Anni Scherl arbeitet seit Jahren im Begleit- und Besuchsdienst der Caritas. Sie und ihr Team entlasten pflegende Angehörige im Bezirk Landeck.

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„Hegen und pflegen“ ist Anni Scherls Lebensmotto. Das gilt für ihr Engagement genauso wie in ihrem Garten in Schnann.
© Caritas/Karin Bachmann

Landeck – „Eine besonders schwierige Zeit ist der Anfang. Das ganze Familienleben wird auf den Kopf gestellt“, sagt Anni Scherl über pflegende Angehörige und den Beginn der Pflegesituation. Es ist ein Einschnitt im Leben eines jeden Menschen, wenn die Eltern plötzlich nicht mehr selbstständig sind. Manchmal läuft diese Entwicklung schleichend ab und es geht langsam Schritt für Schritt. In anderen Fällen ist von einem Tag auf den anderen nichts mehr, wie es war.

Scherl erzählt von einem Anruf einer Betroffenen: „Der Vater kommt nach einem Unfall direkt aus dem Krankenhaus. Bis vor wenigen Tagen hat er noch den Haushalt für sich und seine Frau geführt. Nun muss sich die Tochter plötzlich um beide kümmern. Sie ist dankbar dafür, dass sie sich bei jemandem aussprechen kann, der ihre Ratlosigkeit versteht und ihre Sorgen ernst nimmt.“ So etwas passiert häufig, meint Scherl. Und Unterstützung ist hier dringend notwendig. Hilfe erhalten die Betroffenen vom Entlassungsmanagement des Krankenhauses, vom Care-Management Tirol-LIV und von den Mobilen Diensten der Sozialsprengel.

Fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist manchmal gar nicht so einfach. Denn nicht zuletzt ist damit auch das Eingeständnis verbunden, dass es die Familie allein nicht mehr schafft. Scherl: „Viele Angehörige können das anfangs schwer akzeptieren und Hilfe annehmen. Unsere Rolle ist es oft, klarzumachen, dass man sich helfen lassen darf und muss. Nur wer gut auf sich schaut, kann gut arbeiten und pflegen“.

Entlastung für die Angehörigen gibt es vom Besuchsdienst der Caritas. Das sind im Bezirk Landeck aktuell elf Frauen zwischen 49 und 79 Jahren, die pflegende Angehörige im Rahmen eines ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitdienstes unterstützen, indem sie sich Zeit für Gespräche nehmen und auch Hausbesuche machen. Scherl koordiniert die Einsätze der Freiwilligen. Ihr Telefon läutet oft, bei einem Notfall informiert sie über die professionellen Hilfsangebote und vernetzt. Sie macht dies seit zehn Jahren im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Caritas und seit ihrer Pensionierung ehrenamtlich.

Scherl und ihr Team haben einen großen Wunsch: „Wir brauchen mehr Freiwillige für die Entlastung der pflegenden Angehörigen.“ Eine Voraussetzung für den Begleit- und Besuchsdienst ist Einfühlungsvermögen, das oberste Gebot ist die Verschwiegenheitspflicht. Das Allerwichtigste ist laut Scherl jedoch eines: „Oft geht es nur darum, dass jemand da ist, zuhört und Zeit schenkt.“ (TT)


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