Monika Gruber in Innsbruck: Lustvolles Ablästern bei höchster Drehzahl

Bayerns Populär-Kabarettistin Monika Gruber füllt mit neuem Programm viermal den Innsbrucker Congress.

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Pointen, Gags und Wuchteln: Monika Gruber in Innsbruck.
© Schramek

Von Markus Schramek

Innsbruck – Was für ein Mundwerk! Lose, frech, politisch höchst unkorrekt, bayerisch, gerne auch anzüglich. Beim obligaten Prosecco lässt es sich unter Freundinnen eben so richtig herzhaft ablästern: über die Zumutungen des (ehemals jüngeren) Lebens an sich und jene in Männergestalt insbesondere.

Bei Monika Gruber, der populärsten Kabarettistin südlich des Weißwurst-Äquators, klingt das dann so:

Freundin 1: „Nächstes Jahr sollte ich aufpassen, dass ich nicht schwanger werde.“

Freundin 2: „Warum aufpassen? Dein Mann hat sich doch das da unten durchschneiden lassen.“ (Vasektomie, oho!).

Freundin 1: „Eben!“

Gepruste und Gelächter im Innsbrucker Congress, wo Gruber, nach beendeter Verschnaufpause, unfreiwillig verlängert durch Corona, seit Dienstag mit dem neuen Programm „Ohne Worte“ vier nahezu ausverkaufte Auftritte absolviert. Fast sechstausend Besucher binnen kürzester Zeit, das schaffen unter der Headline „gesprochene Kleinkunst“ nur sehr wenige.

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Gruber sells, das geht schon länger so, im heimatlichen (Süd-)Deutschland und in Österreich. Wie aufgedreht, ständig auf dem Gaspedal, atemlos (in Anlehnung an die von ihr so gerne veräppelte Frau Fischer) serviert dieses liebenswürdige Lästermäulchen Gags, Wuchteln, Binsen- und Lebensweisheiten. Streut manch schalen Flachmann ein („Lehrer ist kein Beruf, sondern eine Diagnose“), verteilt Haken gegen Polit-Personal (Bayerns Starkmann Söder, Österreichs zweifachen Ex-Kanzler Kurz).

Viel ist bei dieser gut einstudierten humoristischen Dauersalve vom „Mo“ die Rede. Ohne ihn, einen Mann, wird es schon auch ein bisserl fad, auch wenn ihr aktueller Herzbube, ein gebürtiger Tiroler, sie „aufi, ochi und umi“ durch die Berge schleift.

Schließlich ist sie nicht mehr die ganz Jüngste, 50 seit heuer, da beginnt die Schwerkraft an allen körperlichen Ecken und Enden (nach unten) zu ziehen. Wer könnte ihr da widersprechen?

Gruber zeigt auch sich selbst gegenüber keinerlei Beißhemmung, schildert Zwischenmenschliches im Boxspringbett, grausame Knoblauchfahnen von der anderen Seite und natürlich auch das, was Sie jetzt denken.

So geht das 90 Minuten nonstop: Pointe auf Pointe da oben, Schenkelgeklopfe im Saal. Dankeschön an das beste Publikum, Bayern und Tirol seien eben doch seelenverwandt, auch wenn Tirols Männer wenig von sich geben, im Vergleich zu Frau Grubers never ending Redefluss stimmt das sicher. Übrigens: „BRD steht für Bayern und Rest Deutschlands, und den kannst du vergessen.“

Ein Abend in seichteren Gewässern, keine Frage. Doch die Energie und Sprachgewandtheit, mit der Monika Gruber ihr rhetorisches High-Speed-Solo über die Bühne bringt, beeindrucken.

Es scheint schwer vorstellbar, dass das ihre letzte Tournee sein soll, wie von Gruber selbst jüngst angekündigt (Coronafrust?). Bis 2023 sind weitere Termine fixiert. Und bis dahin fließt noch viel Wasser die Isar hinunter.


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