November-Inflation mit 4,3 Prozent so hoch wie vor drei Jahrzehnten

Der Verkehr war im vergangenen Monat mit Abstand der stärkste Preistreiber. Der tägliche Einkauf verteuerte sich weniger stark. Die Inflation im Euroraum stieg auf ein Rekordhoch von 4,9 Prozent.

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Bei Heizöl betrug der Preisanstieg gar 64,5 Prozent.
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Wien – Die Inflation hat sich im November deutlich beschleunigt: Die Verbraucherpreise lagen laut Statistik Austria um 4,3 Prozent höher als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat Oktober 2021 stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,7 Prozent. Damit erhöhen sich die Preise derzeit so stark wie zuletzt im Mai 1992.

"Weiter steigende Treibstoff- und Energiepreise haben die Teuerung im November 2021 auf den höchsten Wert seit fast 30 Jahren getrieben", sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas laut Mitteilung. Die Inflation ist damit mehr als doppelt so hoch wie der Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EU-harmonisierte Inflationsrate (HVPI) betrug im November 4,1 Prozent.

Ohne Teuerungen bei Treibstoffen und Haushaltsenergie hätte die Inflation 2,4 Prozent betragen. Der Preisanstieg für Verkehr (durchschnittlich +12,2 Prozent) beeinflusste die Inflationsrate mit +1,69 Prozentpunkten. Die Treibstoffpreise stiegen um 38,7 Prozent (Einfluss: +1,30 Prozentpunkte). Gebrauchte Kraftwagen kosteten im November um 9,2 Prozent mehr, neue um 3,8 Prozent mehr, Reparaturen verteuerten sich um 4,2 Prozent.

Starker Anstieg bei Haushaltsenergie

Wohnung, Wasser und Energie kosteten durchschnittlich um 5,3 Prozent mehr, wozu überwiegend die Haushaltsenergie beitrug, die im November um 16,1 Prozent teurer war als vor einem Jahr. Bei Heizöl betrug der Preisanstieg sogar 64,5 Prozent. Strom verteuerte sich um 10,2 Prozent, Gas um 20,4 Prozent. Für feste Brennstoffe wurden die Preise um 8,1 Prozent angehoben, für Fernwärme um 3,5 Prozent.

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In Restaurants und Hotels musste durchschnittlich um 4,3 Prozent mehr bezahlt werden. Für Freizeit und Kultur wurden die Preise durchschnittlich um 4,0 Prozent erhöht. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich durchschnittlich um 1,6 Prozent. Die Nachrichtenübermittlung wurde dagegen um durchschnittlich um 2,2 Prozent billiger.

Beim täglichen Einkauf (Mikrowarenkorb) war die Teuerung mit 3,9 Prozent geringer als die Gesamtinflation, der Wocheneinkauf (Miniwarenkorb), der auch Treibstoffe enthält, stieg das Preisniveau im Jahresabstand um 10 Prozent.

Inflation im Euroraum steigt auf Rekordhoch

Kräftig gestiegene Energiepreise haben im November die Inflation in der Eurozone auf den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1997 getrieben. Binnen Jahresfrist stiegen die Lebenshaltungskosten um 4,9 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte und damit eine erste Schätzung bestätigte. Die Teuerung fällt damit mehr als doppelt so stark aus wie die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die EZB strebt mittelfristig 2,0 Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an. Auch im Oktober lag die Teuerung mit 4,1 Prozent klar über dem EZB-Ziel.

Nach Einschätzung des französischen Notenbank-Chefs Francois Villeroy de Galhau hat die Inflation im Währungsraum allerdings wohl bald ihren Höhepunkt erreicht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde geht davon aus, dass sie zwar kurzfristig hoch bleiben, sich im Laufe des kommenden Jahres aber abschwächen wird. Die EZB-Volkswirte erwarten für 2022 inzwischen eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,2 Prozent.

Stärkster Preistreiber im November war Energie mit einem Anstieg von 27,5 Prozent. Ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel läge die Teuerung nur bei 2,6 Prozent. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen im November um 1,9 Prozent an. Industriegüter ohne Energie verteuerten sich um 2,4 Prozent, Dienstleistungen um 2,7 Prozent. (APA)


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