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Landecker Stadtgeschichte: Diktator und Nazis machten Markt Platz

Der Landecker Stadtchronist Georg Zobl hat die Geschichte des Marktplatzes, der ursprünglich Dollfußplatz hieß, recherchiert.

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Georg Zobl (M.) erzählt die Geschichte des Landecker Marktplatzes. Bürgermeister Herbert Mayer (l.) und Vize Peter Vöhl gratulierten.
© Reichle

Von Matthias Reichle

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Landeck – Zunächst war er nach einem Diktator benannt, danach wurde er von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda missbraucht – erst 1945 erhielt der Landecker Marktplatz seinen heutigen Namen.

Eine Ausstellung im Landecker Rathaus widmet sich der bewegten Geschichte der zentralen Fläche im Stadtteil Angedair. Früher war es „offiziell gar kein Platz“, erinnert der Landecker Chronist Georg Zobl – sondern das Aufeinandertreffen von Fischerstraße, Schulstraße und Urichstraße. Erst nach dem Attentat auf den austrofaschistischen Kanzler und Diktator Engelbert Dollfuß 1934 benannte die Stadt den Platz nach ihm – und die Kapelle daneben gleich dazu.

Als 1938 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, erhielt die Fläche dann den Namen „Weisjehleplatz“ – in Erinnerung an den Hitlerjungen Franz Weisjehle, der 1935 wegen nationalsozialistischer Betätigung ins Gefängnis kam und dort an einem Blinddarmdurchbruch starb. Die Nazi-Propaganda sprach von einem „Opfer der herzlosen Gewalt einer christlichen Regierung“.

Er selbst verbinde „viele persönliche Erinnerungen aus seiner Kindheit mit dem Marktplatz“, sagt Zobl, der die Schau zusammengestellt hat.

Der Chronist hat dabei die Geschichte eines jeden Gebäudes und seiner Bewohner recherchiert und aufgeschrieben. „Es sind 14 Häuser mit 16 Nummern“, erklärt er. Darunter das Haag-Haus oder der bekannte Greifenwirt. „Ursprünglich wollte man auch das Landecker Rathaus dorthin bauen.“

„Der Marktplatz ist sehr prägend für die Geschichte der Stadt“, erklärte Bürgermeister Herbert Mayer. Bei der älteren Generation werden die Fotos zahlreiche Erinnerungen wachrufen, „für die jungen Menschen ist es spannend zu sehen, wie sich die Stadt verändert hat“. Lob gab es für die Arbeit Zobls – als langjähriger Stadtarchivar habe er ein unheimliches Wissen gesammelt. Auch Vizebürgermeister Peter Vöhl hob die akribische Recherche zu jedem einzelnen Haus hervor.

Zobl hat bereits zahlreiche Ausstellungen zur Stadtgeschichte kuratiert – die erste vor 40 Jahren, 1981, erinnerte er sich. Auch in der neuen Schau stecken jahrelange Recherchen sowie unzählige Stunden in den Archiven.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Jänner zu den Öffnungszeiten des Landecker Rathauses zu sehen.


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