Gasa Valgas Tanzstück „Lorca“: Stationen eines zu kurzen Dichterlebens

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„Lorca“, u. a. mit Oumy Cissé und Josué Ullate, hatte am Donnerstag in den Kammerspielen Premiere.
© TLT/Gufler

Innsbruck – Es wird auch „en point“ getanzt in „Lorca“. Sogar klassischer „Pas de deux“ lässt sich ausmachen. Wenn Lorca (Josué Ullate) samt Mutter (Olivia Swintek) das Glück der Kindheit beschwört zum Beispiel. Oder später, wenn der Dichter in New York mit einem neuen Liebhaber (Addison Ector) anbandelt. Der Rückgriff auf die Tradition ergibt Sinn. Auch der Modernismus von Federico García Lorca, Andalusiens wohl bedeutendstem Dichter und Dramatiker des 20. Jahrhunderts, nährte sich am Klassischen.

Lorcas Leben erzählt Enrique Gasa Valgas neues Tanzstück „Lorca“ nach. Am Donnerstagabend kam es in den Innsbrucker Kammerspielen zur Uraufführung. Wobei „erzählen“ und „Stück“ etwas aufs Glatteis führt. „Lorca“ erzählt nicht, es illustriert, fädelt ausgewählte Stationen eines zu kurzen Dichterlebens auf: Heranwachsen, künstlerische und sexuelle Initiation, das Reisen, der Tod durch franquistische Salven 1936. Den setzen Gasa Valga und Co-Librettistin Katajun Peer-Diamond als Klammer an den Anfang und Schluss des Bilderreigens, dessen einzelne Episoden von etwas disparater Kraft sind. Stark sind beispielsweise die reiner Perkussion folgenden Kuba-Impressionen. Auch zu Kenneth Winklers abstraktem „the pencilist“ findet Gasa Valga überzeugende Bilder für Lorcas Poetisierung der Welt. Und zu Francisco Tárregas „Recuerdos de la Alhambra“ klagen hier formschön und eindrücklich Spaniens Witwen. Anderes freilich inszeniert Enrique Gasa Valga an den Rand des Klischees. Dass in Argentinien Tango getanzt wird, versteht sich, aber muss dazu auf der Tonspur einmal mehr „Por una Cabeza“ knistern?

Helfried Lauckners Bühnenbild verzichtet auf allzu eindeutige Verortung: Die Welt ist Käfig, im Käfig tigert die Kraft, Verzweiflung und Begehren brodeln. In seinen besten Momenten brodelt auch „Lorca“ – „auf Spitze“ wie breiten Schritts. In seinen schwächeren gefällt es sich und dem erwartungsgemäß euphorischen Premierenpublikum in schmucker Akrobatik. (jole)

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