Geduldsprobe bei der Militärhilfe mit österreichischer Beteiligung in Mali

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Ausbildung und Beratung: Österreichische Soldaten unterstützen im Rahmen der EU-Mission EUTM die malischen Streitkräfte beim Aufbau stabiler Strukturen.
© ÖBH/Pusch

Von Wolfgang Sablatnig

Wien, Bamako – Vertrauenswürdige Streitkräfte in einem stabilen Land: Das ist die Aufgabe der EU-Trainingsmission EUTM in Mali. 1000 Soldatinnen und Soldaten aus 25 Nationen sind dort im Einsatz, davon 70 Österreicher. Das Kommando führt mit Brigadier Christian Riener (54) im nächsten halben Jahr ein Österreicher.

Rieners Truppe ist für Ausbildung der Soldaten und Beratung der Generalität zuständig. Wichtig sei das Prinzip „Train the trainer“: „Ziel ist, dass die Streitkräfte so aufwachsen, dass sie selbst zur Ausbildung fähig sind.“ Auf dem Stundenplan stehen nicht nur Gefechtsdienst und soldatisches Wissen, sondern auch Menschenrechte, Gleichbehandlung und demokratische Werte.

Mali ist 15-mal so groß wie Österreich und hat 20 Millionen Einwohner. Die Konfliktlinien in dem westafrikanischen Land sind vielschichtig. Es geht um Spannungen zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern. Den Norden beherrschen Tuareg-Stämme. Der Staat und Soldaten werden oft als Fremdkörper betrachtet, berichten Kenner. Terroristische und jihadistische Gruppen nutzen diese Konfliktlinien aus.

Nicht viel besser ist die politische Lage. Wiederholt putschten Militärs, zuletzt im Mai. Ende Februar 2022 sind Wahlen geplant, der Zeitplan wackelt aber gehörig. Die EU droht den Machthabern mit Sanktionen, wenn sie den Übergang behindern.

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Für Unruhe sorgen zudem US-Berichte, dass die russische Söldnertruppe Wagner aufseiten der Regierung und der Streitkräfte aktiv sei. „Das wäre eine absolute rote Linie“, sagt dazu Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). Brigadier Riener will die Frage in einem Videogespräch mit österreichischen Journalisten nicht weiter vertiefen: „Das ist Politik“ – und dafür sei er nicht zuständig.

Und schließlich: Wird mit EUTM nicht eine Armee unterstützt, die geputscht hat? Tanner und Riener verweisen auf die Notwendigkeit der Stabilität und die nach wie vor geplanten Wahlen. Schnelle Lösungen gebe es aber ohnehin nicht. Riener: „Wir brauchen Geduld. Wir werden nicht in sechs Monaten die Welt retten.“


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