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Diskussionen „befremdend": Tirols WK-Präsident Walser lehnt 5. Lockdown ab

Man brauche einen langfristigen Plan, wie man mit neuen Virusvarianten umgehe, fordert Tirols WK-Chef Christoph Walser. Die Wirtschaftskammer blickt unterdessen auch auf die Herausforderungen nach der Pandemie.

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Für Tirols WK-Präsident Walser war der 4. Lockdown der Letzte.
© Tiroler Wirtschaftskammer

Innsbruck – Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser will sich derzeit mit einem möglichen fünften Lockdown nicht beschäftigen. "Für mich ist klar, dass keiner kommt", sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Er ging davon aus, dass "wir es in den Griff bekommen und in den nächsten Monaten ohne Lockdown auskommen", meinte er. Die WK blickte stattdessen in die Zukunft und machte Vorschläge, um Arbeitskräftemangel, Dekarbonisierung und Digitalisierung stemmen zu können.

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Langfristiger Plan für Varianten

Um einen neuerlichen Lockdown aber aus dem Weg zu gehen, "werden wir langfristig einen Plan brauchen, wie wir mit unterschiedlichen Varianten, die immer wieder auftauchen, umgehen", forderte er. "Ich warne davor, bei jeder neuen Variante die ganze Welt verrückt zu machen", hielt Walser fest. Stattdessen gelte es, "einen kühlen Kopf zu bewahren und mit klaren Ansagen und Zielen vorzugehen, um die Betriebe so gut es geht offenzuhalten".

Dass nun aufgrund der Omikron-Variante bereits über einen neuerlichen Lockdown diskutiert werde, empfand Walser als "befremdend". Immerhin habe man erst wieder aufgesperrt, "und drei Tage danach reden wir schon über den nächsten Lockdown. Das ist für mich nicht nachvollziehbar". Er ging davon aus, dass Politik und Wirtschaft "alle Vorkehrungen treffen", damit man nicht wieder zusperren müsse.

In 20 Jahren fehlen 30.000 Arbeitskräfte

Walser konzentrierte sich bei der Pressekonferenz aber vorwiegend auf die Zukunft - auf die Zeit nach der Pandemie - und machte den Arbeits- und Fachkräftemangel, die Dekarbonisierung sowie die Digitalisierung als wichtigste Zukunftsthemen für die Tiroler Wirtschaft aus. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung würden im Jahr 2040 rund 30.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter fehlen, verdeutlichte er die Problematik.

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Daher gelte es, vermehrt Frauen in die Arbeitswelt zu bringen - etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung. Außerdem müssen Migrantinnen und Migranten verstärkt in den Arbeitsmarkt integriert und die Hürden für die Rot-Weiß-Rot-Card gesenkt werden. Außerdem gelte es, Pensionistinnen und Pensionisten ohne steuerliche Nachteile die Möglichkeit einer weiteren Beschäftigung zu geben. Die Zuverdienstgrenze für Arbeitslose solle dagegen "gestoppt" werden, forderte er. Ansonsten sei der Anreiz wieder arbeiten zu gehen zu gering, fand er. Jugendlichen soll der Weg ins Arbeitsleben über die Ausweitung des berufspraktischen Bildungssystems erleichtert werden, sagte Walser.

Nachholbedarf bei Ausbau erneuerbarer Energien

Tirols WK-Vizepräsident Manfred Pletzer hielt fest, dass der Klimawandel künftig entscheidend sei werde, da dieser "gekommen ist, um zu bleiben". Der Ausstieg aus Öl und Gas sei der einzig langfristige Weg. Daher habe man der Tiroler Landesregierung vorgeschlagen, dass Unternehmen eine "Dekarbonisierungsförderung" in Höhe von bis zu 150.000 Euro erhalten sollen, wenn sie in CO2-sparende Maßnahmen investieren. Beim Ausbau erneuerbarer Energien ortete Pletzer in Tirol indes noch starken Nachholbedarf, hier sei das Bundesland "säumig". Besonders beim Ausbau der Photovoltaik gebe es noch viel Luft nach oben, die Windkraft werde es aufgrund Tirols Topographie "eher nicht werden".

Für Mario Ecker war indes als Beauftragter für Digitalisierung ebenjene der Schlüssel zur Zukunft. "Digitalisierte Unternehmen sind nachweislich erfolgreicher", berichtete er. Zwar würden traditionelle Geschäftsmodelle dadurch unter Druck geraten, es würden aber neue Arbeitsplätze geschaffen und neue Chancen würden sich eröffnen. Er pochte darauf, dass in Schulen und während der Lehre eine digitale Grundausbildung gelehrt werde. Junge Menschen dürften nicht nur als Konsumentinnen und Konsumenten digitaler Produkte sein, sondern sollen diese auch selbst gestalten können. (TT.com, APA)


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