Ärztekammer-Chef kontert Kickl: „Es ist erwiesen: Die Impfung wirkt“

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres kontert FPÖ-Chef Kickl und den Mediziner Sönnichsen.

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FPÖ-Chef Kickl (r.) hat den gekündigten Mediziner Sönnichsen als Corona-Gesinnungsfreund.
© APA/Neubauer

Von Karin Leitner

Wien – Einmal mehr wettert er verbal gegen Mittel wider die Corona-Pandemie – Lockdowns, Impfungen. Zupass bei seiner Agitation kommt FPÖ-Chef Herbert Kickl ein „Offener Brief“ von 200 Ärzten – das sind 0,4 Prozent der rund 47.600 hiesigen Medizinerinnen und Mediziner. Diese Mini-Minderheit bestreitet, dass das Vakzin wirkt. Sie stellen es bei Gesunden unter 65 infrage.

Für eine Pressekonferenz an die Seite geholt hat sich Kickl Andreas Sönnichsen. Die Medizin-Uni Wien hat den Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin am Zentrum für Public Health gekündigt, er wurde dienstfrei gestellt. Grund dafür: Er hat Corona-Vorgaben nicht eingehalten, Weisungen nicht befolgt. Erneut beklagt Sönnichsen Freiheitsbeschränkung – jene der Meinungsäußerung und der Wissenschaft, die, seine Patienten „nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln“. Dies sei im Namen einer Krise geschehen, „deren Ausmaß maßlos überschätzt wird“.

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres kontert im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung: „Die Zahlen sprechen für sich. Es gibt weltweit Millionen Tote, viele Kranke und Schwerkranke – trotz Lockdowns und rigoroser Maßnahmen. Ich will mir nicht ausmalen, wie es ohne all das wäre.“ Was sagt er zu Kickls und Sönnichsens Befund der „Impfquisition“, gemünzt auf die Impfpflicht ab Februar? „Es ist erwiesen, dass die Impfung wirkt – nicht zu hundert Prozent, aber vor schwerem Krankheitsverlauf, davor, auf einer Intensivstation zu landen. Auch gegen die Omikron-Variante schützt das Vakzin zu 75 Prozent.“

Dass das Gros der Bürger „gar nicht gefährdet“ sei, sondern nur Risikogruppen, wie Sönnichsen sagt, stimme nicht: „Auch Junge können Long Covid bekommen, können dann teils nicht mehr in den zweiten Stock gehen.“ Zu Anmerkungen der 200 Mediziner sagt er: „Das sind teils Zahnärzte und pensionierte Ärzte mit Halbwahrheiten und Fehlinterpretationen.“ Zu Kickls Vorhalt, Szekeres erpresse Mitglieder, bei der Ärztekammer-Wahl sei ihm ob dessen „politisch das Handwerk zu legen“, befindet er: „Ich wüsste nicht, womit ich Kollegen erpresse. Es gibt ein Ärztegesetz. Das habe nicht ich ausgedacht. Dieses besagt: Es ist auf Basis wissenschaftlicher Evidenz zu agieren.“ Abgesehen davon: „Herr Kickl ist bei der Kammerwahl nicht wahlberechtigt.“

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Welche Reaktionen bekommt Szekeres via E-Mails und Briefe? „Ich bin überrascht angesichts des Hasses, der Emotionen wegen der Empfehlung, sich impfen zu lassen. Auch Morddrohungen bekomme ich, auf der Straße werde ich angepöbelt. Es laufen Anzeigen.“


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