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Psychoterror Form von Gewalt: Weil seelische Wunden auch schmerzen

In Obsorge-Fragen könnte Psychoterror vor Gericht bald als Gewalt gelten. Tirols Kinder- und Jugendanwältin geht dieser Schritt allein nicht weit genug.

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Symbolbild.
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Innsbruck, Wien – Blaue Flecken oder Hautabschürfungen fallen direkt auf. Was Demütigungen und ständiges Beschimpftwerden mit einem Menschen machen, meist nicht. Zumindest in Obsorge-Fragen soll die psychische Gewalt der körperlichen rechtlich gleichgestellt werden. Pläne von Justizministerin Alma Zadić sehen vor, dass Väter oder Mütter, welche sie ausüben, in ihren Kontaktrechten eingeschränkt werden, berichtete zuletzt unter anderem der Kurier. Für Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser ist dieser Schritt ein Anfang, greift aber zu kurz.

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Die grüne Justizministerin Zadić will das Kindschaftsrecht neu definieren und in erster Linie den Gewaltbegriff erweitern – um die ökonomische und eben auch die psychische Gewalt. Psychoterror, ständige Anrufe, Drohungen, andere Schikanen würden dann strenger geahndet. Erst im Frühjahr kommenden Jahres soll diese Reform in Begutachtung geschickt werden. Änderungen der derzeit angedachten Regelungen sind also durchaus noch möglich.

„Wir müssen alle Arten von Gewalt mitdenken, um Kinder zu schützen“, sagt Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser. Bei Obsorge-Auseinandersetzungen seien sie oft unerkannte Opfer, selbst wenn der eigentliche Streit zwischen den Eltern stattfinde und der Vater der Mutter oder umgekehrt Böses antut. „Miterlebte Gewalt ist unglaublich traumatisierend und die Kleinen leiden immens darunter. Sie sind völlig machtlos und müssen sich das alles ansehen.“ Den Ansatz der Justizministerin findet sie grundsätzlich gut, er geht ihr aber „nicht weit genug. Denn psychische Gewalt ist mindestens genauso schlimm wie körperliche. Aber leider wird sie von vielen Seiten als am wenigsten relevant eingeschätzt.“ Dabei schmerzen seelische Wunden genauso, meint die Kinder- und Jugendanwältin. Und würden oft sogar viel langsamer verheilen.

Harassers Wunsch: „Psychische Gewalt gegenüber Kindern sollte generell genauso streng geahndet werden wie die körperliche.“ Nicht nur im häuslichen Bereich. „Es gibt Lehrer, die ihre Schüler seit Jahren systematisch fertigmachen.“ Rechtliche Handhabe dagegen gibt es keine. Hier müsse sich etwas ändern, sagt Harasser. (bfk)

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