Als die Partitur laufen lernte: Meisterkonzert mit „Wiener Symphonikern“

Ádám Fischer und Leonidas Kavakos beim Meisterkonzert mit den „Wiener Symphonikern“.

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Dirigent Ádám Fischer nimmt die Ovationen des Publikums entgegen – aber nur kurz. Dann eilt er nach hinten und dankt den MusikerInnen.
© Schramek

Innsbruck – Eifrige Meisterkonzertbesucher, und deren gibt es reichlich, konnten die Wiener Symphoniker im Innsbrucker Congress zweimal binnen relativ kurzer Zeit live erleben: im Oktober 2020 als kurzfristige Einspringer für das gebuchte Orchester aus Frankreich und vorgestern plangemäß im Rahmen der aktuellen Konzertreihe.

Die Geschichte des vorweihnachtlichen Symphoniker-Gastspiels am Dienstagabend schreibt aber weniger das solide agierende orchestrale Großaufgebot aus der Bundeshauptstadt. Es sind zwei besondere Herren, die dem Konzert ihren Stempel aufdrücken.

Zuallererst und zuvorderst ist da Dirigent Ádám Fischer zu nennen. Der gebürtige Ungar, rüstige 72 Jahre alt, ist Fleisch gewordene musikalische Passion. Fischer wirkt zart und fragil, doch am Pult kann er kaum stillstehen. Er rudert mit den Armen, verrenkt sich, verteilt mit dem Stab Hiebe und Liebkosungen (angedeutet!), er hopst, grimassiert und reißt beide Hände in die Höhe, damit das Fortissimo wie gewünscht durch den Saal Tirol donnert. Was für ein Schauspiel!

Für Tschaikowskys Konzert für Violine und Orchester op. 35 lässt sich Fischer sicherheitshalber die Partitur von einem dienstbaren Helferlein ans bereits erklommene Pult nachreichen. Bei Brahms’ 4. Symphonie op. 98 benötigt der Maestro dann aber keine Vorlage in Notenform: Fischer geleitet die Symphoniker mit Verve und Energie auswendig durch sämtliche vier Sätze. Seine Einsätze kommen bombensicher. Respekt, größter Respekt!

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Zweiter Herausrager des Abends ist, wohl programmgemäß, Violinsolist Leonidas Kavakos. Beim schon erwähnten Opus Numero 35 Tschaikowskys spielt sich der Grieche in lichte Höhen. Da staunen Fachleute und Laien gleichermaßen. Und man fragt sich, wie man derartige Schwierigkeiten mit derart leichter Hand, ein seliges Lächeln auf den Lippen, der gebannten Zuhörerschaft zum Geschenk machen kann.

Beim Zugabenfinale lässt Fischer die Symphoniker ganz ihres Amtes walten. Die Abteilung Gassenhauer wird eröffnet. Bei Brahms’ rasantem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ und der „Pizzicato-Polka“ der Strauss-Brüder Johann und Josef liegt Neujahrsstimmung in der Luft. (mark)


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