Lockdown kostet Österreichs Handel 2 Milliarden Euro

Die letzten Tage vor Weihnachten brachten dem Handel gute Umsätze, die Lockdown-Verluste kann die Branche nicht aufholen.

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Auch der Einkaufssonntag am 19. Dezember konnte die Umsatzverluste des Einzelhandels durch den Lockdownl nicht kompensieren.
© Böhm

Innsbruck – Der erneute Lockdown traf den heimischen Handel zum ungünstigsten Zeitpunkt – genau zum Start des dringend benötigten Weihnachtsgeschäfts. Die endgültigen Zahlen wird es erst im Jänner geben, die Wirtschaftskammer (WK) geht für ganz Österreich –insgesamt brachte der Lockdown 18 Schließungstage mit Umsatzverlusten von bis zu 130 Mio. Euro pro Tag – von einem Umsatzverlust von zwei Milliarden Euro aus.

Schon der „Lockdown für Ungeimpfte“ bescherte dem Einzelhandel heftige Umsatzeinbrüche. Zur Berechnung verwendete die WK die Anzahl der aktuell gültigen Impfzertifikate. Daraus ergebe sich laut den Branchenvertretern der WK ein potenzieller Verlust von rund 20 Prozent für den Non-Food-Einzelhandel. Zudem fiel heuer auch der traditionell umsatzstarke 8. Dezember aus. Dies konnte auch durch die zusätzliche Öffnung am 19. Dezember nur teilweise kompensiert werden. Die WK rechnet auf Basis einer Prognose der Johann Kepler Universität (JKU) mit Zusatzumsätzen von 13 bis 15 Mio. Euro. „Dies entspricht ungefähr einem guten Einkaufstag unter der Woche“, erklärt Simon Franzoi, Spartengeschäftsführer Handel der WK Tirol. Man müsse dabei auch bedenken, dass durch die Öffnung am Sonntag auch einiges an Mehrkosten anfalle. Der Samstag bleibe mit rund 34 Mio. Euro der beliebtere Einkaufstag, auch weil alle Geschäfte offenhalten durften. „Ziel der Sonntagsöffnung war es, Kundenströme zu entzerren sowie auch ein Zeichen gegen den internationalen Online-Handel zu setzen“, so Franzoi.

Ein Umfrage der WK zeigt, dass 43 Prozent für einen Teil der Geschenkeinkäufe auf Geschäfte ausgewichen sind, die während des Lockdowns offen hatten, wie Supermärkte oder Drogerien. 22 Prozent haben Click & Collect genutzt und 37 Prozent haben auf die Öffnung der Geschäfte gewartet. „Die relevanteste Verlagerung dürfte jedoch vom Offline- in den Online-Handel stattgefunden haben“, meint Franzoi. Auf der Basis der Befragung im Dezember sei davon auszugehen, dass 30 Prozent der gesamten Weihnachtsausgaben via Internet getätigt werden. Das entspreche Online-Geschenkausgaben in der Höhe von 590 Mio. Euro. „Profitieren werden von der Verschiebung vor allem wieder einmal die internationalen Anbieter“, sagt Franzoi. Vor allem Amazon sei der Gewinner der aktuellen Krise, dürften doch drei Viertel der „Internet-Geschenke-Käufer“ auf der Plattform des Internet-Riesen bestellt haben.

Generell gehen die WK-Experten davon aus, dass in den verbleibenden Tagen noch relativ gute Umsätze erzielt werden. Die Verluste durch den neuerlichen Lockdown könne die Branche jedoch nicht aufholen. (hu)


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