Virtus Ski-WM in Seefeld: Wenn die Stärken im Fokus stehen

Im März gehen Wintersportler mit mentaler Behinderung bei der Virtus Ski-WM in Seefeld auf Medaillenjagd. Im Blickpunkt: die Fähigkeiten – und nicht die Schwächen. Für einen Lokalmatador schlägt die große Stunde.

  • Artikel
  • Diskussion
Während sich der Seefelder „Local Hero“ Markus Grameiser (linkes Bild) bei der Virtus Ski-WM für die harte Trainingsarbeit belohnen möchte, machte Nationaltrainer Josef Hones (blau) dem nordischen Team Beine.
© ÖBSV

Von Daniel Lenninger

Seefeld – Spricht Paula Grameiser-Scherl über die Virtus Ski-Weltmeisterschaft, hört man aus jeder Silbe die pure Leidenschaft heraus. Und eine riesige Vorfreude auf etwas Historisches. Die Wettkämpfe für Sportler mit mentaler Behinderung gehen vom 13. bis zum 19. März in Seefeld über die Bühne, und zwar erstmals auf österreichischem Boden. In den alpinen und nordischen Disziplinen finden jeweils vier Bewerbe statt – erwartet werden 86 Teilnehmer aus 12 Ländern. Und damit es zum „Fest der Freundschaft“ – so lautet das offizielle Motto – kam, musste Grameiser-Scherl, nun WM-Generalsekretärin, erst einmal reichlich Überzeugungsarbeit leisten.

Dahinter steckt eine sehr persönliche Geschichte. 1999 kam ihr Sohn Markus Grameiser mit einem Down-Syndrom zur Welt. Und weil der Sprössling stets engagiert und erfolgreich auf Ski stand, reiste er 2019 zur WM im französischen Grenoble. Markus kehrte mit fünf Medaillen, darunter eine Goldene, zurück – und die Mama mit einem großen Traum. „2021 findet die WM bei uns in Seefeld statt“, teilte sie René Schönberger, Vorsitzender des Kompetenzgremiums für Mentalbehindertensport, keck mit. Es waren keine leeren Worte, und nach dem Segen des damaligen Seefelder Bürgermeisters Werner Frießer sowie des Österreichischen Behindertensportverbands kam Bewegung in die Sache. Mit der pandemiebedingten Verschiebung auf 2022 musste man leben und nun ist der Wunsch groß, dass Corona nicht erneut dazwischenfunkt. „Momentan kann man nicht sagen, was nächste Woche ist“, möchte auch Grameiser-Scherl den Tag nicht vor dem Abend loben. Sollte der Plan aufgehen, haben die österreichischen Teilnehmer, darunter fünf Tiroler, viel vor.

Virtus Ski-WM 2022

Die Wettkämpfe für Sportler mit mentaler Behinderung finden vom 13. bis zum 19. März 2022 in Seefeld und erstmals in Österreich statt.

Teilnehmende Länder: Österreich, Polen, Japan, Australien, Finnland, Schweden, Frankreich, Tschechien, Estland, Russland, Türkei, Italien.

Mögliche Teilnehmer aus Österreich (15):

  • Alpin: Markus Grameiser, Alexander Haissl, Michael Konrad, Stefanie Zwatz (alle Tirol), Eva-Maria Dünser, Oliver Pfeiffer (beide Vorarlberg), Christian Öllinger, Anna-Sophie Friedl, Stephanie Schlömmer, Richard Strohhäusl (alle OÖ), Julia Pleikner (Kärnten).
  • Nordisch: Johannes Grander (Tirol), Siegfried Mair, Gregor Knogler, Johann Wieser (alle OÖ).

Im Land der Berge residierten in der Vergangenheit bereits so einige Sportveranstaltungen. Etwa die Olympischen Winterspiele 1964 und 1976 in Innsbruck, die Fußball-EM 2008 (ebenfalls in Innsbruck) oder die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld. Die Virtus Ski-Weltmeisterschaft bedeutet jedoch ein Novum – und gelebte Inklusion.

Seefeld steht vor der Chance, die Entwicklung weiter voranzutreiben. Nicht die Schwächen, sondern die Stärken der Sportler stehen im Rampenlicht. Und langfristig gesehen möchte man sich in der paralympischen Bewegung einfinden, wie Grameiser-Scherl bestätigt: „Es gibt Gespräche und mit einer tollen WM wollen wir weiter positiv auf uns aufmerksam machen.“

Österreichs nordisches WM-Team startete zuletzt mit den Paten David Kreiner (2. v. l.) und Mario Stecher (ganz rechts) in die Vorbereitung. Darüber freute sich auch WM-Generalsekretärin Paula Grameiser-Scherl (ganz links).

Dass die Großveranstaltung erstmals in Österreich stattfindet, habe jedenfalls „eine sehr große Bedeutung. Wir verfügen – sowohl bei den Sportlern als auch bei den Trainern – über ein tolles Team und wollen uns weiterentwickeln.“ Und auch die Paten hören auf klingende Namen mit großer sportlicher Vergangenheit. Während Mario Stecher und David Kreiner die nordischen Sportler begleiten, stehen Marlies und Benjamin Raich den alpinen Medaillen-Hoffnungen zur Seite. Und die wertvollen Ratschläge der einstigen Spitzen-Athleten kommen von Herzen.

Gut zuhören wird auch der Seefelder Lokalmatador Markus Grameiser. Der 22-Jährige erlitt im Mai einen Kreuzband- riss und kämpfte sich bereits zurück. „Er ist auf einem guten Weg“, freut sich auch die Mama. Nachschub für die Medaillensammlung wäre die schönste Belohnung. Vielleicht kann das Christkind ja an einem verspäteten Weihnachtsgeschenk arbeiten.


Kommentieren


Schlagworte