Caritas-Präsident Landau sieht guten „Nächstenliebe-Grundwasserspiegel“

Caritas-Präsident Michael Landau hat „Vorschusslorbeeren“ für den neuen Kanzler. Den Worten müssten aber Taten folgen.

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„Ich bin den Bischöfen sehr dankbar für ihren Appell an die Bundesregierung“, sagt Caritas-Präsident Michael Landau.
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Von Karin Leitner

Wien – Eine Koalition mit neuer Konstellation gibt es seit Kurzem, der vormalige ÖVP-Innenminister Karl Nehammer ist nun Regierungschef. Wie bewertet Caritas-Präsident Michael Landau die neue personelle Lage? „Ich nehme dankbar wahr, dass sich der Kanzler für einen neuen Stil engagiert“, sagt er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Jede Regierung werde aber an ihren Taten gemessen.

Zu tun sei viel: „Die Corona-Pandemie hat die Probleme sichtbar gemacht und verschärft.“ Es gelte „bei zentralen Themen weiterzukommen: bei Pflege, der Armutsbekämpfung, da auch der Kinderarmut, dem Arbeitslosengeld. Wohnen und Heizen sind teurer geworden. Es muss gelingen, ökologische und soziale Fragen zu verknüpfen.“ Einen „Vertrauensvorschuss“ gebe er Nehammer dahingehend, sagt Landau. „Ich halte die Signale für glaubwürdig.“ An den Taten sei aber „Maß zu nehmen“.

Nehammers Nachfolger im Innenressort ist Gerhard Karner; er bleibt bei dem strengen Asyl- und Flüchtlingskurs, den Nehammer unter der Kanzlerschaft von Sebastian Kurz vollzogen hat. Landau sagt dazu: „Dass der Geschäftsführer der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen, Andreas Achrainer, den im Oktober angekündigten Rückzug zurücknimmt, ist ein ermutigendes Zeichen. Er sagt, dass er bei Gesprächen mit dem Innenministerium und NGOs den Eindruck gewonnen hat, dass es gute Möglichkeiten gibt, die Arbeit der BBU im Sinne der Asylsuchenden weiterzuentwickeln.“ Auch er werde sich um Dialog mit dem neuen Innenminister bemühen, sagt Landau.

Ob eines entsprechenden Appells von Papst Franziskus haben sich die hiesigen Bischöfe dafür ausgesprochen, 100 Flüchtlingsfamilien in Österreich aufzunehmen. Die Bundesregierung solle „ein weihnachtliches Zeichen der Solidarität und Humanität“ setzen. Franziskus hatte die EU-Staaten um Erlaubnis ersucht, dass die Ortskirchen Flüchtlinge beherbergen dürfen. Dazu merkt Landau an: „Ich bin den Bischöfen sehr dankbar für ihren Appell an die Bundesregierung. Es wäre gerade jetzt zu Weihnachten ein wichtiges Zeichen der Humanität, 100 in ihrem Asylstatus anerkannte Familien mit Kindern aus den Erstaufnahmelagern im Sinne einer geordneten Rettungsaktion in Österreich aufzunehmen.“

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Generell sei „entscheidend, dass es gelingt, in gemeinsamem Bemühen ein Stück weiterzukommen“. Die Lichterkette entlang der Wiener Ringstraße am Sonntag vergangener Woche zum Gedenken an die mehr als 13.000 mit oder an Covid Verstorbenen gebe Hoffnung, konstatiert Landau. Organisiert haben das zwei Leute aus der Zivilgesellschaft, der Innsbrucker Roman Scamoni und Michael Landaus Bruder Daniel: „Das war ein starkes, friedliches Zeichen des Respekts und der Solidarität. Das werden wir beim Blick nach vorne brauchen. Wir kommen nur gemeinsam aus der Krise heraus. Die Aktion ist ein Symbol dafür, dass wir einen guten Grundwasserspiegel der Solidarität und Nächstenliebe in Österreich haben.“ Könnte es bei einem Einmalzeichen bleiben? Das glaubt Landau nicht: „Es hat sich gezeigt, wie viele Menschen zum Guten bereit sind. 2020 und 2021 waren Jahre der Krise, mit der Omikron-Variante des Coronavirus stehen wir vor der nächsten Herausforderung. 2022 sollte das Jahr der Chancen werden. Wir sollten vom Krisen- in den Chancenmodus kommen.“ Um „neue Empathiefähigkeit und Faktenorientierung“ gehe es. Schluss sollte sein „mit der Gereiztheit auf den Straßen und im Parlament“. Was tun dagegen? „Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Wenn Polizisten bespuckt, Krankenpflegerinnen angegriffen, Spitalszufahrten blockiert werden, sind die Grenzen der Toleranz überschritten.“ Ist Landau für eine Bannmeile vor Spitälern und Pflegeheimen? „Ich hoffe, dass solche Mittel nicht nötig sind. Ich werde nicht aufhören, für einen Weg des Dialogs zu werben.“

Als „Ultima Ratio“ qualifiziert Landau die Impfpflicht, die es ab 1. Februar gibt. Wie steht es mit der Impfquote in den Caritas-Einrichtungen? „In allen Caritas-Diözesen gibt es eine hohe Durchimpfungsrate der Mitarbeiter. In der Caritas Wien ist die Impfung schon jetzt Voraussetzung für eine Anstellung.“


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