Klimakrise und Artensterben: Die tierischen Gewinner und Verlierer 2021

Afrikanische Waldelefanten, Haie und Eisbären sind die Verlierer, während Österreichs Seeadler und der Iberische Luchs auf der Gewinnerseite stehen.

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Laut Studien brechen bis 2100 die meisten Eisbärpopulationen zusammen.
© Nicholas Smeed

Wien – Tausende Wildtierarten zählen inzwischen zu den gefährdeten Spezies, ob es nun der Afrikanische Waldelefant, diverse Haiarten oder Eisbären sind. Erderhitzung, Flächenfraß, Überfischung samt Wilderei machen ihnen und weiteren Arten das Überleben schwer. Der WWF Österreich macht in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen Verlierer des Jahres 2021 aufmerksam, insgesamt werden weltweit über 40.000 von etwa 142.500 erfassten Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste geführt.

Zahl der bedrohten Tierarten auf Höchststand

Die Zahl der als bedroht eingestuften Arten ist höher als je zuvor, berichtete die NGO am Mittwoch in einer Aussendung und warnte daher vor einer „katastrophalen Zuspitzung des weltweiten Artensterbens". Bis zu einer Million Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten aussterben, wenn keine Trendwende erfolgt, daher tritt die Umweltschutzorganisation für einen nationalen und globalen Naturschutzpakt ein. „Die neue Biodiversitätsstrategie in Österreich und ein global verbindliches Artenschutzabkommen müssen ambitioniert und verbindlich werden, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern", fordert Georg Scattolin, Programmleiter International des WWF Österreich.

So zeigt die Jahresbilanz auch da Lichtblicke und tierische Gewinner, wo Menschen intensiv Natur- und Artenschutz betreiben. Der heimische Seeadler sei da ein Paradebeispiel, aber auch dem Iberischen Luchs – einer der seltensten Katzen der Welt– und den nepalesischen Panzernashörnern geht es besser. Der Fund von Jungtieren des Siam-Krokodils in Kambodscha erstmals seit über zehn Jahren wurde vom WWF sogar als eine echte Überraschung bezeichnet. „Die tierischen Gewinner geben Hoffnung. Sie zeigen, was in Zeiten von Artensterben, Klimakrise und Pandemien möglich ist", lautet das Resümee von Scattolin.

Ist die Erde krank, werden es auch die Menschen.
Georg Scattolin, Programmleiter International des WWF Österreich

Insgesamt aber sei der Verlust an Artenvielfalt und die Erderhitzung die immer stärkeren Folgen der Ausbeutung unseres Planeten: „Ist die Erde krank, werden es auch die Menschen", erklärt Scattolin unter Hinweis auf die Notwendigkeit vitaler Ökosysteme und die Artenvielfalt für das eigene Überleben. Dieses Überleben ist für Afrikanische Waldelefanten weiter nicht gesichert: 2021 führen die in den Regenwäldern Zentral- und Westafrikas beheimateten Tiere die Rote Liste nun als „vom Aussterben bedroht" an. Die Bestände brachen um mehr als 86 Prozent innerhalb von 31 Jahren ein.

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Nicht viel besser ist die Lage der Haie und Rochen, ein Drittel aller Arten gilt laut Roter Liste seit heuer als bedroht. Überfischung ist der Hauptgrund für den Rückgang der Bestände, aber auch Lebensraumverlust und die Klimakrise machen die Situation prekär. Selbiges gilt auch für die Eisbären: Die Sommer der vergangenen Jahre brachten Rekordtemperaturen über den arktischen Landmassen. Die Klimaerhitzung verläuft in der Arktis dreimal so schnell wie im globalen Durchschnitt. 2035 könnte der arktische Ozean im Sommer erstmalig komplett eisfrei sein. Laut Studien würden bis 2100 die meisten Eisbärpopulationen zusammenbrechen.

Bergab geht es für zahlreiche, auch vom Menschen genutzte Fischarten, so kam es etwa in der westlichen Ostsee zu einer Dorsch-Apokalypse. Der Bestand ist durch Überfischung und die Klimakrise zusammengebrochen. Auch Wanderfischarten, die lange Strecken zwischen Meer und Bächen zurücklegen, geht es schlechter. Dabei waren Lachs, Stör und Huchen früher bei uns weit verbreitet. Durch Flussverbauung, Wasserkraftwerke, schlechte Wasserqualität und Überfischung sind die Bestände europäischer Wanderfische seit 1970 um 93 Prozent eingebrochen.

Hier ein Überblick

Die Verlierer 2021

🐘 Afrikanische Waldelefanten

Der Afrikanische Waldelefant ist nun auf der Roten Liste.
© WWF/Thomas Nicolon

2021 ist offiziell, was viele befürchteten: Den Afrikanischen Waldelefanten, der in den Regenwäldern Zentral- und Westafrikas lebt, führt die Rote Liste nun als „vom Aussterben bedroht“ an. Die Bestände brachen um mehr als 86 Prozent innerhalb von 31 Jahren ein. Die „Gärtner des Waldes“ spielen eine entscheidende Rolle beim Walderhalt und damit für den Klimaschutz. Lebensraumzerstörung und Wilderei sind ihre größte Bedrohung.

🦈 Haie und Rochen

Der Blauhai gehört zu den bedrohten Tierarten.
© WWF/Jost van Uffelen

Ein Drittel aller Hai- und Rochenarten gilt laut Roter Liste seit heuer als bedroht. Überfischung ist der Hauptgrund für den Rückgang der Bestände, aber auch Lebensraumverlust und die Klimakrise machen die Situation prekär.

🐻‍❄️ Eisbären

Der Eisbär wird in den nächsten Jahren ums Überleben kämpfen.
© WWF/Timothy Brooks

Die Sommer der vergangenen Jahre brachten Rekordtemperaturen über den arktischen Landmassen. Die Klimaerhitzung verläuft in der Arktis dreimal so schnell wie im globalen Durchschnitt. 2035 könnte der arktische Ozean im Sommer erstmalig komplett eisfrei sein. Laut Studien würden bis 2100 die meisten Eisbärpopulationen zusammenbrechen.

🦪 Edle Steckmuschel

Danijel Kanski untersucht eine Edle Steckmuschel (Pinna Nobilis).
© WWF/Kanstinger

Die größte im Mittelmeer lebende Muschel (Pinna nobilis) kann 90 cm und bis zu 20 Jahre alt werden. Doch in den vergangenen Jahren sind laut aktuellem WWF-Report in manchen Mittelmeerregionen Spaniens, Italiens oder Frankreich die Vorkommen (beinahe) komplett verschwunden. Auslöser des Massensterbens ist ein Parasit, der sich mit warmen Strömungen ausbreitet. Die Erderhitzung könnte dafür sorgen, dass sich dieser Vorgang verstärkt und in anderen Gegenden des Mittelmeers fortsetzt.

🐟 Dorsch, Stör und Co

Die Bestände des Beluga-Störs brechen ein.
© WWF/Rachler

Für zahlreiche, auch vom Menschen genutzte Fischarten geht es bergab. In der westlichen Ostsee kam es zu einer Dorsch-Apokalypse. Der Bestand ist durch Überfischung und die Klimakrise zusammengebrochen. Auch Wanderfischarten, die lange Strecken zwischen Meer und Bächen zurücklegen, geht es schlechter. Dabei waren Lachs, Stör und Huchen früher bei uns weit verbreitet. Durch Flussverbauung, Wasserkraftwerke, schlechte Wasserqualität und Überfischung sind die Bestände europäischer Wanderfische seit 1970 um 93 Prozent eingebrochen.

Gewinner 2021

🦅 Seeadler in Österreich

Der Seeadler ist zurück.
© WWF/Jennersten

Im Jahr 2000 galten Seeadler in Österreich noch als ausgestorben. Heute gibt es wieder 44 Brutpaare von Österreichs Wappentier und damit eine stetig wachsende, stabile Population. Eine absolute Erfolgsgeschichte im heimischen Naturschutz. Länderübergreifende Maßnahmen und das Schutz- und Forschungsprogramm des WWF haben maßgeblich zur Rückkehr der majestätischen Greifvögel beigetragen.

🐆 Iberischer Luchs

Der Bestand des Iberischen Luchses hat sich in den letzten 18 Jahren verzehnfacht.
© WWF/Cobo

Comeback für eine der seltensten Katzen der Welt. Die Population des Iberischen Luchses, der nur in Spanien und Portugal beheimatet ist, hat sich in den letzten 18 Jahren mit 1111 Tieren mehr als verzehnfacht. Seinem Verwandten in Österreich, dem Eurasischen Luchs, geht es leider gar nicht gut. Die maximal 40 heimischen Luchse sind durch illegale Verfolgung, Flächenfraß und genetische Verarmung lokal erneut vom Aussterben bedroht.

🦏 Panzernashorn

Das Panzernashorn kann vorerst aufatmen.
© WWF/Edwards

Seit vielen Jahren arbeitet der WWF mit der Regierung und Partnern in Nepal daran, Panzernashörner und ihren Lebensraum zu schützen. Die Bemühungen scheinen sich auszuzahlen. Der Bestand ist im Vergleich zu 2015 um 16 Prozent gewachsen und hat sich seit der ersten Zählung 2005 fast verdoppelt. Panzernashörner litten bisher vor allem unter Lebensraumverlust und der illegalen Jagd auf ihr Horn.

🐊 Siam-Krokodil in Kambodscha

Nach zehn Jahren konnte erstmals wieder die Fortpflanzung eines Siam-Krokodils nachgewiesen werden.
© WWF/Petri

Im September 2021 gelang dem Team des WWF und kambodschanischen Umweltministeriums ein sensationeller Fund: Auf einer Forschungsmission entdeckten sie acht Jungtiere des vom Aussterben bedrohten Siam-Krokodils. Seit über zehn Jahren ist es die erste nachgewiesene natürliche Fortpflanzung dieses Süßwasserkrokodils in Ost-Kambodscha.

🐣 Bartgeier

In den Alpen fliegen wieder mehr als 300 Bartgeier.
© WWF/Gunther

2021 war für die Bartgeier ein absolutes Erfolgsjahr. Im gesamten Alpenraum gab es einen Zuwachs von 50 Junggeiern – darunter sechs Jungvögel, die ausgewildert wurden. In den Alpen fliegen damit wieder über 300 Bartgeier. Das internationale Wiederansiedlungsprogramm, das vor über dreißig Jahren startete, ist auf gutem Weg. (TT.com)


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