Von Chats, Squid Game, Wölfen bis Schlangen im Klo: Das Jahr 2021 von A bis Z

Trotz vieler Lockdowns hatte das zu Ende gehende Jahr 2021 einiges zu bieten. Neben Comebacks und Jubiläen war auch so mancher Fehltritt mit dabei. Eine grobe Auswahl dessen, was die Menschen in Tirol und der Welt im heuer beschäftigte, amüsierte, aufregte. Leute, Phänomene, Begriffe, Trends 2021 – alphabetisch geordnet:

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Themen, Trends, Skandale 2021.
© AFP/APA/imago

Von Tamara Stocker

Innsbruck – Anders als erhofft war das Coronavirus auch im Jahr 2021 das dominierende Thema. Das spiegelt sich auch in einem ABC der wichtigsten Begriffe wider. Was aber war in diesem Jahr abseits der Pandemie sonst noch angesagt und was beeinflusste unser aller Lebensgefühl? Höchste Zeit, auf wichtige Ereignisse aus dem zweiten Krisenjahr zurückzublicken.

🎶 A wie ABBA

ABBA sind zurück: Björn Ulvaeus, Agnetha Fältskog, Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson (v. l.).
© Universal Music/Bence Thoroczkay

Es ist die Pop-Sensation des Jahres – nach 40 Jahren bringen die Schweden Agnetha (71), Björn (76), Benny (74) und Anni-Frid (76) ein neues Album raus. „Voyage“ heißt es („Reise“). Die Fans sind gerührt und freuen sich über den vertrauten Sound. Das Entspannteste sind die Damen der Band: Sie lassen sich aufs Studio ein, überlassen aber den ganzen Vermarktungsrummel den Herren. Ab 2022 gibt es auch eine Computer-gestützte Show in London mit so genannten „Avataren“.

📽️ Video | ABBA – I Still Have Faith in You

👱🏼‍♀️ B wie Britney Spears

Die Popsängerin – am 2. Dezember wurde sie 40 Jahre alt – hat jahrelang keinen Zugriff auf ihre Konten und darf auch private Entscheidungen nicht selbstbestimmt treffen. Die Fan-Bewegung „FreeBritney“ setzt sich für sie ein. Ein Gericht setzt im November Spears’ Vater schließlich als Vormund ab.

Tausende gingen für die Bewegung #FreeBritney auf die Straße.
© imago/AFP

📱 C wie Chat-Affäre

Das war der letzte Tag von Thomas Schmids Zeit als Chef der staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG, die erst Ende März 2019 begonnen hatte. Veröffentlichte Chats zwischen ihm, Ex-Kanzler Sebastian Kurz und Ex-Finanzminister Gernot Blümel und Thomas Schmid sorgten für ein politisches Erdbeben.

Ursprünglich hatte die WKStA bei ihm nach Unterlagen zur Bestellung des FPÖ-Mannes Peter Sidlo bei den Casinos Austria gesucht. Auf seinem Handy, genauer auf einer übersehenen Sicherung der Handy-Daten, finden sich aber zahlreiche Chats zu verschiedenen Bestellungsvorgängen und anderen Entscheidungen der ÖVP, sodass Schmid zunehmend in den Mittelpunkt mehrerer Untersuchungen der WKStA rückt.

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Kurz und neun weitere Personen – teils aus seinem engsten Umfeld – wegen des Verdachts der Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit.

🔴 D wie Dunkelrot

Der Ausgang der Grazer Gemeinderatswahl am 26. September sorgt für eine Überraschung. Die ÖVP von Langzeit-Bürgermeister Siegfried Nagl büßt ihre Vormachtstellung ein und wird von der KPÖ auf Platz drei verdrängt. Die Kommunisten schließen ein Bündnis mit Grünen und SPÖ, das Elke Kahr (KPÖ) mit 17. November zur Bürgermeisterin macht.

Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr.
© ERWIN SCHERIAU

⚽ E wie Europameisterschaft

Italien krönt sich zum zweiten Mal nach 1968 zum Europameister. Im Endspiel der paneuropäischen Titelkämpfe wird im Wembley-Stadion in London England im Elfmeterschießen mit 3:2 niedergerungen.

Österreich schafft es bis ins Achtelfinale. Den ersten Sieg einer österreichischen Mannschaft bei einer EM-Endrunde feiern David Alaba und Co. gleich im ersten Spiel mit 3:1 gegen Nordmazedonien, es folgen ein 0:2 gegen Niederlande sowie ein 1:0 gegen die Ukraine. Im Achtelfinale liefert die Auswahl von Franco Foda Italien einen heißen Fight auf Augenhöhe und muss sich erst in der Verlängerung mit 1:2 geschlagen geben.

Der Zusammenbruch von Christian Eriksen bei der Fußball-EM bleibt unvergessen.
© KOEN VAN WEEL

Am 12. Juni bangt ganz Fußball-Europa um das Überleben von Christian Eriksen. Der dänische Nationalspieler kollabiert im Gruppenspiel gegen Finnland, Helfer führten lebensrettende Maßnahmen aus. Die in der 43. Minute unterbrochene Partie wird später fortgesetzt. Nicht nur in diesem Fall sorgt die UEFA-Politik für Kopfschütteln, sondern auch bezüglich Abwälzen der Verantwortung auf die lokalen Behörden in der Corona-Frage und des Regenbogenflaggen-Verbots.

♀️ F wie Femizide

Es ist eine erschütternde Bilanz: Heuer hat es in Österreich 31 Femizide und 55 Mordversuche an Frauen gegeben. Hochgerechnet wird hierzulande knapp alle zwei Wochen eine Frau ermordet. Damit gehört Österreich gehört nach Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat zu den Ländern, in denen mehr Frauen als Männer Gewaltverbrechen zum Opfer fallen. Charakteristisch für den Tatbestand Femizid: Die Täter sind häufig bereits polizeilich erfasst und stehen in einem Beziehungs- oder Familienverhältnis zu den Frauen.

In Österreich ist jede fünfte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Acht von zehn Anzeigen werden eingestellt, doch gerade einmal zwölf Prozent der Angezeigten werden angeklagt und verurteilt. Dass sie nicht rechtzeitig Schutz finden, führen Hilfsinitiativen auf Strafverfolgung und Politik zurück.

Hier finden Sie Hilfe

📷 G wie Grumpy Chic

Outfit und Look von Vermont-Senator Bernie Sanders bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden gehen viral. Memes und Fotomontagen feiern Sanders in Winterjacke, auffälligen Strickhandschuhen und verschränkten Armen in allen möglichen Situationen.

Bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden werfen sich die Gäste in Schale. Bernie Sanders tanzt mit seinem Outfit jedoch etwas aus der Reihe.
© BRENDAN SMIALOWSKI

🎶🤰🏼 H wie Helene Fischer

Nachdem es länger ruhig um sie gewesen war, kam man heuer nur schwer an ihr vorbei: Helene Fischer. Zunächst feierte die Schlagersängerin ihr musikalisches Comeback. Nach vier Jahren Pause veröffentlichte sie im August erst ihre neue Single „Vamos a marte" mit „Despacito-Sänger" Luis Fonsi und im Oktober folgte dann ihr Album „Rausch". Damit landete sie direkt auf Platz eins der deutschen Charts. Und auch privat gab es Grund zum Feiern: Helene Fischer ist schwanger. Sie und ihr Partner Thomas Seitel erwarten ihr erstes gemeinsames Kind. Es wird ein Mädchen.

💉 I wie Impfung

Mit großer Hoffnung beginnt das Jahr: Das Jahr 2021 stand weltweit im Zeichen der Covid-19-Impfkampagne. Als erste Region Europas wird der Bezirk Schwaz durchgeimpft. Die laut Studien und späteren Real-World-Daten gegen schwere Verläufe hochwirksamen Vakzine sind zunächst rar und bei noch geltenden Lockdowns in den ersten Monaten des Jahres 2021 vorrangig für ältere Menschen und Gesundheitspersonal bestimmt. Am 2. September gibt es bereits die ersten „Drittstiche".

Mr. Lordi von der finnischen Hardrock-Band Lordi bekommt seine zweite Corona-Spritze. WIe hinderlich das ungewöhnliche Bühnenkostüm dafür war, weiß wohl nur die Impfärztin.
© JOUNI PORSANGER

Mitte Dezember verfügen rund 70 Prozent der Einwohner Österreichs über ein gültiges Impfzertifikat. Weltweit haben 57 Prozent aller Menschen zumindest eine Impfung erhalten, in armen Ländern deutlich weniger. Mehr als acht Milliarden Dosen wurden global verabreicht.

🥇 J wie Jubel

Österreichs Sportfans kamen 2021 kaum aus dem Jubeln heraus: Fünf Goldene bei der Ski-WM (Kriechmayr 2, Liensberger 2, Schwarz), drei bei den Nordischen Titelkämpfen (Lamparter, Lamparter/Greiderer, Kraft) und dann noch der historische Massenstart-WM-Titel der Tiroler Biathletin Lisa Hauser waren in Sachen Wintersport die Highlights.

📸 Der Tiroler Kombinierer Johannes Lamparter räumte bei der WM ab:

Bei Olympia nahmen die ÖOC-Athleten Übergepäck in Form von einmal Gold (KIesenhofer/Rad), einmal Silber (Polleres/Judo) und fünfmal Bronze (Schubert/Klettern, Lobnig/Rudern, Weißhaidinger/Diskus, Plank/Karate, Borchashvili/Judo) aus Tokio mit nach Hause.

💥 K wie Kapitol

Der 6. Jänner 2021 ist eine Zäsur in der Geschichte der USA. Ein wütender, bewaffneter Mob dringt in das US-Kapitol ein, um zu verhindern, dass Joe Biden offiziell als Wahlsieger bestätigt wird.

Fünf Menschen starben bei den gewaltsamen Ereignissen, darunter ein Polizist. Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen, weil er seine Anhänger zuvor in einer Rede aufgestachelt hatte. Am Ende des Verfahrens wurde er freigesprochen. Ein Untersuchungsausschuss im Repräsentantenhaus soll nun die Hintergründe des Sturms auf das Kapitol aufklären.

Die Bilder vom Sturm auf das US-Kapitol gingen um die Welt.
© imago/AFP

😐 L wie Lukaschenko

Er ist der korrupteste Politiker des Jahres: Der belarussische Machtaber Alexander Lukaschenko. Das entschied das Organized Crime and Corruption Reporting Project (Projekt zur Erfassung und Veröffentlichung von organisierter Kriminalität und Korruption, kurz OCCRP). Pikantes Detail: Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schaffte es unter 1167 Nominierten auf die fünf Finalisten umfassende Shortlist des Negativ-Rankings.

Aber zurück zu Lukaschenko: Auch im Jahr nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen, deren Ergebnis von der westlichen Staatengemeinschaft nicht anerkannt wird, schreibt der seit 1994 von Alexander Lukaschenko autoritär regierte Staat regelmäßig internationale Schlagzeilen. Das ist weniger ins Exil vertriebenen oder ins Gefängnis gesteckten Oppositionspolitikern zu verdanken, sondern vor allem spektakulären Aktionen des Regimes selbst:

  • Im Mai zwingen die belarussischen Behörden einen Linienflug aus Athen nach Vilnius in Minsk zur Landung und verhaften den an Bord befindlichen Oppositionsjournalisten Roman Protassewitsch und seine Lebensgefährtin. Die EU reagiert mit Sanktionen und untersagt europäischen Fluglinien die Verwendung des belarussischen Luftraums.
  • Im Spätherbst versuchen vom Regime in großer Zahl nach Belarus eingeflogene Iraker, Jemeniten und Syrer in Hoffnung auf einen Asylstatus in der EU, die belarussisch-polnische Grenze zu stürmen. Abermals verhängen EU, USA, Großbritannien und Kanada Sanktionen gegen Lukaschenkos Regime, das allerdings weiter massiv vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt wird.

#️⃣ M wie Merkel

Nach 16 Jahren ist die Ära von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel Geschichte. Den Rekord von Helmut Kohl – am 18. Dezember wäre sie exakt so lange im Amt gewesen wie er – verfehlt sie knapp. Am 8. Dezember wurde SPD-Chef Olaf Scholz zum neuen Kanzler gewählt, während sich die CDU der Nach-Merkel-Ära auf den Gang in die Opposition vorbereitet – mit dem ebenfalls neuen Vorsitzenden Friedrich Merz.

Aus dem Jahr 2021 bleiben besonders Merkels Fotos eines Besuchs im Vogelpark Marlow in Erinnerung, bei dem sie australische Loris fütterte, die ihr auf den Kopf steigen.

Mit diesen Bildern wurde Merkel zum Meme.
© APA/dpa/Georg Wendt

👔 N wie neue(r) Kanzler

Auch in Österreich gibt es einen neuen Kanzler – genaugenommen gab es in diesem Jahr sogar drei. Grund dafür waren in erster Linie die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Sebastian Kurz (ÖVP). Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) erklärt Kurz wegen der Vorwürfe der Justiz für nicht mehr amtsfähig. Als die ÖVP ihren erst Ende August mit großer Mehrheit wiedergewählten Parteichef nicht opfern will, schmieden die anderen Fraktionen an einer Vier-Parteien-Regierung. Um diese zu verhindern, tritt Kurz am 12. Oktober zurück und designiert Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) zu seinem Nachfolger. Kurz geht zunächst als Klubobmann der ÖVP ins Parlament.

Am 2. Dezember, unmittelbar nach der Geburt seines Sohns, entscheidet sich der Altkanzler jedoch für den vollständigen Abschied aus der Politik, was mit dem praktischen gleichzeitigen Rücktritt von Finanzminister Gernot Blümel das Regierungsteam der ÖVP nochmals umwürfelt. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wird Bundeskanzler, während Schallenberg zurück ins Außenamt geht.

Ein Jahr, drei Kanzler.
© APA

🚆 O wie oesterreichweites Klimaticket

Am Nationalfeiertag war es soweit: Das österreichweite Klimaticket geht in Verkauf. Mit einem Jahres-Fahrschein können um 1095 Euro – drei Euro pro Tag – öffentliche Verkehrsmittel im ganzen Land genutzt werden. 128.000 Menschen kaufen das Ticket zu einem nochmals günstigeren Early-Bird-Preis. Einige Kunden werden aber noch länger auf ihre Karten warten müssen. Wegen Lieferengpässen bei Chips dauert die Zustellung der Ausweise.

Lange gefordert, nun endlich da: Das Klimaticket.
© ROLAND SCHLAGER

🐺 P wie Problemwolf

Das Hickhack nimmt kein Ende: Im Tiroler Almsommer vergeht fast keine Woche ohne Wolfsalarm. Hunderte Schafe fallen den Beutegreifern zum Opfer. Der Wolf 118MATK wird für 59 tote Tiere verantwortlich gemacht. Für ihn erlässt das Land einen Abschussbescheid. Das Landesverwaltungsgericht weist diesen aber wenig später wieder zurück.

👑 Q wie Queen

Es war kein einfaches Jahr für die britische Königin Elizabeth II. Am 9. April stirbt ihr Ehemann Prinz Philip im Alter von 99 Jahren. Die Queen, die ihn als „meine Stärke und Stütze" bezeichnete, und der Herzog von Edinburgh waren mehr als 70 Jahre lang verheiratet. Corona-bedingt findet die Trauerfeier auf Schloss Windsor im engsten Familienkreis statt. Die Bilder der damals 94-jährigen Monarchin, die aufgrund der Pandemie-Bestimmungen mit Maske und allein in der Kirchenbank sitzend der Zeremonie beiwohnt, gehen um die Welt.

© JONATHAN BRADY

Im Herbst wächst Besorgnis über den Gesundheitszustand der Königin, nachdem sie Reisen absagt und auch nicht an den Gedenkfeiern für die Gefallenen am Remembrance Sunday teilnehmen kann – ein Termin, den sie in ihrer langen Regentschaft nur äußerst selten verpasst hat.

Bittere Schlagzeilen ab es auch rund um das Interview von US-Star-Moderatorin Oprah Winfrey mit Herzogin Meghan und Prinz Harry. Die (ehemaligen) Royals erheben dabei schwere Vorwürfe gegen die britische Königsfamilie, bezichtigen sie u. a. rassistischer Gedankenspiele. Meghan berichtete zudem von Selbstmordgedanken. Die Queen reagierte „traurig“. Sie nehme die Vorwürfe sehr ernst.

Nach der TV-Ausstrahlung ging es im Palast rund.
© JOE PUGLIESE

2021 war auch das Jahr des finalen „Megxits" – Prinz Harry und seine Frau Meghan kehren endgültig nicht mehr zu ihren royalen Pflichten im britischen Königshaus zurück. Am 4. Juni wird das zweite Kind des Paares namens Lilibet ,Lili' Diana Mountbatten-Windsor geboren.

✝️ R wie R.I.P.

Prinz Philip war nicht der einzige prominente Abschied im Jahr 2021. Denn auch heuer musste sich die Welt von zahlreichen berühmten Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Sport und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens verabschieden.

Viele bewegte der plötzliche Tod von TV-Gesicht und Sänger Willi Herren sowie des Comedians Mirco Nontschew. International trauerte die Musikwelt um den Stones-Schlagzeuger Charlie Watts. Erst kürzlich verstarb mit Sepp Forcher eine österreichische Moderatorenlegende.

© AFP/imago/dpa/APA

📺 S wie Serienhits

Bei Netflix gab es 2021 einmal mehr eine Fülle an Serien zu entdecken – genauer gesagt verhalfen eine Auswahl von mehr als 130 Originals und über 90 neuen Serien-Staffeln, diverse Lockdowns zumindest halbwegs erträglicher zu machen.

Wohl keine Produktion sorgte in diesem Jahr für so viel Aufsehen im gesellschaftlichen Diskurs wie „Squid Game". Die südkoreanische Blutsuppen-Orgie über eine Reihe von tödlichen Kinderspielen brach alle Rekorde, als sie im Zeitraum von 28 Tagen 1,65 Milliarden Sehstunden verzeichnen konnte. Das ist mehr als das Doppelte der 625 Millionen Stunden, die die in Großbritannien produzierte Serie Bridgerton Anfang 2021 verbuchen konnte. Und zwischen diesen Giganten haben Sendungen wie Maid (67 Millionen Aufrufe) aus den USA, Lupin (70 Millionen Aufrufe) aus Frankreich und Haus des Geldes (65 Millionen) aus Spanien die Grenzen überschritten und sich zu internationalen Hits entwickelt.

An „Squid Game" kam man in diesem Jahr kaum vorbei.
© Netflix

💢 T wie Taliban

In Afghanistan endeten im Sommer 20 Jahre eines internationalen Einsatzes im Chaos und der neuerlichen Schreckensherrschaft der radikalislamischen Taliban. Der von der Weltöffentlichkeit als überhastet wahrgenommene Rückzug der USA und ihrer Verbündeten aus Afghanistan führte zu dramatischen Szenen bei der Evakuierung des Personals und der Ortskräfte. Binnen weniger Tage überrannten in der Folge die Taliban ganz Afghanistan – die gewählte Regierung musste flüchten.

Die Ereignisse waren eine Zäsur für alle Afghaninnen und Afghanen. Noch immer warten zehntausende Menschen auf ihre Ausreise, sie haben Angst vor den Taliban oder wollen der massiven wirtschaftlichen und humanitären Krise im Land entkommen.

Die Islamisten geben sich gemäßigter als bei ihrer ersten Machtübernahme vor 25 Jahren, lassen aber keine Zweifel an ihrer radikalen Auslegung des Islam, die weder demokratische Mitbestimmung der Bevölkerung noch Gleichberechtigung der Frau kennt. Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen sind geschlossen. Straßenproteste von Aktivistinnen wurden gewaltsam unterdrückt.

Oben: Dieses Foto ist historisch: Generalmajor Chris Donahue bestieg als letzter Soldat einen Militärflieger in Richtung USA. Unten: Bevor die Taliban Kabul einnehmen, übermalt ein Mitarbeiter eines Schönheitssalons das Bild einer Frau.
© AFP/imago

🐍 U wie Ungebetener Gast

Morgendliche Toilettengänge sorgten im Sommer weltweit für Schlagzeilen: Ein Grazer wird auf dem Klo sitzend von einem Albino-Netzpython in die Genitalien gebissen und leicht verletzt. Die Schlange entwischte einem Nachbarn. Auch Medien im Ausland berichten über den Vorfall in der steirischen Landeshauptstadt.

Kurz darauf kommt es zu ähnlichen Zwischenfällen: Am 8. Juli findet eine Frau in Wien ebenfalls einen Python in ihrer Kloschüssel, bleibt aber unverletzt. In der Nacht auf den 2. August wird ein Wiener am Esstisch sitzend von einer Kornnatter in die Ferse gebissen. Das Reptil dürfte über ein Fenster in Erdgeschosswohnung gelangt sein. Auch in Niederösterreich werden Schlangen in Wohnhäusern entdeckt, u.a. beim Duschen und in einem WC-Spülkasten.

Der Mann setzte sich auf die Klomuschel und verspürte nach eigenen Angaben zufolge ein Zwicken. Als er einen Blick in die Schüssel warf, schaute ihm ein 1,6 Meter lange Albino-Netzpython entgegen.
© APA/LPD STMK

🍿 V wie volle Kinosäle

Das ging schnell: Nach nur zwölf Tagen ist „Spider-Man 3: No Way Home" schon jetzt der erfolgreichste Kinofilm des Jahres. Und nicht nur das: Die Comicverfilmung mit Tom Holland hat als erster Film seit Beginn der Corona-Pandemie weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar in den Kinos eingespielt. Zum Vergleich: Der jüngste James- Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ spielte weltweit bislang etwa 775 Mio. Dollar ein.

Noch dazu ist es der beste Start eines „Spider-Man“-Films überhaupt. Und: Nur ein einziger Film startete in den USA jemals erfolgreicher in den Kinos – und das war „Avengers: Endgame“.

Der neue „Spider-Man" kommt auch in Österreich hervorragend an. Hier vermeldete Sony am Startwochenende mit 110.000 Besucherinnen und Besuchern das beste Ergebnis eines Films zum Eröffnungswochenende seit Beginn der Pandemie.

📽️ Trailer | Spider-Man 3: No Way Home

🚀 W wie Weltraumtourismus

Das Milliardärs-Hobby des Jahres ist der private Weltraumausflug, die kleine Reise ins All. Das teure Vergnügen bieten Amazon-Gründer Jeff Bezos (Blue Origin), Elon Musk (SpaceX) und Richard Branson (Virgin Galactic) – dem dieses Abenteuer am 11. Juli als Erster gelingt – an. Schon am 20. Juli tut es ihm Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem Kurztrip an Bord des Raumschiffes „New Shepard" seiner Firma Blue Origin gleich. Am 15. September hebt die erste nur aus Laien bestehende Raumfahrt-Crew mit einer „Dragon"-Raumkapsel des Unternehmens SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk ab. Am 13. Oktober gelingt wiederum Bezos ein PR-Coup, indem er den als „Captain Kirk" aus Star Trek bekannten Schauspieler William Shatner (90) als Weltraumtouristen ins All und wieder sicher auf die Erde bringt.

William „Captain Kirk" Shatner (2.v.l.) nach seinem Flug ins All.
© Blue Origin/imago

🎶 X wie x-Mal gehört

Kuschelsänger Ed Sheeran kann auch einheizen: Mit „Bad Habits“ lieferte er offiziell den Sommerhit des Jahres. In den weltweiten Spotify-Jahrescharts spielt der Brite jedoch eine nicht so große Rolle – bei den weltweiten Top-Alpen belegt er Platz vier, ganz nach oben schaffte es Newcomerin Olivia Rodrigo mit „SOUR". Die Platte war auch hierzulande die meistgehörte. Und auch ihre Debütsingle „drivers license" war 2021 der meistgehörte Song weltweit.

Der in Österreich erfolgreichste Song 2021 ist „Stay" von The Kid LAROI feat. Justin Bieber. Letzterer schaffte es in der Alpenrepublik auch in die Top 5 der beliebtesten Interpreten auf Spotify, vor ihm dominiert mit Raf Camora, Bonez MC, Capital Bra und Luciano jedoch der Rap.

🔎 Y wie #YearInSearch

Punktsieg für den Sport: Die Fußball-Europameisterschaft hat die Österreicherinnen und Österreicher heuer am meisten interessiert. Zumindest, wenn es nach den Google-Suchbegriffen des Jahres geht – im sogenannten #YearInSearch verdrängte die EM „Corona" auf Platz zwei. In den Top Ten vertreten sind aber auch „Alles gurgelt", „Lockdown" und „Corona-Zahlen". Auch das Wetter, der scheidende Kanzler Sebastian Kurz und internationale Schlagzeilen wie beispielsweise aus Afghanistan bewegten die Gemüter.

🌊🔥 Z wie Zerstörung

Einmal mehr haben Naturkatastrophen und verheerende Brände die Welt in diesem Jahr in Atem gehalten und Tausende Menschenleben gekostet. In Deutschland starben im Sommer bei einer gewaltigen Flutkatastrophe im Ahrtal mehr als 180 Menschen. Auch Belgien und Österreich sind betroffen: Wassermassen überfluten auch die Altstadt von Hallein, in Mittersill und in Kufstein wird wegen Hochwassers ebenfalls Zivilschutzalarm ausgelöst. Brenzlig die Lage auch in der Kelchsau, wo Teile der Landesstraße und eine ganze Brücke weggerissen werden und Bewohner teils von der Außenwelt abgeschnitten sind. Der Schaden beträgt zig Millionen Euro.

Hochwasser in Kufstein.
© ZOOM.TIROL

Im Jänner steht in Hochgurgl ein Lebenswerk in Schutt und Asche: Das Motorradmuseum wird ein Raum der Flamen. Fast 300 historische Motorräder und Autos sind nicht mehr zu retten. Nur wenige Wochen nach dem Feuer beginnt bereits der Wiederaufbau. Aus aller Welt werden neue alte Exponate angeboten. Zehn Monate nach dem Brand eröffnete das Mountain Motorcycle Museum wieder.

Brand des Motorradmuseums.
© ZOOM.TIROL

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