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Trauerfeier für Nobelpreisträger Tutu in Südafrika

Der für seine Bescheidenheit berühmte Tutu wurde in einem einfachen Sarg aufgebahrt, während die Familie um gemeinnützige Spenden anstelle von Blumen bat. Die Trauergäste der gewollt einfachen Zeremonie beschränkten sich auf enge Freunde und Familie, Geistliche und wenige internationale Gäste, unter ihnen König Letsie III. aus dem benachbarten Lesotho.

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Desmond Tutu wurde in einem einfachen Sarg aufgebahrt.
© MIKE HUTCHINGS / POOL / AFP

Kapstadt – Südafrika hat sich von seinem Volkshelden und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu verabschiedet. In der St.-Georgs-Kathedrale von Kapstadt begann am Samstagmorgen die Trauerfeier für den am Sonntag zuvor verstorbenen weltbekannten Menschenrechtsaktivisten und emeritierten anglikanischen Erzbischof. Präsident Cyril Ramaphosa hielt die Trauerrede und überreichte Tutus Witwe Leah im Anschluss Südafrikas sechsfarbige Flagge.

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"Wenn wir den Begriff ,globale Ikone' so verstehen, dass sie große moralische Statur hat, außergewöhnliche Qualitäten und einen Dienst an der Menschheit vollbringt, kann es keinen Zweifel geben, dass er sich auf den Mann bezieht, den wir heute beerdigen", sagte Präsident Ramaphosa während seiner Trauerrede. Tutu sei ein Kreuzritter im Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden gewesen, nicht nur in Südafrika, sondern weltweit.

"Moralischer Kompass und nationales Gewissen"

Ramaphosa beschrieb Tutu als "demütigen und tapferen Menschen", der sich für die Unterdrückten und Leidenden der Welt ausgesprochen habe. Seit Ende der Apartheid hatte sich Tutu auch für die Kämpfe gegen den Klimawandel, HIV, Kinderheirat sowie Geschlechterdiskriminierung eingesetzt. "Er hat nie aufgehört zu kämpfen, er hat nie aufgehört, seine Meinung zu sagen, und er hat nie aufgehört sich zu sorgen", sagte Ramaphosa. Tutu sei Südafrikas "moralischer Kompass und nationales Gewissen" gewesen.

Im Anschluss überreichte Ramaphosa Tutus Witwe Leah Südafrikas sechsfarbige Flagge. Tutu hatte den Begriff der "Regenbogennation" geprägt, der das friedliche Zusammenleben von Südafrikas zahlreichen Bevölkerungsgruppen nach der Apartheid beschreibt. Tutus Asche wird später in einem Mausoleum innerhalb der Kathedrale beigesetzt, von deren Kanzel Tutu für viele Jahre gegen die Brutalität des Apartheidregimes gepredigt hatte.

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Tutu hatte die Zeremonie vor seinem Tod bis ins Detail geplant. Entsprechend seinem Wunsch nach einer einfachen Beisetzung wird Tutu in einem schlichten Kiefernsarg mit einfachen Seilstücken statt Goldgriffen begraben. Auf dem Sarg lag lediglich ein Bouquet weißer Nelken.

In einem einfachen Sarg aufgebahrt

Der für seine Bescheidenheit berühmte Tutu wurde in dem einfachen Sarg aufgebahrt, während die Familie um gemeinnützige Spenden anstelle von Blumen bat. Die Trauergäste der Zeremonie beschränkten sich auf enge Freunde und Familie, Geistliche und wenige internationale Gäste, unter ihnen König Letsie III. aus dem benachbarten Lesotho. Südafrikaner verfolgten die Trauerfeier live im Staatsfernsehen.

Tutu war vor rund einer Woche im Alter von 90 Jahren gestorben. Seither wehen die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast; die Kirchenglocken in ganz Südafrika werden seit Sonntag täglich zu Tutus Ehren geläutet. Sein Leichnam war in den vergangenen zwei Tagen in Kapstadt aufgebahrt worden, damit seine Anhänger Abschied nehmen konnten.

Der Geistliche war der erste Schwarze an der Spitze der Anglikanischen Kirche im südlichen Afrika. Für seine Opposition gegen das Apartheid-Regime wurde er 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Nach seiner Emeritierung als Erzbischof wurde Tutu Vorsitzender der zur Aufarbeitung der Apartheidverbrechen gegründeten Wahrheits-und Versöhnungskommission. In den vergangenen Jahren zog sich der an Prostatakrebs erkrankte Nobelpreisträger weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. (APA/dpa)


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