Wörgler Künstler Gruber hat eine Passion für die Passion

Für Hans-Peter Gruber ist der Glaube an Gott ein Quell der Inspiration. Seine Kunstwerke sind bisher unverkäuflich – nun gewährt der Wörgler mit einem Bildband Einblicke.

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Anfangs waren es Weihnachtskrippen, die Hans-Peter Gruber faszinierten. Nun widmet sich der „kreative Handwerker“ dem Leidensweg Jesu und seinen vielen Facetten.
© Hrdina, Peter Gruber

Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Man muss nicht unbedingt gläubiger Christ sein, um von seinen Werken berührt zu sein. Hans-Peter Gruber hat als „kreativer Handwerker“ – denn „Künstler“ wagt sich der Wörgler nicht zu nennen – seine Passion für die Passion Christi entdeckt. „Kunst öffnet mystische Tiefen, etwas Geheimnisvolles. Sie bedeutet für mich Emotionen – kreativ umgesetzt“, konstatiert der 67-Jährige.

Von orientalisch über heimatlich bis abstrakt – bis vor zehn Jahren inszenierte Gruber vor allem die berühmteste „Geburtstagsfeier“ der Welt. Die Faszination Weihnachtskrippe liegt in den in akribischer Feinarbeit geschaffenen Details der Szenerie. Jedes erzählt eine eigene kleine Geschichte. „Vor 30 Jahren hab ich meine erste Krippe gebaut. Von da an war ich gefangen“, erinnert sich Gruber, der sich seither im Vorstand des Tiroler Krippenverbands engagiert. Er organisiert Ausstellungen, hält Kurse und ist über die Grenzen Tirols hinweg vernetzt. So hauchen etwa die naturalistischen Figuren der bekannten italienischen Künstlerin Angela Tripi manchen von Grubers Ställen Leben ein.

Heute dient dem geborenen Wildschönauer vor allem der Leidensweg Jesus als Quell der Inspiration: „Da kann man sich unendlich kreativ ausleben.“ Dank seiner Vorstellungskraft erwachsen aus Naturmaterialien und für den Müll vorgesehenen Gegenständen neue Bilder. Für die einen ein totes Schwemmholz, für Gruber eine Madonna mit Kind im Arm, veredelt mit einem Heiligenschein aus Gold. Sogar das Innenleben einer ausgedienten Tür – eine Wabe aus Karton – erhält als Hintergrund für einen modellierten Christuskopf eine neue Aufgabe. Das Handwerk habe er sich autodidakt beigebracht, nie einen Kunstkurs besucht. Vieles stünde nicht im Lehrbuch. „Ich mag es, Dinge einfach auszuprobieren.“ Auch wenn Grubers Motive der Bibel treu bleiben („Ohne Glaube als Fundament kannst du nicht in die Tiefe gehen“) – bei den Ausführungen darf sich der Freigeist austoben. Um spezielle Effekte zu erzielen, wird Gottes Sohn schon mal mit Säure zu Leibe gerückt.

„Ich glaube nicht, dass ich diesen Weg eingeschlagen hätte, wenn ich nicht im Kloster gewesen wäre“, sagt der pensionierte Bankier, der als Jugendlicher im Internat im Stift Fiecht lebte und lernte. Die Wochenenden vertrieb er sich dort mit Lesen und Zeichnen – der Beginn seiner Liebe zur Kunst. Lehrende – damals teilweise noch Priester – und Alltag blieben ihm in positiver Erinnerung, wenngleich die strenge Erziehung der 1960er-Jahre „nicht gerade bequem“ war, wie es der zweifache Vater und vierfache Großvater ausdrückt. Immerhin: Dies hätte ihn die Tugenden der Ordnung, Genauigkeit und Ausdauer gelehrt. Allesamt essenziell für die Arbeiten, an denen Gruber viele Wochen bis zu einem Jahr lang sitzt. „Wenn mir etwas nur zu 99 Prozent gefällt, kann es sein, dass ich alles noch einmal neu übermale und von vorn anfange.“

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Emotionen kreativ umgesetzt (Eigenverlag P. Gruber), 35 €, bestellbar unter Tel. 0664-838 63 82, E-Mail hp.gruber@gmx.at und ’s Dorfladl Wildschönau, Tel. 0664-160 22 77.

Wichtigste Kritikerin und Unterstützerin ist seine Gattin Monika. „Ohne ihre Rückendeckung“, dankt der Ehemann, „könnte ich das nicht machen.“ Für dessen zeitaufwändige Leidenschaft zeigt sie Verständnis. „Jeder braucht seine Freiheit“, sagt die mit einem Künstler als Vater aufgewachsene Frau.

„Der Glaube braucht Ausdrucksformen und birgt die Chance, Dinge aus diversen Blickwinkeln zu betrachten“, schreibt Gruber im Vorwort seines kürzlich veröffentlichten Bildbands „emotionen kreativ umgesetzt“, in dem Sohn Peter Gruber einige Werke fotografisch festhält. Die Idee eines Portfolios kitzelte beide schon länger, in der Pandemie ausgefallene Ausstellungen führten nun zur Umsetzung. Das Buch hat für Gruber eine weitere Bedeutung: Seine greifbar gemachten Emotionen sind nun verewigt und er kann sich vielleicht von ihnen trennen. Denn trotz etlicher Angebote gab er bisher keines seiner Werke weg. Das braucht Zeit, meint der Pfarrkirchenrat. Und vielleicht auch etwas Druck, bedingt durch Platzmangel. „Ich habe so viele Vorstellungen, was ich noch umsetzen will.“


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