Corona ließ Tiroler Flugretter seltener in die Luft gehen

Sowohl ÖAMTC- als auch ARA-Flugrettung verzeichneten 2021 weniger Einsätze als im Jahr zuvor. Nicht selten blieben sie auf den Kosten sitzen.

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Die ARA-Flugrettung ist im Außerfern und Bayern sowie in Kärnten im Einsatz.
© ARA/Schulzer

Innsbruck, Reutte – In Tirol wurden im vergangenen Jahr Christophorus 1, Christophorus 4, Christophorus 5 und Christophorus 7 zu insgesamt 2682 Einsätzen alarmiert. Gegenüber 2020 bedeutet dies – dank Corona-bedingtem Wintertourismusausfall – ein Minus von elf Prozent. Österreichweit haben die Flüge der gelben Retter aber sogar um elf Prozent zugenommen – auf 19.253. Seit 38 Jahren ist die Christophorus-Flotte Bestandteil der notfallmedizinischen Versorgung im Land. Mitte September hatte die ÖAMTC-Flugrettung ein besonderes „Date“, denn sie wurde zum 400.000. Einsatz seit 1983 gerufen – der in Osttirol stationierte Christophorus 7 wurde zu einem allergischen Schock ins benachbarte Kärnten entsandt.

Internistische und neurologische Notfälle am häufigsten

Am häufigsten (39 Prozent der Einsätze) wurden die ÖAMTC-Hubschrauber zu internistischen und neurologischen Notfällen (30 Prozent) gerufen, gefolgt von Sport- und Freizeitunfällen im alpinen Bereich (30 Prozent). Verkehrsunfälle machten nur knapp vier Prozent der Einsätze aus. Hinzu kommen Sekundäreinsätze – dabei handelt es sich um Verlegungsflüge von Krankenhaus zu Krankenhaus.

Aber nicht nur der ÖAMTC hob 2021 täglich ab, um Menschenleben zu retten. Im Außerfern ist die ARA-Flugrettung schon seit 20 Jahren beim Bezirkskrankenhaus Reutte stationiert. Weitere rote ARA-Helikopter sind in Kärnten unterwegs. Das Unternehmen, das mit dem Kärntner Roten Kreuz kooperiert, gehört zur deutschen DRF-Luftrettungs-Gruppe. Insgesamt absolvierten die rot-weiß-roten Flugrettungs-Profis in Fresach, am Nassfeld und in Reutte 2147 Einsätze, was einen neuen Rekord bedeutet. Nur im wintersportlastigen Außerfern ging, gleich wie beim ÖAMTC im Rest Tirols, die Einsatzzahl leicht zurück. Bei ARA-Reutte um vier Prozent (von 1038 auf 1000 Einsätze). Mit der Aufnahme der Nachtwinden-Aktivitäten im Herbst in Außerfern habe man in der Flugrettung neue Maßstäbe gesetzt, ist ARA-Geschäftsführer Thomas Jank stolz.

„Kritisch sehen wir allerdings, dass die Schere zwischen jenen Einsätzen, zu denen wir alarmiert werden, und denen, die wir schlussendlich auch vollständig vergütet bekommen, immer weiter auseinandergeht“, sagt der stellvertretende ARA-Geschäftsführer Andreas Grießer. Die Gründe für diese problematische Entwicklung seien vielschichtig: Zunehmend würden sich Kostenträger aus ihrer Verantwortung winden oder seien nicht bereit, zusätzliche Leistungen entsprechend abzugelten. Auch ist laut Grießer festzustellen, dass bei medizinisch harmlosen Vorfällen immer öfter der nicht zur Verfügung stehende bodengebundene Notarzt ersetzt werden müsse. „Wir springen gerne als Notarztzubringer ein, aber wenn die Erkrankung oder die Verletzung, zu der wir gerufen werden, nicht eine gewisse Schwere aufweist, erhalten wir dafür auch keine Abgeltung“, erzählt Grießer.

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Im Außerfern gab es im vergangenen Jahr 804 Primär-, 145 Sekundär-, aber auch 51 Fehleinsätze. 127-mal hob der weiß-rote Hubschrauber in der Nacht ab, 127-mal wurde seine Winde abgerollt. (hm)


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