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Neue Untersuchungen belegen: „Älteste Steirerin" lebte noch vor Ötzi

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"Ötzi" (im Bild) und die in der Steiermark gefundene Frau lebten beide in der späten Jungsteinzeit.
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Graz – Die "älteste Steirerin" ist laut neuestens Untersuchungen rund 300 Jahre älter als der Ötzi. Die im Jahr 1909 in der Josefinenhöhle in Peggau nördlich von Graz entdeckten Gebeine sind auf die Jahre 3630 bis 3380 vor Christus datiert worden. Die Frau wurde – für damalige Verhältnisse erstaunliche – 52,8 Jahre alt, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des Universalmuseums Joanneum, wo die Anthropologin Silvia Renhart und der Archäologe Daniel Modl an dem Skelett forschen.

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Die beiden Wissenschafter haben an dem Skelett, das zu den ältesten derartigen Funden Österreichs zählt, eine Radiokarbondatierung vornehmen lassen. Es stellte sich heraus, dass die Gebeine aus der späten Jungsteinzeit, die auch als Kupferzeit bezeichnet wird, stammen. Heute wird das Skelett in der Sammlung Geologie und Paläontologie der Abteilung Naturkunde am Universalmuseum Joanneum in Graz aufbewahrt.

Altfund neu "vermessen"

Mit den neuen Möglichkeiten wurde der Altfund neu "vermessen": Mit den Methoden der physischen Anthropologie wurde das Sterbealter des weiblichen Individuums zwischen 45 und 55 Lebensjahren festgestellt und mit einer für prähistorische Funde neuartigen, molekularen Altersschätzung gegengeprüft. Dies erfolgte mittels der Bestimmung der Pentosidinkonzentration im Dentin eines Zahns. "Mit Hilfe dieser, in einem Projekt mit den deutschen Forscherinnen Stephanie Ritz-Timme und Nina Sophie Mahlke vom Institut für Gerichtsmedizin der Universität Düsseldorf an historischen Knochenerproben, und in der Forensik rezenter Leichenfunde angewandten Methodik, konnte das Sterbealter auf exakt 52,8 Jahren festgelegt werden", hieß es in der Aussendung.

Zudem gewährt eine Gesichtsweichteilrekonstruktion einen Blick auf das Antlitz der "ältesten Steirerin", deren Statur als klein, robust und kräftig beschrieben werden kann. Das Skelett deute auf eine kräftige Muskulatur und hohe Robustizität der Frau hin: "So weisen markante Muskelansätze am Oberkörper vor allem am Schädel und den Knochen des Schulter- und Oberarmbereiches auf eine athletisch 'trainierte' Nackenmuskulatur, infolge des Tragens schwerer Lasten hin. Dies trifft auch für die Unterschenkelknochen zu, die ebenso auf die starke Beanspruchung des Körpers und Zurücklegen weiter Wegstrecken Zeit ihres Lebens hinweisen. Hockerfacetten belegen das häufige Verharren in hockender Position."

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Es zeigten sich am Skelett auch zahlreiche Belege für häufig auftretende Mangelernährungsphasen aufgrund von Hungersnöten oder saisonalen Nahrungsmittelengpässen mit einem fast stetigen Mangel an Vitamin C, Mineralstoffen und Eiweiß, die zur Schwächung des Organismus führten. Daraus resultierte wiederum eine hohe Anfälligkeit für Infektionserkrankungen und Skorbut.

Fund im Jahr 1909

Das Skelett war am 12. September 1909 gefunden worden: Ein Steinbrucharbeiter entdeckte südöstlich der Lurgrotte bei Peggau beim Abtragen von Schutt den Eingang der tropfsteinreichen Höhle. Höhlenforscher Adolf Mayer sen. zwängte sich durch den Eingang in die aus einem langgestreckten Raum und zwei Seitengängen bestehende Höhle. Er fand zusammen mit Grundbesitzer Josef Dirnbacher mehrere Menschen- und Tierknochen sowie Keramikscherben, die gut sichtbar aus dem teilweise versinterten Lehmboden hervorragten. Bei den Knochen handelte es sich um neun menschliche Knochen, darunter ein Schädel, ein Unterkiefer, zwei Oberarmknochen und zwei Schienbeine, sowie um mehrere Tierknochen, darunter der Unterkiefer eines Braunbären, die Hornzapfen einer Gämse und das Schulterblatt eines Rindes.

Noch am gleichen Tag wurde damals der Vorstand der geologischen Abteilung am Joanneum in Graz, Vinzenz Hilber, verständig, der in den folgenden drei Wochen mit umfangreichen Grabungsarbeiten in der Höhle begann. In den obersten Sedimentschichten der Höhle konnte Hilber neben dem Schädel eines Braunbären auch ein Knochenwerkzeug und Keramikscherben sowie 48 weitere Menschenknochen vom selben Individuum bergen. (APA)


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