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TT-Analyse: Noch ein verkorkstes Jahr können wir uns nicht leisten

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Max Strozzi

Analyse

Von Max Strozzi

Die von vielen Experten befürchtete große Pleitewelle ist bisher ausgeblieben. Klar, unzählige Betriebe und deren Beschäftigte werden seit fast zwei Jahren mit vielen Milliarden an Corona-Hilfe-Steuergeldern und anderen Programmen wie einem Insolvenz-Stopp durch die staatlichen Lockdowns getragen. Vier solcher Schließungswellen mussten Menschen und Firmen in Österreich bisher über sich ergehen lassen.

Nur zur Erinnerung: Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurde noch voller Zuversicht verbreitet: Wir sperren kurz einmal alles zu und danach geht der Alltag normal weiter. Praktisch eine V-förmige Aufschwung-Pause – schnell mal runter, schnell wieder hinauf und alles ist gut. Eine Theorie, die Industrielle damals bereits in dem Augenblick anzweifelten, als sie ausgesprochen wurde. Sie sollten Recht behalten. Das angekündigte V entwickelte sich für manche zu einer zweijährigen Berg-und Talfahrt in W-Form, während es für andere L-förmig nach unten ging – ohne Bergfahrt.

Vielen wird die finanzielle Genesung noch länger verwehrt bleiben. Immer mehr Menschen spüren bereits die Folgen: Die Zahl der Privatpleiten zeigt in Tirol wieder steil nach oben. Und die kräftig steigenden Preise beim Wohnen, bei Sprit, Gas und Strom werden die Lebenssituation vieler Menschen bald enorm verschärfen.

Das Corona-Instrumentarium hat bisher zahlreiche Pandemie-Schicksale übertönt. Kurzarbeitshilfen halten immer noch bis zu 170.000 Menschen über Wasser. Die Zahl der Firmenpleiten ist noch niedrig, und auch hier haben Staatshilfen und verordnete Insolvenz-Stopps gesunde wie kranke Unternehmen am Leben gehalten. Gleichzeitig suchen andere Unternehmen händeringend Arbeitskräfte. Einen solchen Kurs kann ein Staat nicht ewig fahren. Irgendwann wird die Rechnung präsentiert.

Wir haben zwei Jahre Pandemie-Erfahrung mit schweren Fehltritten. Es gibt Impfstoffe, man hat sich an Masken gewöhnt. Das muss endlich ein Pandemiemanagement ermöglichen, das Zukunftsperspektiven eröffnet, Vertrauen stiftet und Sicherheit gibt. Ein drittes verkorkstes Corona-Jahr können wir uns nicht leisten.


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