Ein Turnier kämpft um Akzeptanz: Der Afrika-Cup erhitzt die Gemüter

Der Afrika-Cup beginnt am Sonntag. Das stößt in Europa auf Kritik. Berechtigter Ärger oder doch Imperialismus?

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So euphorisch bejubelte Algerien in der Hauptstadt Algier den Triumph beim Afrika-Cup. In Europa wird das Turnier kaum beachtet.
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Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Das Aufgebot klingt wie das „Who is Who“ der Fußball-Szene. Wenn ab Sonntag mit einjähriger Verspätung der Afrika-Cup angepfiffen wird, geben sich die Stars in den Kabinen die Klinken in die Hand: Die Liverpool-Raketen Mohamed Salah (Ägypten) und Sadio Mané, Chelsea-Keeper Édouard Mendy (beide Senegal), die „Gunners“ Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun) und Thomas Partey (Ghana) sowie PSG-Flügelflitzer Achraf Hakimi (Marokko) und City-Dribbler Riyad Mahrez (Algerien) sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Also eigentlich sollte den Fußball-Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen. Die Betonung liegt auf eigentlich.

Denn der Kontinentalbewerb, der sportlich mit der EM gleichzusetzen ist, wird in Europa kaum beachtet, geschweige denn akzeptiert – im Gegenteil: Die Kritik nimmt teils imperialistische Züge an. Denn wie jedes Jahr gibt es Diskussionen, ob das Turnier überhaupt stattfinden soll. Und diesmal kommt auch noch eine Pandemie dazu. Die European Club Association (ECA) hatte in einem Brief sogar gedroht, die Spieler nicht abzustellen, wenn bestimmte Corona-Vorgaben nicht eingehalten würden. Ganz so, also ob das Virus in Europa nicht grassieren würde ... „Es ist beleidigend“, sagte zuletzt die ugandische Journalistin Usher Komugisha dem Sender Al Jazeera. „Denn Corona gibt es überall.“ Die Befürchtungen, dass das Turnier von zahlreichen Corona-Fällen überschattet werden könnte, liegen auch darin begründet, dass nur gut drei Prozent der Bevölkerung in Kamerun vollständig geimpft sein sollen, die Zuschauerauslastung beim Turnier wird indes auf 60 Prozent (Ausnahme sind die Spiele Kameruns/80 Prozent) beschränkt, außerdem müssen Fans geimpft oder genesen sein.

Gabun-Star Aubameyang kurz vor Afrika-Cup positiv auf Corona

Gabuns Kapitän Pierre-Emerick Aubameyang ist kurz vor dem Afrika-Cup positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Arsenal-Stürmer habe sich nach seiner Ankunft in Kameruns Hauptstadt Yaounde einem Schnelltest unterzogen, der positiv ausgefallen sei, teilte der Fußballverband von Gabun am Donnerstag auf Facebook mit. Der 32-Jährige könnte damit für das Auftaktspiel seines Landes am Montag gegen die Komoren ausfallen.

Außerdem seien auch Mario Lemina, der in Nizza spielt, und Assistenzcoach Anicet Yala positiv getestet worden, hieß es von Gabuns Verband. Man warte nun die PCR-Testergebnisse ab. Das Team befindet sich bereits in Kamerun, um sich im Gastgeberland auf das am Sonntag beginnende Turnier vorzubereiten.

Der Konflikt ist freilich viel älter. Denn das Turnier findet im europäischen Winter statt, was auch heißt, dass die Vereine – besonders in England – in einer heißen Phase auf wichtige Spieler verzichten müssen. Eigentlich hätte das Turnier diesmal im Sommer stattfinden sollen, wurde aber aufgrund der „klimatischen Bedingungen“ in den Winter verlegt.

„Die Berichterstattung in England ist von Rassismus geprägt“, sagte zuletzt Ex-Profi Ian Wright. „Wir spielen unsere EM in zehn Ländern inmitten einer Pandemie. Und es ist überhaupt kein Thema. Aber Kamerun soll jetzt als einziger Gastgeber ein Problem sein?“

Und auch Ajax-Stürmer Sébastien Haller (CIV) platzte zuletzt der Kragen, als er gefragt wurde, ob er nicht lieber in den Niederlanden bleiben würde: Das zeige den Mangel an Respekt für Afrika. „Oder würde diese Frage wohl jemals einem europäischen Spieler gestellt werden?“ Wohl nicht ...


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