Corona-Infektion eine „Katastrophe": Impfappell an chronisch Kranke

Autoimmunerkrankte begegnen der Covid-Schutzimpfung oft mit Skepsis. Doch gerade sie sollten sich laut Experten impfen lassen.

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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Seit 15 Jahren behandelt Herbert Tilg eine Patientin mit einer Autoimmunerkrankung. Und bisher habe sie auch stets auf seinen Rat vertraut, erzählt der Direktor der Inneren Medizin I an der Med-Uni Innsbruck. Wenn es allerdings darum geht, dass die Frau sich gegen das Coronavirus impfen lässt, dann beißt sich der erfahrene Mediziner mit seinen Argumenten die Zähne aus. „Sie hat mir gesagt, dass sie so viel Negatives im Internet über die Impfung bei chronisch Kranken gelesen hat, dass sie sich nicht impfen lassen will“, erzählt Tilg – jahrelange Vertrauensbasis hin oder her.

Eine Corona-Infektion ist für Menschen mit Autoimmunerkrankungen die Katastrophe.
Herbert Tilg (Direktor Innere Medizin I)
Herbert Tilg

Dass chronisch kranke Menschen, Personen mit Allergien und Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, bei denen das Immunsystem ständig überschießend tätig ist, vorsichtig sind, was die Impfung angeht, kann der erfahrene Mediziner durchaus nachvollziehen. „Es kommen Patienten zu mir, die ein Attest haben wollen, dass sie sich nicht impfen lassen können. Denen muss ich aber sagen: Dieses Attest kann und will ich nicht ausstellen, weil es wider das medizinische Wissen wäre.“ Zahlreiche Studien und die Erfahrungen der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass gerade chronisch Kranke von der Impfung profitieren, weil eine Infektion mit dem Coronavirus ohne geimpft zu sein den Körper und das Immunsystem zur Grunderkrankung zusätzlich massiv belasten würde. „Gerade in diesem Fall, noch mehr als beim gesunden Menschen, schützt die Impfung. Denn eine Corona-Infektion ist für Menschen mit Autoimmunerkrankungen die Katastrophe“, rät Tilg dringend zur Impfung. Darauf zu setzen, dass man sich nicht mit dem Coronavirus infiziert, hält Tilg für fahrlässig. „Am Ende kommt niemand aus“, sagt er und verweist auf die jüngsten Entwicklungen und Infektionszahlen, für die die Omikronvariante verantwortlich ist.

„Die Impfung ist sicher, die Impfung schützt. Und der Körper schafft es auch bei Grunderkrankungen, eine gute und sichere Immunantwort zu erzeugen“, betont der Mediziner. Zwar könnten Medikamente die Wirkung der Impfung möglicherweise etwas einschränken, der beste Schutz sei dennoch die Impfung und nicht die Nicht-Impfung, so Tilg.

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