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Zweites Album der „Familie Lässig“: Gegenwart im Schüttelreim

„Eine heile Welt!“ ruft „Familie Lässig“ mit ihrem heute erscheinenden zweiten Album aus. Im Februar kommt sie damit nach Tirol.

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Gunkl, Clara Luzia, Manuel Rubey, Catharina Priemer-Humpel, Boris Fiala und Gerald Votava sind seit 2014 „Familie Lässig“.
© Jules Stipsits

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Wenn uns eine Musikrichtung seit Jahrzehnten die heile Welt vorgaukelt, dann ja wohl der Schlager. Was wurde da schon atemlos von einer neuen Liebe und dem neuen Leben gesäuselt. Vorgaukeln will Gunkl im neuen Album seiner Familie Lässig nichts. Auch wenn der fromme Wunsch und Schüttelreim „Eine heile Welt, die eine Weile hält“, der den Longplayer eröffnet, doch zur Schlager-Hookline taugt. Aber keine Angst, „Eine heile Welt!“ (mit Ausrufezeichen!) lädt weder zum Schunkeln noch ist es ein Corona-Album. Auch wenn sich das mit der heilen Welt ob der unheilen da draußen wahrscheinlich mehrere wünschen würden.

Ja, sie haben es wieder getan. Dabei war diese Familie zunächst eher Zweckgemeinschaft. Anlässlich von drei Benefiz-Konzerten 2014 kamen Kaberettist Günther Paal alias Gunkl, Schauspieler Manuel Rubey, Schauspielkollege Gerald Votava, die BerufsmusikerInnen Clara Luzia und Catharina Priemer-Humpel und Boris Fiala zusammen. Jetzt sind sie fix zamm. Und zeigen heute erstmals den inzwischen zweiten Familiennachwuchs der Welt – der Erstgeborene „Im Herzen des Kommerz“ kam schon 2018.

Bis heute ist viel geschehen, kein Grund, sich die Laune verderben zu lassen. Munter tänzelt die Gruppe in zwölf Songs zwischen Indie und Pop, nie allzu düster, nie ganz feel-good. Lässig touchiert sie da und dort den Sound von früher, um sich später wieder in der Gegenwart zu treffen.

📽️ Video | Familie Lässig – Besserwisser:

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Alles ist potenziell besingbar, zunächst Ca-Ca-„Catharina“– eine zuckersüß vertonte Liebeserklärung von Clara Luzia an ihre Partnerin Catharina Priemer-Humpel –, dann der „Besserwisser“, der zwar nicht viel weiß, aber zu allem eine Meinung parat hat. An dieser Stelle scheint dann doch einmal Corona durch – ohne explizit genannt zu werden. Spätestens mit dem unerschütterlichen „Irgendwann wird’s wieder Sommer“ (im Song „Sommer“) sind die dunklen Wolken wieder weggeblasen. Düster wird es nochmal mit „Nur Nachts sind alle Schaukeln frei“ – ein Duett, das in großen Schritten daherkommt, von dem am Ende aber nicht viel hängenbleibt.

Ähnlich geht es dem Album als einigermaßen wild kombinierte Kompilation – zu einfach macht es Familie Lässig ihren HörerInnen nicht. Man merkt, da kochen viele Köche mit. Mal schunkelt sich Austropop („Hund vor deina Dia“, „Wichtig“) ein, mal marschiert die Gitarre im Punkschritt („Mein Herz ist korrupt“) davon. Verderben die vielen Köche den Brei? Jein! Fix ist: Am eingängigsten bleibt Familie Lässig, wenn die rasend begabte Songwriterin Clara Luzia den Ton angibt. Das bewiesen schon Vorgängerhits à la „Kopf im Sand“ oder „Glück“ vom Debütalbum. Wie schon damals wird auch 2022 noch gecovert, eine zeitgemäße „Risikobiographie“ (im Original von Die Sterne) oder das bis heute gültige „Büro, Büro“ (von Britta).

Ein Fazit von 40 Minuten „heile Welt“: Familie lebt von Vielfalt und nicht von Konformität – oder? Da kommt man um folgende Floskel nicht herum: In diesem Album wird jeder und jede etwas für sich finden. Zusammen kommen sie hoffentlich alle zur Familientour, die heute Abend in Wien startet – und die Lässigen im Februar nach Innsbruck bringt. Wenn die Welt da trotz Pandemie noch eine halbwegs heile ist.

🎵 Familie Lässig: Eine heile Welt! Asinella Records.

Live: Am 3. und 4. Februar, jeweils um 19.30 Uhr im Innsbrucker Treibhaus.


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