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Immer weniger statt mehr Gütertransport per Bahn in Österreich

Obwohl seit Jahren eine Verlagerung auf die Schiene propagiert wird, verläuft die Entwicklung gegenteilig, wie eine aktuelle Analyse zeigt.

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Immer weniger Güter werden auf der Schiene transportiert, der Straßengütertransit nimmt zu.
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Wien – „Ein Umdenken täte not“, heißt es vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ), der den Rückwärtstrend feststellte. Demnach lag im Jahr 2010 der Bahn-Anteil im Landgüterverkehr noch bei 33 Prozent, sank bis zum Jahr 2020 aber auf 28 Prozent. In Tirol ist die Lage besonders drastisch: Hier nahm der Anteil der Straße (Modal Split) am gesamten Güterverkehr auf der Brennerstrecke zuletzt weiter zu und beträgt 74 Prozent. Jener auf der Schiene ist hingegen auf 26 Prozent gefallen, das entspricht dem bisherigen Tiefstwert von 2006. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 wurden noch 36 Prozent aller Gütertransporte auf der Brennerachse mit der Bahn abgewickelt.

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Zurückzuführen sei diese – zu den Klimazielen völlig konträre Entwicklung – auch auf den Rückgang der Anschlussbahnen vom öffentlichen Bahnnetz zu Unternehmen, heißt es vom VCÖ. Diese ermöglichen Firmen einen direkten Zugang an das öffentliche Schienennetz und damit auch zu den wichtigsten europäischen Umschlagplätzen wie Häfen, Terminals, Industrie- und Wirtschaftszentren. Während aber jedes Betriebsgelände standardmäßig einen öffentlich finanzierten Straßenanschluss erhalte, bleiben Unternehmen auf einem Großteil der Kosten für Anschlussbahnen sitzen, kritisiert der Verkehrsclub.

Das könne mit ein Grund sein, warum die Zahl der Anschlussbahnen rückläufig ist, so der VCÖ: Im Jahr 2020 gab es nämlich 1046 gemeldete Anschlussbahnen, wovon mit 547 lediglich die Hälfte bedient wurden. Gegenüber dem Jahr 2010 mit 782 bedienten Anschlussbahnen bedeutet dies einen Rückgang von 30 Prozent. Im selben Zeitraum ist der Anteil des Schienengüterverkehrs bezogen auf Nettotonnen-Kilometer von 33 Prozent auf 28 Prozent im Jahr 2020 gesunken. Tatsächlich ergab eine Befragung unter Mitgliedern des Verbands für Anschlussbahnen, dass vor allem das Fehlen geeigneter Wagen, zu lange Beförderungszeiten sowie zu hohe Kosten Gründe für die Einstellung von Anschlussbahnen sind.

Diese Entwicklung im Gütertransport ist aber konträr zu den Klimazielen, denn der Transport auf der Schiene ist wesentlich weniger umweltschädlich als auf der Straße. Güterverkehr ist für 37 Prozent der Treibhausgas-Emissionen des Straßenverkehrs verantwortlich. 99 Prozent der CO2-Emissionen des Landgüterverkehrs verursachen Lkw. Pro Tonnenkilometer verursacht Schienengüterverkehr fünf Gramm an direkten und indirekten Treibhausgas-Emissionen, der Lkw-Verkehr jedoch ein Vielfaches mit durchschnittlich 85 Gramm.

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Im internationalen Vergleich steht Österreich zwar besser da als Deutschland, aber schlechter als die Schweiz, wo die Anschlussbahndichte doppelt so hoch ist. (TT)


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