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TT-Analyse: Allerwelts-Holding namens Lebensraum Tirol

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Peter Nindler

Analyse

Von Peter Nindler

Landeshauptmann Günther Platter (VP) muss sich endlich von Schlagwörtern trennen. Mit „Tirol – der begehrteste Kraftplatz der alpinen Welt“ preist sich etwa die Lebensraum Tirol Holding als Dachgesellschaft für Agrarmarketing, Tirol Werbung und Standortagentur selbst an. Zehn Millionen Euro werden heuer für Projekte ausgegeben, 2023 sind es 15 Mio. Euro. Viel Geld fließt also in die von der schwarz-grünen Landesregierung als Denk- und Zukunftswerkstatt bezeichnete Gesellschaft. Und was kommt heraus? Bisher nicht viel, obwohl die Herausforderungen von Tag zu Tag größer werden.

Mehr denn je hält die Corona-Pandemie dem vom Tourismus geprägten Land mit all den schmerzhaften Einschnitten den Spiegel vor Augen. Der „Lebensraum“ liefert hingegen kaum Antworten, weil er mit Ex-Tirol-Werbung-Chef Josef Margreiter weiter alten Denkmustern nachhängt. Wie kann Tourismus in Zeiten von Corona funktionieren, welche Rahmenbedingungen benötigt es, damit Menschen wieder eine Perspektive sehen, im Tourismus zu arbeiten? Die Mitarbeiter sind schließlich das Rückgrat für eine funktionierende Freizeitwirtschaft 2.0. Diese Fragen drängen sich auf, nicht Allerwelts-Experimente über das Sportland Tirol. Wer im Winter und im Sommer vor die Haustüre geht, kann ohnehin jede Sportart ausüben, die in unseren Breiten möglich ist.

Platter will Tirol als „gesündeste Region des Alpenraums“ und als „Life-Science“-Standort positionieren, neue „Erfolgskriterien“ im Tourismus und mehr „Wertschöpfung für regionale Wirtschaftskreisläufe“ schaffen: Klingt alles ganz gut, verläuft sich aber leider im Nirwana von vielen schönen Wörtern. Anpacken ist angesagt, wie es die Unternehmer und Touristiker im Land tun. Oder die Wissenschaft. Mit zwei Universitäten, einer privaten Landesuni UMIT, der unternehmerischen Hochschule MCI und den Fachhochschulen verfügt das Land über viel zukunftsfähiges Know-how.

Das gilt es zu nützen, dort sollten „Millionen“ investiert und die Forschung vernetzt werden. Warum passiert das nicht? Weil man dadurch die Lebensraum-Holding politisch in Frage stellen würde.


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