Klaus Denggs „Hartmuth der Deserteur": Vom Anwalt zum Autor

Leistung und Erfolg waren für Klaus Dengg stets wichtig. Bis er mit 70 Jahren seine Passion fand und das Buch „Hartmuth der Deserteur“ schrieb.

  • Artikel
  • Diskussion
Das erste Buch „Hartmuth der Deserteur“ von Klaus Dengg ist im Novum Verlag erschienen und auch als E-Book erhältlich.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Zell a. Z. – Leise knirscht der Schnee unter seinen Wanderschuhen. Hier und da hört man Vögel zwitschern oder ein Rascheln zwischen den Bäumen. Gemütlich spaziert Klaus Dengg durch den Wald. In Gedanken versunken und doch ganz bei sich. Er beschreitet neue Pfade, denn lange Zeit verfolgte er einen ganz anderen Lebensstil.

Seine berufliche Karriere schien für den Zillertaler als Kind einer Familie mit Gasthaus klar vorgegeben: Er lernte damals Koch. Doch auf Umwegen wurde aus dem jungen Mann etwas später doch ein weit übers Tal hinaus bekannter Rechtsanwalt.

Jahrzehnte lang verließ Klaus Dengg das Haus jeden Morgen im gut geschnittenen Anzug. Auftreten, materielle Dinge, Leistung und die Wahrnehmung anderer waren ihm wichtig. Das Leben lief wie ein Uhrwerk. Bis 2017 die Pension kam. Ein neuer Lebensabschnitt, mit dem sich der arbeitsame Rechtsanwalt schnell anfreundete.

Der Schritt vom Anwalt zum Philosophen war kleiner als gedacht. Denn literarisch interessiert war Dengg schon immer. „Ich habe schon seit 20 Jahren immer wieder meine Lebenserfahrungen und philosophischen Gedanken niedergeschrieben“, sagt der Zillertaler im TT-Gespräch. Dass er mit 70 Jahren zum Buchautor wird, daran hat er aber nie gedacht. Doch seine Gedanken ordnen sich im Roman „Hartmuth der Deserteur“ zu spannenden Fragen und Ansichten über die Gesellschaft und das Leben.

Gewinnspiel: Jahresabo für Body & Soul

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

„Die Intention hinter meinem Buch ist, die Menschen ein bisserl – wenn auch nur mit einem winzig kleinen Anstoß – auf die geistige Welt aufmerksam zu machen, ihnen das näherzubringen“, erklärt Dengg. Er will mit seinen Worten etwas Gutes anregen und hofft, den ein oder anderen Leser mit seinen Gedanken zu erreichen, zu bereichern. „Denn wir leben in einer Gesellschaft, die materialistisch orientiert ist. Ich selbst war ja auch, wie meine Romanfigur, stets leistungsorientiert. Erst in der Pension habe ich diese Leichtigkeit entdeckt“, sagt der 70-Jährige.

Es gehe ihm darum, dass die Menschen mehr das Göttliche und Geistige in sich wahrnehmen und ihren Selbstwert aus dem Inneren beziehen. „Und sich nicht ständig davon abhängig machen, dass man von außen anerkannt wird“, sagt der Autor. Er nimmt im Roman auch Kultur und Tradition unter die Lupe, schreibt über Lebensweisen, Kuriositäten und Besonderheiten der Gesellschaft. Vor allem hinterfragt er auch das Mensch-Sein. „Ein ‚Mensch-Sein‘, das in diesen materialistischen Zeiten von übersteigertem Konkurrenz- und Leistungsdenken unter den Teppich gekehrt zu werden pflegt. Es ist für mich ein Roman mit der Intention, aus der Dunkelheit nach oben ins Helle zu führen“, sagt er mit nachdenklichem Blick.

Mit dem Titelhelden Hartmuth schafft er eine heitere Figur, die zum Nachdenken anregt. Ein Mann, der von seinen Verpflichtungen am heimischen Hof desertiert. Während er die Karriereleiter nach oben steigt, sinkt er seelisch in ein tiefes Loch. Von Erfolg, Verzweiflung, Nahtod bis zur eventuellen Erleuchtung stellt sich Dengg dieser teils schwerfälligen Thematik mit Leichtigkeit und auf poetische Art. Auch wenn Hartmuth im Zillertal verwurzelt ist, will Dengg nicht zwingend die Zillertaler in den Fokus rücken: „Das ist keine Kritik an den Bewohnern dieses Tales, sie sind vielmehr ein schönes Beispiel, was in unserer neo-liberalen Gesellschaft passiert.“ Die allgemeine Tendenz zu Kapitalismus sei überall zu spüren.

Einen Roman zu veröffentlichen, ist für den 70-Jährigen ein großer Schritt. „Da fühlt man sich in diesem Alter noch mal wie ein Anfänger“, scherzt er. Und doch: Er könnte sich vorstellen, dass es nicht nur bei dem einen Roman bleibt. Dengg hat seine Passion gefunden. Nämlich nicht nur das Schreiben, sondern auch das Ziel, damit anderen eine „wunderbare Anregung“ mit auf den Weg zu geben.


Kommentieren


Schlagworte