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„Vomperloch“: Ein letzter Akt und Debatte um Bezug zu heute

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Für das Ensemble, Regisseur Markus Plattner (3. v. r.) sowie Autor Felix Mitterer (4. v. r.), gab es kräftigen Applaus im Lendbräukeller.
© Dähling

Von Angela Dähling

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Schwaz – Mit einer ganz besonderen Derniere ging im Lendbräukeller nach 20 ausverkauften Vorstellungen das Mitterer-Stück „Vomperloch“ am Dienstag letztmals über die Bühne. Bekanntlich geht es in dem von Markus Plattner inszenierten Drama um das Deserteurslager im Vomperloch, in dem Autor Felix Mitterer Menschen mit großen Gegensätzen aufeinandertreffen lässt: einen SS-Mann, einen Landarbeiter, einen Priester, einen Kommunisten, einen polnischen Zwangsarbeiter und eine mit dem Bruder des Nazis verheiratete Jungbäuerin, die mit dem Polen eine Liebschaft hat.

Bei der Derniere war mit Hubert Innerebner, Geschäftsführer der Innsbrucker Sozialen Dienste, der Sohn eines Deserteurs anwesend. Sein Vater Josef zählte zu jenen Männern, die sich tatsächlich von 1943 bis zum Ende des Krieges in der Abgeschiedenheit des Vomperlochs versteckten. „Ich bin tief bewegt: ein großartiges Ensemble, das mit einfachen Mitteln die Gräuel des Zweiten Weltkriegs vermittelt, als ob man mittendrin wäre. So weit sind wir heute nicht weg von der grausamen Entwicklung damals“, meinte Innerebner im Anschluss bei einer Diskussionsrunde mit Felix Mitterer und spielte damit auf Druckausübung und Ausgrenzung durch Corona-Maßnahmen an. Auch der Schwazer Bürgermeister Hans Lintner sah eine Brücke ins Heute: „Junge Menschen zerbrechen daran, dass sie keine Normalität erleben können. Die Spaltung durch die Impfpflichtfrage ist ein riesiges Problem, das zu einem unglaublich aggressiven Krieg der Worte geführt hat.“ Dem pflichtete auch Theatermacher Thomas Gassner bei.

Für die Darsteller waren die Proben ein harter Prozess, erklärte Markus Plattner: Lagerkoller, Hunger, permanente Bedrohung und nicht zu wissen, wann es aufhört – das mussten sich die Darsteller (darunter Johannes Schmid und Madeleine Weiler) ständig vergegenwärtigen. Hubert Innerebners Vater hat nach Kriegsende einiges einstecken müssen. Wie die meisten seiner Generation redete er kaum über das Erlebte im Krieg. Innerebner: „Er starb 2006 und es reut mich, dass ich nicht mehr von ihm erfahren habe.“

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