„Natura Viva“ im Fotoforum: Kunstvoll gekünstelt

Lebendige und tote Natur: Hanna Battistis „Natura Viva“ ist im Innsbrucker Fotoforum zu sehen.

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Assoziative Kombinationen machen die aktuelle Fotoserie „Natura Viva“ der Südtiroler Fotografin Hanna Battisti aus.
© Battisti

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Schon in den opulenten Ölgemälden der Niederländer des 16. und 17. Jahrhunderts kreuchte und fleuchte es gewaltig. Inmitten üppiger Arrangements und fetter Blüten tauchten Käfer und anderes Getier auf. Gern lag der eine oder andere Krabbler auch schon auf dem Rücken – und machte damit der Gattung „Stillleben“ oder auch „natura morta“ wortwörtlich alle Ehre.

Inspiriert wurde davon auch Fotografin Hanna Battisti. Auch wenn sie ihre aktuelle Serie dennoch mit „Natura Viva“ betitelt. Mittels Fotografie, die nicht wie die Malerei Stunden, Tage oder Wochen braucht, um einen Augenblick in Firnis zu bannen, zielt sie auf den kurzen Moment des Dazwischen ab. In ihren kunstvoll gekünstelten „Küchenstücken“ kommt alles frisch auf den Tisch. Zappelt da vielleicht sogar noch was?

Das Stillleben bestimmt das Oeuvre der Südtirolerin, die ihre 2019 begonnene Fotoserie gerade im Innsbrucker Fotoforum ausstellt. Dort ist Battisti nicht zum ersten Mal, 2012 war sie bereits Teil einer Gruppenausstellung. Für ihren Werdegang von zentraler Bedeutung war Fotoforum-Leiter Rupert Larl. Er habe ihr mit seinem Zugang zur Fotografie eine „völlig neue Dimension“ eröffnet, sagt Battisti heute. Aus Hobby wurde Berufung.

Zu ihrer aktuellen Serie kam die Südtirolerin eher durch Zufall. Im heißen Sommer des Vorjahrs war Battisti, die in Eppan lebt, ein toter Goldfisch im Teich ins Auge gefallen. Prompt porträtierte sie den schimmernden Körper mit der Kamera. Wie sie es fortan mit allem Getier machte, das aus dem nahegelegenen Wald in ihr Haus kroch.

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Mit leblosen Körpern gibt sich Battisti aber nicht zufrieden. Sie inszeniert das Morbide, montiert hinzu. Ein toter Vogel kommt dabei unter einem frisch abgebissenen Apfel zu liegen, ein Goldfisch unter einem leuchtenden Haufen von Karottenschalen. Als Battisti an einer Stelle auch noch Blütenblätter streut, wird’s fast kitschig. Dabei ist es in Battistis aktueller Serie nicht die barocke Überladung, die Fotos verzaubert, sondern die strikte Reduktion, die Konzentration auf Form und Farbe. Damit der Moment zwischen Sein und Nicht-mehr-Sein Platz hat.

Fotoforum

Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck; bis 5. Februar, Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr.


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