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Maurers „Zeitgenosse aus Leidenschaft“: Wachen Sinns durch den Irrsinn

Thomas Maurers neues Programm „Zeitgenosse aus Leidenschaft“ feierte Premiere in Wien.

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Jeff Bezos, Azteken und Andreas Hofer: Thomas Maurer begibt sich auf eine irrwitzige Reise durch die Gegenwart.
© Ernesto Gelles

Von Bernadette Lietzow

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Wien – Mit den „Staatskünstler“-Kollegen Florian Scheuba und Robert Palfrader zog er zu Silvester die sarkastisch-humorige Bilanz eines mit innenpolitischen Verwerfungen und Pandemie-Nöten übervollen Jahres. Nun steht Thomas Maurer wieder solo auf der Bühne. Im Stadtsaal Wien präsentierte er am Dienstag erstmals sein neuestes Solo-Werk „Zeitgenosse aus Leidenschaft“ – vor begeistertem Publikum, das vom Kabarettisten punktgenau als „bio-österreichischer Mittelstand weit über 40“ begrüßt wurde.

Maurer ist als „Zeitgenosse“ natürlich „woke“, bemüht um politische Korrektheit und das Gendern, auch wenn er „Traditionsbegriffe“, wie er Schimpfwörter umschreibt, ausnehmen möchte.

Der rote Faden des knapp zweistündigen, äußerst kurzweiligen Abends, ist, wenn man so will, der geplante Kauf eines Poolsaugers, für den der Protagonist sich – mit schlechtem Gewissen, Stichwort Klimawandel – in sein Auto begibt, um in einem der unzähligen, aus bodenversiegelter Landschaft wachsenden Einkaufscentern sein Glück zu finden. Dabei begleitet man Maurer, dessen einziges Bühnenrequisit ein schwarzer Stuhl ist, auf eine höllisch amüsante Gedankenreise, die in assoziativen Kreiseln bei Jeff Bezos’ Rakete oder den Menschenopfern der Azteken Station macht, um über die Boshaftigkeit der Nikotinsucht und noch ein paar Kurven weiter im Jahr 1809 bei Andreas Hofer zu landen. Dessen höchst sonderbare Moralvorschriften den „Zeitgenossen“ nicht nur an die afghanischen Taliban erinnern, sondern auch von einer Skischaukel in Bamiyan träumen lassen.

Der Tiroler Freiheitskämpfer ist nach der Pause nochmals zu Gast, wenn über dessen Gegnerschaft zur „Blattern“-Immunisierung kurz die aktuelle politische Impfdebatte ins Spiel kommt.

Auf einer Bobo-Party im – klarerweise – siebten Wiener Bezirk heizt Maurers Figur absurd scheinende neoliberale Fantasien an, die jedoch in naher Zukunft im Hinblick auf Vermögensverteilung und zunehmende Verarmung breiter Schichten durchaus Wirklichkeit werden könnten.

Wie man als Einzelner nun wirklich aktiv gegen Klimawandel und die Macht der Großkonzerne auftreten kann, da ist auch der „Zeitgenosse“ eher ratlos, was Maurer stockend und nach Worten ringend sehr treffend abbildet. Am Ende steht der bitter-ironische, von Beethovens Pastorale untermalte Ausblick, dass ein Ausscheren aus der von den Gesetzen des Marktes regierten Welt wohl noch etwas dauert.

Thomas Maurer charakterisierte sein neues Programm in einem Ö1-Interview als „auf die Bühne gebrachtes Polaroidfoto eines Gegenwartsgefühls“. Er bringt damit einen gelungenen Abend des nachdenklichen Lachens auf den Punkt.

(Tirol-Termine in Planung.)


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