Mündliche Matura: Schülervertreter fordern weiterhin Freiwilligkeit

Schülervertreter fordern in offenen Brief erneute Freiwilligkeit der mündlichen Matura – Jugend-Staatssekretärin Plakolm und FPÖ unterstützen Bildungsminister Polascheks Pläne.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion (2)
Heuer soll die mündliche Matura wieder verpflichtend stattfinden.
© APA/Kahnert

Österreich– Die von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) geplante Rückkehr zur verpflichtenden mündlichen Matura sorgt weiter für Diskussionen. Schülervertreter fordern in einem Offenen Brief erneut eine freiwillige mündliche Reifeprüfung sowie darüber hinaus noch zusätzliche Erleichterungen. Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) und FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl unterstützen dagegen die Entscheidung des Bildungsministers.

In den vergangenen beiden Jahren war die mündliche Matura nur freiwillig. Wer nicht antreten wollte, bekam in dem betreffenden Fach die Note der Abschlussklasse ins Maturazeugnis. Begründet wurde dieses Entgegenkommen and die Schüler und Schülerinnen mit den langen Distance-Learning-Phasen in den vergangenen beiden Schuljahren.

Heuer hat es noch keine vergleichbaren Schulschließungen gegeben. "Dieses Jahr konnte die meiste Zeit des Schuljahres im Klassenzimmer verbracht werden", argumentierte Plakolm in einer Stellungnahme. "Ich sehe daher nicht wirklich einen Grund, warum die Matura nicht in der gewohnten Form stattfinden sollte." Man könne jungen Menschen durchaus etwas zutrauen: "Lehrlinge haben die letzten zwei Jahre ihre Lehrabschlussprüfungen ganz ohne Erleichterungen gemeistert. Ich habe daher volles Vertrauen in unsere Maturantinnen und Maturanten, dass auch sie das gut machen werden."

📽️ Video | Tiroler Schulsprecher kritisiert verpflichtende mündliche Matura

In einem vom Schulsprecher des Wiener Gymnasiums Rahlgasse, Mati Randow, veröffentlichten Offenen Brief, der von rund 100 Schülervertretern unterzeichnet wurde, wird umgekehrt argumentiert: Aufgrund der Schließungen in den Vorjahren sei die heurigen Abschlussklassen seien der bisher am meisten betroffene Jahrgang. Gleichzeitig fordern die Schulsprecher zusätzlich zur Freiwilligkeit der mündlichen Matura noch weitere Erleichterungen. So soll es eine Einschränkung der Themenbereiche für die schriftliche Reifeprüfung geben und die Präsentationen der vorwissenschaftlichen Arbeiten und Diplomarbeiten sollen fortan auf freiwilliger Basis stattfinden.

Ungewohnte Unterstützung für den Bildungsminister kommt von den Freiheitlichen: Bildungssprecher Hermann Brückl plädierte bei einer Pressekonferenz ebenfalls für die Wiedereinführung der verpflichtenden mündlichen Matura: "Man muss den Schülern die Chance geben, sich beweisen zu können." Auch der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Herbert Weiß, kann die Vorgangsweise Polascheks laut Medienberichten nachvollziehen. Man hätte dem aktuellen Maturajahrgang nie gesagt, dass die mündliche Matura heuer nur freiwillig sei.

Anders als die schriftliche Matura, deren Themen vom Bildungsministerium vorgegeben werden, wird die mündliche Reifeprüfung von den jeweiligen Lehrern erstellt. Diese könnten daher je nach Umfang des durchgenommenen Stoffs und Wissenstand der Schülerinnen und Schüler Themenbereiche eingrenzen oder weglassen. (APA, mts)


Kommentieren


Schlagworte