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Erkundungsflüge nach Vulkanausbruch vor Tonga: Asche in Australien

Das Ausmaß der Schäden in dem Südseearchipel ist weiter unklar. Die Kommunikationsverbindungen dorthin waren am Montag weiter stark beeinträchtigt – speziell auf abgelegeneren Inseln, zu denen seit der Eruption des Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai kein Kontakt hergestellt werden konnte.

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Satellitenbilder zeigen des Ausbruch des Vulkans im Südpazifik.
© NOAA via www.imago-images.de

Sydney – Nach der gigantischen Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai in der Südsee sind weite Teile des Inselreichs Tonga weiter von der Außenwelt abgeschnitten. Ob es Tote oder Verletzte gab, ist ebenso unklar wie das Ausmaß der Schäden. Nach Angaben des neuseeländischen Hochkommissars in dem Archipel, Peter Lund, lag die Hauptstadt Nuku'alofa unter einer Ascheschicht begraben und wirkte wie eine "Mondlandschaft".

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Schwer betroffen sei die Westküste der Hauptinsel Tongatapu, wo sich viele Urlaubshotels befinden. Sorge gab es aber vor allem um abgelegenere Inseln, zu denen noch immer kein Kontakt hergestellt werden konnte. Da die Kommunikationsverbindungen weiter stark beeinträchtigt waren, erkundeten Militärflugzeuge aus Neuseeland und Australien die Lage am Montag aus der Luft. "Die heute durchgeführten Flüge werden uns dabei helfen festzustellen, wo Bedarf besteht", sagte die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern. Eine Maschine des Typs Hercules solle Hilfsgüter in das Gebiet bringen und diese notfalls abwerfen, falls die Landebahn des Flughafens zu beschädigt sei. "Wir wissen, dass dringend Wasser benötigt wird", sagte Ardern.

Tsunami-Wellen trafen Neuseeland, Japan, Alaska und Südamerika

Offenbar seien nicht sehr viele Menschen verletzt oder getötet worden, allerdings gebe es erhebliche Schäden, teilte die australische Regierung nach den ersten Aufklärungsflügen mit. Der starke Ascheregen bereitete der Regierung des Inselstaates Sorge, weil dadurch das Trinkwasser vergiftet werden könnte. Zudem könne durch Hilfslieferungen das Coronavirus eingeschleppt werden – bisher war Tonga Corona-frei. "Wir wollen keine weitere Welle, keinen Corona-Tsunami", sagte der Vize-Botschafter von Tonga in Australien, Curtis Tu'ihalangingie.

Tongaer, die in Neuseeland als Saisonarbeiter tätig sind, waren inzwischen in Sorge um ihre Angehörigen in dem Archipel. Langi Fatanitavake, dessen Frau und Sohn auf einer Insel nahe des Vulkans leben, konnte die beiden seit dem Ausbruch nicht mehr erreichen. "Letzte Nacht und heute habe ich versucht anzurufen, aber es gibt keine Antwort", sagte er im neuseeländischen Radio. "Ich habe kein gutes Gefühl, was meine Familie betrifft." Auch von seiner Schwester, die auf einer anderen Insel wohne, habe er keine Nachricht.

Timaru's Sina Latu, deren Familie auf der Insel 'Eua lebt, sagte: "Es tut einfach weh, man fühlt sich so hilflos und voller Angst." Sie hoffe auf irgendein Lebenszeichen ihrer Lieben. Die Schwester habe noch live via Facebook die Flucht der Familie vor dem Tsunami und dem Ascheregen übertragen, dann sei die Leitung abgebrochen. "Es war angsteinflößend, wir sahen, wie die Wellen kamen", so Latu. Zu Tonga gehören etwa 170 Inseln.

Nach dem schweren Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai am Samstag hatten hohe Wellen schwere Schäden in dem Pazifikstaat Tonga angerichtet.
© New Zealand High Commission via www.imago-images.de

Aber was ist das für ein Feuerberg, der am Samstag eine Aschewolke wie einen Atompilz kilometerweit in die Höhe geschleudert und Tsunami-Wellen selbst in weit entfernten Ländern entfacht hat? Der Hunga Tonga-Hunga Ha'apai liegt nur 65 Kilometer nördlich der Hauptstadt des polynesischen Königreichs im Ozean. In Nuku'alofa lebt fast ein Viertel der 107.000 Einwohner. Der Vulkan ist ein wahrer Unterwasser-Koloss: 1.800 Meter hoch und 20 Kilometer breit erhebt er sich unter der Wasseroberfläche.

Erstmals hatte der Vulkan 2009 bei einer Eruption die Meeresoberfläche durchbrochen. Zum Jahreswechsel 2014/15 begann er wieder zu brodeln und spuckte wochenlang Schlamm- und Aschefontänen aus dem Pazifik. Die Eruption förderte damals monatelang Material an die Oberfläche, bis schließlich eine neue, zwei Kilometer lange Insel entstand - die sich zum Erstaunen von Experten über die Jahre stabilisierte, statt wieder zu verschwinden.

Hilfsgüter sollen nach Tonga geschickt werden

Die von der Eruption ausgelösten Ascheschwaden erreichten nach Angaben des Wetterdienstes Weather Watch New Zealand mittlerweile sogar Queensland an Australiens Ostküste. Der Ausbruch am Samstag war Tausende Kilometer weit bis nach Neuseeland und Fidschi zu hören. Die Eruption löste Flutwellen aus und versetzte viele Pazifik-Staaten in Alarmbereitschaft. Tsunami-Wellen wurden nicht nur in Tonga, sondern auch in Neuseeland, Japan, Alaska und Südamerika registriert.

Experte: Vulkanausbruch bei Tonga stärkste Eruption seit 30 Jahren

Der gewaltige Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai in der Nähe des Inselreichs Tonga war nach Ansicht von Experten der weltweit stärkste seit 30 Jahren. Erste Daten zeigten, dass es seit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 keine derartig heftige Eruption gegeben habe, sagte der Vulkanologe Shane Cronin von der University of Auckland am Montag dem Sender Radio New Zealand.

Der Ausbruch in der Südsee habe nach jetzigem Kenntnisstand die Stufe 5 auf dem achtstufigen Vulkanexplosivitätsindex erreicht, im Falle des gigantischen Pinatubo-Ausbruchs sei es Stufe 6 gewesen. Hätte sich die Eruption des Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai an Land ereignet, dann wären die Auswirkungen "apokalyptisch" gewesen, so Cronin.

Der unterseeische Feuerberg ist seit Dezember wieder aktiv. Unklar sei, ob der jüngste Ausbruch den Höhepunkt der Aktivität darstelle, sagte Cronin. Es könne auch sein, dass der Vulkan noch mehrere Wochen oder sogar Jahre unruhig bleibe.

Hilfsorganisationen warnten vor Gesundheitsschäden durch die Asche und rieten den Bewohnern Tongas dazu, Masken zu tragen und nur Wasser aus Flaschen zu trinken. Als Folge des Seebebens wurde auch ein wichtiges Unterseekabel gekappt, daher fiel das Internet auf Tonga aus. Auch die sonstigen Kommunikationsverbindungen waren gestört, Mobiltelefone schienen aber zumindest teilweise zu funktionieren, wenn auch nur lokal und nicht international.

"Es ist eine schreckliche Zeit, aber Nuku'alofa steht noch, die Elektrizität wurde in vielen Häusern wiederhergestellt", schrieb Neuseelands Hochkommissar Peter Lund auf Facebook. Aufräumaktionen sollten in dieser Woche beginnen. (APA/AFP/dpa)


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