NEOS wollen mit 18-jährigem Kandidat ins Jenbacher Rathaus einziehen
Kevin Ladstätter findet „Jenbach isch schiach“ und präsentiert mit seiner Liste Ideen, die Gemeinde „scheaner“ zu machen.
Von Angela Dähling
Jenbach – „Wer seid denn ihr“, fragt die Passantin, die mit ihrem Hund durch die obere Achenseestraße in Jenbach spaziert. Als NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer Farbe bekennt, winkt die Frau ab. „Ach so. Nein danke. Ihr seid ja auch für die Impfpflicht.“ Danach schildert die Jenbacherin emotional, wie die unterschiedliche Haltung zu Corona-Impfungen ihre ganze Familie gespalten hätte und dass sie als Dreifach-Geimpfte nun Herzprobleme habe. Oberhofer versucht die Frau zu beruhigen und stellt klar: „Ich bin mittlerweile gegen eine Impfpflicht, das habe ich im Landtag auch klar zum Ausdruck gebracht und Hans Magreiter wird im Nationalrat auch dagegen stimmen.“ Das animiert die Frau weiter über die sie belastende Situation zu erzählen. „Sagen Sie das alles auch der Frau Meinl-Reisinger, die hat schließlich Kinder“, meint die Frau letztlich zu Oberhofer und seinem NEOS-Mitstreiter auf Gemeindeebene, Kevin Ladstätter.
Während Corona und die Impfpflicht die Menschen bewegt wie kaum ein anderes Thema, will Ladstätter im Gemeinderatswahlkampf den Fokus auf andere Dinge setzen: „Jenbach isch schiach“ – mit diesem Slogan sorgt der erst 18-jährige NEOS-Bürgermeisterkandidat für Aufregung. Die Anzahl der Reaktionen darauf sei immens, „positiv wie negativ“, lautet Ladstätters Resümee. Jetzt wirbt er mit seinem siebenköpfigen jungen Team mit „Jenbach scheaner machen“ um Stimmen. Der Elektrotechniker hat mit seiner Liste an sechs Punkten in Jenbach pinke Plakate mit QR-Codes angebracht. Hält man die Handykamera darauf, öffnet sich der Link zu einem Video, in dem die Liste ihre Ideen zum jeweiligen Standort erläutert. „Integration erfolgt über Vereine“, meint Ladstätter etwa beim Sportplatz Jenbach. In Vereinen wie Fußballclub oder Feuerwehr lerne man schneller Deutsch als in so manchem Klassenzimmer, meint der begeistert Hobby-Fußballer.
Leerstehende Geschäftslokale – wie in der oberen Achenseestraße - solle die Gemeinde anmieten und dort Sprachkurse, Nachhilfe oder Werkunterrichtsprojekte der Schulen auslagern. „Es geht auch darum, den jungen Menschen Sichtbarkeit zu geben“, meint NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer. Auch ein Pop-up-Museum, in dem etwa das Landesmuseum ein Jahr lang eine Ausstellungsfläche bekäme, und Raum für Start-up-Unternehmen werden als Ideen für die Ortsbelebung genannt. Die Volksschule mit moderner Technik auszustatten ist der Liste, auf der Stefanie Golowski auf Platz zwei kandidiert, auch ein Anliegen.
Transparenz, Digitalisierung und Mitbestimmung lauten die Forderungen an den künftigen Gemeinderat. Die Neos setzen sich für eine Live-Übertragung der Gemeindesratssitzungen und einen Jugendgemeinderat ein. Dieser soll von den Jugendlichen gewählt werden und über ein eigenes Budget verfügen, um die Anliegen der Jugend auch umzusetzen. Ladstätter war einst Mitglied der Freiheitlichen Jugend: „Ich komme aus einer FPÖ-orientierten Familie, war immer an Politik interessiert und für neun Monate als 14-Jähriger dort dabei. Aber nur formal“, sagt er. Identifizieren habe er sich mit der Parteilinie jedoch nicht. Die FPÖ benennt den Zeitraum von Ladstätters Mitgliedschaft mit November 2019 bis Ende Dezember 2020. Demnach war er 16 Jahre alt. Ladstätter betont, er habe erst bei den NEOS seine politische Heimat gefunden. Zwei Mandate sind sein Ziel. „Ich weiß, dass ich keine realistischen Chancen auf das Bürgermeisteramt habe. Aber die Wahlmöglichkeit möchte ich bieten.“