Deutschland

Merz am Ziel und Beginn zugleich

Der Rückkehrer: Friedrich Merz ist jetzt ganz oben in der CDU.
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CDU wählt heute auf Parteitag Friedrich Merz zu ihrem Chef. Der hat wenig Zeit für Reformen angesichts anstehender Wahlen.

Hannover – Im dritten Anlauf wird Friedrich Merz heute die zweite Hürde auf dem Weg zum Vorsitzenden der deutschen Christdemokraten nehmen. Denn auf dem Online-Parteitag müssen die 1001 Delegierten dem Willen der Basis gerecht werden, die bei der ersten Migliederbefragung der Partei zu 62,1 Prozent für den 66-Jährigen als CDU-Chef votierten. Spannend ist daher nur, wie viel Rückhalt er von den Delegierten erhalten wird. Endgültig Chef ist Merz formell dann aber erst Ende Jänner, wenn die Delegierten ihre Stimme auch per Brief bestätigt haben.

Merz selbst fände ein Ergebnis über 80 Prozent schön, wie er der Süddeutschen Zeitung vom Freitag sagte. Über den Zustand seiner Partei macht sich Merz angesichts der für die CDU desaströsen Bundestagswahl vom September keine Illusionen: „Wir haben nur noch 24,1 Prozent der Wähler und 19 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland erreicht, brutaler geht es fast nicht mehr.“ Und er räumte in der SZ auch ein, dass die Partei nach 16 Jahren im Kanzleramt emotional noch nicht in der Opposition angekommen sei.

Doch zum Trauern und Eingewöhnen bleibt der CDU keine Zeit. Vier Landtagswahlen stehen an. In drei davon – in Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen – wird schon im Frühjahr gewählt, und dort geht es darum, die Ministerpräsidentschaft zu verteidigen.

Heute wird aber nicht nur der Parteichef, sondern die gesamte Führungsspitze der CDU neu gewählt. Bekannteste Kandidaten für einen Stellvertreterposten sind der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Abgeordnete und Wirtschaftsexperte Carsten Linnemann, der im Herbst noch als möglicher Bewerber um den Parteivorsitz gegolten hatte.

Die ehemalige Parteichefin und Langzeitkanzlerin Angela Merkel hat übrigens darauf verzichtet, heute zur Ehrenvorsitzenden der CDU ernannt zu werden, und laut Spiegel auch auf ein Abendessen mit dem Neuen. (sta)