Tiroler Volksschauspieler Pepi Grießer verstorben
Der Tiroler Volksschauspieler stand seit Jahrzehnten auf den großen und kleinen Bühnen des Landes.
Von Joachim Leitner
Innsbruck – Viele Worte brauchte er nicht, um einen gewaltigen – und bisweilen auch gewalttätigen – Eindruck zu hinterlassen. In Kurt Lanthalers „Heiße Hunde“ etwa, die Klaus Rohrmoser 1997 in den Innsbrucker Kammerspielen zur Uraufführung brachte, spielte Pepi Grießer den großen Schweiger Heinzi. Während die anderen Figuren am Würstelstand wortreich vom karibischem Glück oder wenigstens Barbados-Burgern träumen, ist Heinzi einfach da – und mit ihm die ganze Tragik eines Daseins, das gelernt hat, die Schnauze zu halten, solange irgendjemand die nächste Runde zahlt.
Als Josef Grießer, den alle seit gefühlt immer Pepi nannten, Ende der 1990er-Jahre als regelmäßiger Gast ans Tiroler Landestheater kam, war er eine lokale Berühmtheit: ein Volksschauspieler, der seit Jahrzehnten auf den größeren und kleineren Bühnen des Landes stand. Grießer spielte und inszenierte für die Volksbühne Blaas, setzte mit den „Tiroler Komödianten“ Schwänke in Szene, die Volksbühne Aschau hat er mitgegründet und die in Telfs, wo er 1937 geboren wurde, lange geleitet.
Auch bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs war Grießer immer wieder zu erleben: In Mitterers „Abraham“ spielte er 1996 einen autoritären Polterer; für „Der Held aus dem Westen“ schlüpfte er 2000 für den erkrankten Franz Trager in die Vaterrolle, für Schönherrs „Der Judas von Tirol“ wurde er 2006 zum Martl.
1986 spielte er in der Uraufführung von Felix Mitterers Folter-Versuchsanordnung „Die wilde Frau“ im Innsbrucker Bierstindl einen bärbeißigen Grobian. Joschi Kuderna adaptierte den Stoff im Jahr darauf mit der Originalbesetzung fürs Fernsehen. Ebenfalls nach einer Vorlage Mitterers entstand ab 1989 der Mehrteiler „Verkaufte Heimat“: Grießer spielte einen Südtiroler Bergbauern, der sich bei der Option fürs Dableiben entschied.
Pepi Grießers erste größere Kinoarbeit, Erhard Riedlspergers Spielfilm „Tunnelkind“, entwickelte sich etwa zeitgleich zum Festivalhit: Er wurde bei der Berlinale 1990 ausgezeichnet. Grießer spielt darin einen Landvermesser, der sich mit einem Mädchen von der anderen Seite der Grenze anfreundet.
In Felix Mitterers „Piefke Saga“ war Pepi Grießer uniformierter Erfüllungsgehilfe touristischer Tunichtgute. In einem „Tatort“ aus dem Jahr 1994 trug er gutes Tuch und den schönen Namen Frisch-Fleisch-Karli. Danach wurden die TV-Parts gemütlicher: Gastauftritte bei „Kommissar Rex“ und „Stockinger“, Abstecher ins „Schlosshotel Orth“. In einigen Hansi-Hinterseer-Filmen machte Pepi Grießer gute Miene zum seichten Spiel – und im Südtiroler Landkrimi „Endabrechnung“ spielte er 2016 einen Pfarrer. Vom Kino verabschiedete sich Pepi Grießer 2015 mit „Das finstere Tal“.
Am Mittwoch ist Pepi Grießer im Alter von 85 Jahren gestorben.
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