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Mercedes EQS: Elektro-Limousine zwischen Sensation und Endstation

In vielerlei Hinsicht bietet die luxuriöse Elektro-Limousine EQS von Mercedes ein Fahrerlebnis vom Feinsten – doch herbeigesehnte Reichweiten-Wunder kann auch sie nicht bewirken.

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Während die konventionell motorisierte S-Klasse mit klassischem Stufenheck versehen ist, wird beim EQS die Fließheckvariation bevorzugt.
© Markus Höscheler

Von Markus Höscheler

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Pfitsch – Die Erwartungen an das Modell waren hoch, geschürt vom Autohersteller Mercedes-Benz, der den EQS mit Reichweiten von bis zu 770 Kilometern beworben hatte. Kurz vor dem TT-Test enthüllten die Schwaben zudem auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas das Concept Car EQXX, dem die Techniker gar eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern zutrauen. Der Optimismus schwappte über, schon tauchte der Gedanke an einen „Game Changer“ auf.

Tatsächlich macht der EQS außen wie innen einen stattlichen, modernen Eindruck. Die coupéhafte Linienführung des Daches hebt den 5,2 Meter langen Wagen von der „gewöhnlich“ motorisierten Verbrenner-Konkurrenz der S-Klasse ab. Diese kann zwar innen auch mit einer Display-Vielfalt die Insassen quasi überrumpeln, aber nicht so gekonnt wie der EQS, der mit dem Hyperscreen praktisch das gesamte Armaturenbrett in Beschlag nimmt. Drei Bildschirme beanspruchen die Aufmerksamkeit der vorne Sitzenden, besonders das mittige Display kann mit einer riesengroßen, kontraststarken und detailreichen Darstellung, etwa der Navigationskarten, aufwarten. Recht statisch ist der Bildschirm für den Beifahrer, immerhin ist er nett illuminiert. Für den Fahrer gibt es obendrein noch ein klares, sehr breit projizierendes Head-up-Display mit Augmented-Reality-Inhalten.

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Technik hat Vorrang, das merkt der Fahrer auch beim Fahren. Die Elektromotoren beschleunigen den Allradler EQS 580 im Nu auf Landstraßentempo, nur 4,3 Sekunden vergehen auf leichtfüßige Art und Weise beim Sprint von null auf 100 km/h. Beim Tempomachen lässt sich nicht im Geringsten erahnen, dass wir es hier mit einem 2,6-Tonner zu tun haben. Bemerkbar macht sich das Gewicht allerdings beim Bremsen, so leicht wie etwa bei einem Sportwagen geht es hier nicht zu Werke, die entschiedene Verzögerung bedarf des Nachdrucks.

Alles andere als träge zeigt sich der EQS 580 hingegen beim Ein- und Ausparken sowie im flott gefahrenen Kurvengeläuf. Hierfür lässt sich die installierte Hinterachslenkung (Option) als verantwortliche technische Ausrüstung ausmachen, die hilft, den Wendekreis auf 10,9 Meter zu verkleinern und die Stabilität bei zügig gefahrenen Richtungswechseln zu erhöhen. Die Kurvenfreudigkeit überraschte dermaßen, dass wir einer Felge unabsichtlich ein Leid zufügten – zum geringen Trost: Frühere Autotester hatten bereits die drei anderen Felgen mit Kratzern bedacht. Untröstlich schmolz jedoch während des Tests auf Landstraßen, innerorts und auf der Autobahn über Gebühr dahin, dass sich die praktische Reichweite schlussendlich auf knapp 400 Kilometer einpendelte. Zu allem Energieverlust machte selbst die Schlüsselbatterie noch schlapp, sodass sich das Auto zeitweise nicht mehr starten ließ und Pappas-Techniker ausrücken mussten, um den EQS aus dem Stillstand zu befreien. Das taten sie im Nu, freundlich, firm und flott.

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Die Technik

Motor: zwei Elektromotoren

Wendekreis: 10,9 m

Drehmoment: 855 Nm

Leistung: 385 kW/523 PS

L/B/H: 5216/1926/1512 mm

Gewicht: 2585/3135 kg

Kofferraumvolumen: 610 – 1770 l

Akku-Kapazität: 107,8 kWh

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

0 – 100 km/h: 4,3 Sekunden

Verbrauch: 27 kWh l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 171.636 Euro

CO2-Emission: 0 g/km


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