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Zweiter Teil der „Göttinnen“-Trilogie von Nina Tabassomi im Taxispalais

Für Teil 2 ihrer Trilogie löst Nina Tabassomi die Logik der Ganzheit einer Ausstellung auf. „Göttinnen“ im Taxispalais wächst nach und nach heran.

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Noch allein im Taxispalais: die Arbeiten der in Wien lebenden Künstlerin Elisabeth von Samsonow.
© Leitner

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Zuerst wird zur Einstimmung geladen. Dort, wo Tejal Shahs Arbeit irgendwann Platz nehmen wird, ist derweil folgende Aufgabe zu erfüllen. In einer Gruppe positioniere man sich vom Kreis aus derart zu zwei ausgewählten Personen, dass man als Trio ein gleichschenkliges Dreieck bildet. Gar nicht so einfach, denn wer wen als DreieckspartnerIn erwählt, bleibt geheim. Die Gruppe bewegt sich also hin und her, kommt nur langsam zur Ruhe. Weil hier alles mit allem zusammenhängt.

Mit dieser Aufgabe präsentierte Museumsleiterin Nina Tabassomi gestern ihre neue Ausstellung im Taxispalais Kunsthalle Tirol. Denn auch in „Göttinnen“ hängt alles mit allem zusammen. In der derzeit laufenden Ausstellungstrilogie plädiert Tabassomi für das Andersdenken. So geschehen zuletzt bei Teil 1 und „Hexen“ (2021), das weniger auf die Figur der Hexe referierte, als auf das System dahinter. Unter zeitgenössischen Gesichtspunkten ließ sie es von Kunstschaffenden untersuchen. Das Sequel „Göttinnen“ geht nun einen Schritt weiter, wechselt von der Diagnose zur Assoziation. Die Prämisse: Versammelt werden Werke, die eine andere Art des Zusammenlebens, auch zwischen Mensch und Natur, imaginieren.

Insgesamt fünf künstlerische Positionen hat Tabassomi dafür nach Innsbruck eingeladen: neben der indischen Künstlerin Shah das indigene „Karrabing Film Collective“ aus Australien, den in Nigeria geborenen Soundkünstler Emeka Ogboh sowie die Tirolerin Ursula Beiler. Richtig angekommen im Taxispalais ist bisher aber nur die in Wien lebende Elisabeth von Samsonow, deren Arbeiten zwei Räume füllen. Realisiert hat sie die Installation „Polytheismus“, eine Reihe von handelsüblichen Bodenvasen aus den 60ern und 70ern. Dass sie mit dem Symbol der Vase auf das Weibliche anspielt, liegt auf der Hand. Von Samsonow geht es zusätzlich um die vielfach weiblichen Künstlerinnen, die in der angewandten Kunst der damaligen Zeit weitestgehend unerwähnt blieben. Von Samsonow ist ihnen auf der Spur.

Für die Ausstellung entstanden sind weiters die gemalten Konversationen der Künstlerin, „Erdseelen“, die von der Leinwand in einen „Speaking Earth Catalog“ führen. Dort finden Zeichnung und Text Platz. Dabei wird’s mitunter ordentlich spirituell. Fantasie anregend könnte da Von Samsonows Wermut wirken, gewachsen im „Land der Göttinnen“ – ein reales Stück Land, in dem ökofeministischer Aktivismus mit künstlerischer Forschung unter freiem Himmel verschwimmt.

Serviert wird der edle Tropfen aber erst zum Ende der Schau, denn „Göttinnen“ soll in ein Fest münden – sofern es die Pandemie zulässt. Erst bis dahin wird die Ausstellung auch voll bestückt sein. Die anderen Räume sind aktuell noch leer. Sie werden sich in den nächsten Wochen füllen, ab 11. Februar etwa mit Performances von Ursula Beiler, die mit ihrer Installation „Grüß Göttin“ in Tirol reichlich polarisierte. Polarisieren wird auch Tabassomi, die mit „Göttinnen“ gleich die Logik der Ganzheit einer Ausstellung sprengt. Ob das Experiment aufgeht, ist erst am Schluss zu beurteilen. Viermal dürfen BesucherInnen mit einem Ticket in die Schau, um sie wachsen zu sehen. Auch wenn man nicht weiß, was da wächst, die Neugierde ist geweckt.


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