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BMW iX: Technologieträger-Ersatz

BMW mag es gerne mehrgleisig: Der Münchner Hersteller hält den Verbrennungsmotoren weiterhin die Stange, verschließt sich aber nicht interessanten Alternativen. Der iX signalisiert einen neuen Aufbruch.

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Seit Kurzem am Markt: der 4,95 Meter lange iX, ein reines Elektroauto von BMW.
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Von Markus Höscheler

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Innsbruck – Widerstand hat seinen Zweck. BMW ist bekannt dafür, nicht immer mit dem Strom zu schwimmen. Der südbayerische Autokonzern setzte vor vielen Jahren ein Zeichen mit den so genannten „Efficient Dynamics“-Maßnahmen, die eine Verbrauchsreduktion und eine Schadstoffverringerung in Aussicht stellten, nebenbei dem Image halfen. Das Management und die Mitarbeiter mussten auch einiges an Häme aushalten, als der X6, ein wuchtiges SUV-Coupé, Ende der nuller Jahre des laufenden Jahrhunderts an den Start gegangen war. Das umstrittene Konzept funktionierte jedoch und findet noch heute in verschiedenen Segmenten Nachahmer. Und jetzt, während der Druck in Richtung Elektromobilität immens groß ist, lässt die BMW-Spitze immer wieder aufhorchen: nur ja nicht zu früh den Verbrennungsmotor abschreiben, schön technologieoffen bleiben.

Dass BMW in Sachen Technik experimentierfreudig ist, hat das Unternehmen immer wieder unter Beweis gestellt. Techniker erprobten zum Beispiel vor gut 15 Jahren Fahrzeuge, die sich mit flüssigem Wasserstoff antreiben ließen. Vor neun Jahren brachte BMW mit dem i3 einen prognostizierten „Game Changer“ auf den Markt – mit Leichtbautechnik (Aluminium und Karbon) sowie Elektroantrieb. Die Nachfrage war nicht übel, die Produktion galt jedoch als recht teuer, die Reichweiten des batteriebetriebenen Kleinwagens sind trotz Aufwertungsmaßnahmen eher bescheiden. Und nun droht mit Jahresmitte die Einstellung des i3.

Die Technik

  • Motor: Elektromotoren
  • Kapazität/Akku: 71 kWh netto
  • Drehmoment: 630 Nm
  • Leistung: 240 kW/326 PS
  • L/B/H: 4953/1967/1695 mm
  • Gewicht: 2440/3010 kg
  • Kofferraumvolumen: 500–1750 l
  • Reichweite: 270 km
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • 0–100 km/h: 6,1 Sekunden
  • Verbrauch: 30,1 kWh
  • Kraftübertragung: Allradantrieb
  • Preis: 105.162 Euro
  • CO2-Emission: 0 g/km

Allerdings agiert BMW alles andere als planlos: Der Anbieter hat zum Ersten schon massiv auf Plug-in-Hybridtechnik gesetzt, zum Zweiten Elektrosysteme in bestehende Plattformen integriert (man denke an den iX3, den elektrischen Ableger des X3), zum Dritten einen neuen Technologieträger entworfen.

Gemeint ist damit der iX, für den es eine eigene technische Unterlage gibt. Von ihm sollen weitere E-Modelle von BMW profitieren, zumal sich die Firma schon recht weit herauslehnt: Der zu Jahresanfang angekündigte iX M60 glänzt mit 619 PS Systemleistung, mit 1100 Newtonmetern Drehmoment und einem Sprint von null auf 100 km/h in 3,8 Sekunden. Nebenbei soll seine Reichweite bis zu 566 Kilometer betragen.

Das sind starke Ansagen – die kritische Betrachtung verdienen, zumal vor Kurzem der Basis-iX im TT-Fuhrpark zugegen war, nämlich der iX xDrive40. Der hat wie der M60 zwei Elektromotoren, die aber vergleichsweise gemäßigter ausgerüstet sind: Die Systemleistung beträgt 326 PS und das Drehmoment beläuft sich auf 630 Newtonmeter. Damit wirkt das Motoren-Duo gleichwohl gut gerüstet für einen 2,4-Tonner: Etwas mehr als sechs Sekunden vergehen, bis der iX 100 km/h erreicht hat. Die Leichtfüßigkeit zaubert ein Lächeln auf das Gesicht des Fahrers, auch und gerade in Verbindung mit dem komfortabel abgestimmten Fahrwerk und der präszise-direkten Lenkung.

Der Wendekreis ist jedoch (12,3 bis 13 m) groß, klein ist die Reichweite: In unserem Test reicht der 71-kWh-Lithium-Ionen-Akku nicht einmal annähernd für 300 Kilometer. Dabei wäre das 105.000-Euro-Fahrzeug dank seinem Komfort, seinem feinen Raumangebot und seiner Ausstattung sowie seinem gebogenen Display auf dem Armaturenbrett grundsätzlich ein Fall für die Langstrecke. Doch die seriöse Reiseplanung würde eine ganz genaue Kenntnis über das hiesige Ladesäulennetz erfordern.


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