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Ausstellung „Dalí – Freud“: Malen als Erkundung des Seelenabgrunds

Eine neue Ausstellung im Unteren Belvedere beleuchtet kenntnisreich die Beziehung Salvador Dalís zu Sigmund Freud.

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Dalís meisterliches Spiel mit den (Un-)Wirklichkeiten und der Technik des Kippeffekts in „Schwäne spiegeln Elefanten wider“ aus dem Jahr 1937.
© Fundació Dalí/Bayer

Von Bernadette Lietzow

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Wien – Einmal haben sie sich dann doch getroffen! Nach mehrmaligen, erfolglosen Wien-Reisen des spanischen Künstlers kam es auf Vermittlung seines Bewunderers Stefan Zweig im Sommer 1938 zu einer kurzen Begegnung zwischen Salvador Dalí und Sigmund Freud in dessen Londoner Exil. Mit höchst spannenden Folgen. So zeigte sich Freud, der sich als „Schutzpatron“ von den Surrealisten vereinnahmt sah und dieser Kunstrichtung kritisch gegenüberstand, in einem Brief an Zweig nach dem Besuch des „jungen Spaniers mit den treuherzig fanatischen Augen“ interessiert daran „die Entstehung eines surrealistischen Bildes analytisch zu erforschen“.

Dalí wiederum, der Freud anhand des mitgebrachten Gemäldes „Die Metamorphose des Narziss“ von seiner „paranoisch-kritischen Methode“ (mittels Kippeffekten können Betrachtende sehen, was sie sehen wollen oder ihre Einbildung zu sehen vorgibt) zu überzeugen versucht, wird nach dieser Begegnung seine stark von Freuds Lehre geleitete Schaffensperiode beenden.

Dalís Freud-Porträt: „Freud war unser Bahnbrecher.“
© Fund. Dalí

Als erste Ausstellung nach eineinhalb Jahren sanierungsbedingter Schließung des Unteren Belvedere ruft nun „Dalí – Freud. Eine Obsession“ dazu auf, dem frühen Wirken des aufgrund der opulenten Selbstdarstellung und der teils schamlosen Vermarktung seiner Person wie seines Werks ambivalent rezipierten Künstlers gleichsam über dessen Unterbewusstsein neu zu begegnen.

Bemerkenswert intim ist die Raumgestaltung, Wände wie Teppich sind in Purpurrot gehalten, pinkfarbene Inseln kennzeichnen die einzelnen Themenbereiche, ebenholzfarbene Präsentationsmöbel beherbergen die vom spanischen Kunsthistoriker und Kurator Jaime Brihuega Sierra mit großem Geschick und klugem Konzept ausgewählten Objekte. Von Filmen und aufschlussreichen Wandtexten geleitet taucht man ein in das weite wie wüste Seelenland des „genialen Kindes“ (Salvador Dalí über sich selbst) und kann, inspiriert durch erhellende Erläuterungen, dessen höchst individuelle Ausprägung des Surrealen nachvollziehen.

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Für Salvador Dalí, der seinen Vornamen von dem verstorbenen Bruder erbte, seine Mutter früh verlor und unter seinem gutbürgerlich-autoritären Vater litt, war die Lektüre von Freuds Traumdeutung und weiteren Schriften von elementarer Bedeutung – sie waren das Echo auf seine Angstzustände, Obsessionen, sexuellen Fantasien und Tabus. Sein in altmeisterlicher Lasurtechnik gefertigtes, um 1933 entstandenes Bild „Ich im Alter von zehn Jahren, als ich ein Heuschreckenkind war [Kastrationskomplex]“ oder auch „Das düstere Spiel“ (1929) legen mit phallischen Bildelementen, krabbelndem Getier, Eingeweiden und Kot Zeugnis ab über Dalís Geister – wobei sich angesichts dessen starker Persönlichkeit die Frage stellt, inwieweit der Künstler ebendiese Geister nicht auch gehegt hat.

„Ausstellungen machen heißt Geschichten erzählen“, so Belvedere-Direktorin Stella Rollig, die Bild-Geschichten der Beziehung Dalís zu Freud und nicht zuletzt Dalís großes Können beeindrucken.


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