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Ehemaliger US-Vizepräsident Pence: „Trump hat Unrecht“

Eigentlich galt Mike Pence als treuer Diener Trumps. Spätestens aber nach der Kapitol-Attacke begann das Verhältnis zu bröckeln. Nun wird der ehemalige Vize-Präsident überraschend deutlich – und nimmt sogar das Wort „unamerikanisch“ mit Blick auf Trump in den Mund.

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Der einst stets loyale ehemalige Vizepräsident Pence richtet sich öffentlich gegen Ex-Präsident Trump.
© BRENDAN SMIALOWSKI

Washington – Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence hat Ex-Präsident Donald Trump erstmals öffentlich attackiert und ihm direkt widersprochen. „Präsident Trump hat Unrecht: Ich hatte kein Recht, die Wahl zu kippen", sagte Pence bei einem Auftritt im US-Bundesstaat Florida. Die Vorstellung, dass eine einzelne Person den Präsidenten wählen könne, sei „unamerikanisch". Der bibeltreue Republikaner galt Trump vier Jahre lang als treuer Vize, hatte sich aber nach dem Angriff aufs Kapitol von ihm distanziert. Dem 62-Jährigen werden Ambitionen nachgesagt, bei der nächsten Wahl 2024 selbst fürs höchste Staatsamt kandidieren zu wollen.

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Pence bezog sich mit seinen Äußerungen auf die formelle Bestätigung des Wahlergebnisses der Wahl vom November 2020 im Kongress am 6. Jänner 2021, dem Tag der Kapitol-Attacke. „Nach der Verfassung hatte ich kein Recht, das Ergebnis unserer Wahl zu ändern", sagte Pence am Freitag bei einer Veranstaltung der Federalist Society, einer Vereinigung sehr konservativer Juristen. So wie er damals werde auch die aktuelle Vize-Präsidentin Kamala Harris in zwei Jahren kein Recht haben, das Wahlergebnis zu kippen. Dann würden nämlich die Republikaner die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl schlagen.

Pence hatte sich damals geweigert, Trumps Druck nachzugeben und die Zertifizierung der Ergebnisse im Kongress zu verhindern. Der abgewählte Präsident wollte so Joe Bidens Sieg in letzter Minute noch kippen. Pence hatte bereits damals erklärt, dass ihm sein Eid zum Schutz der Verfassung das nicht erlaubte. Trump ging seinen ehemaligen Stellvertreter deswegen mehrfach öffentlich an. Vizepräsidenten spielen bei der offiziellen Bestätigung des Wahlergebnisses im Kongress nur eine zeremonielle Rolle.

Beachtliche Worte

Die Worte des Ex-Vize gelten eigentlich als Selbstverständlichkeit – sind aber in dieser Deutlichkeit doch beachtlich. Trump holte direkt zum Gegenangriff aus. Pence habe sich zu einer Art automatischem Fließband gemacht, um Biden so schnell wie möglich zum Präsidenten zu machen, ließ er mitteilen. „Nun, die Position des Vizepräsidenten ist kein automatisches Fließband, wenn es offensichtliche Anzeichen für Wahlbetrug oder Unregelmäßigkeiten gibt." Trump weigert sich bis heute, seine Niederlage anzuerkennen. Er redet ohne Beweise immer wieder von Betrug. Dutzende Klagen scheiterten vor Gericht.

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Trump-Anhänger hatten am 6. Januar den Kongresssitz in Washington erstürmt, um die Zertifizierung von Bidens Wahlsieg zu sabotieren. Der abgewählte Präsident hatte seine Unterstützer zuvor aufgewiegelt. Fünf Menschen kamen ums Leben. Anders als Trump erschienen Pence und seine Ehefrau Karen zwei Wochen später als Gäste zu Bidens Vereidigung.

In Washington wird schon länger vermutet, dass Pence Ambitionen haben könnte, 2024 als Bewerber der Republikaner anzutreten. Sollte Trump ebenfalls seine Kandidatur erklären, käme es zu einem direkten Wettstreit. Trump ist in der Partei immer noch extrem mächtig. Wer sich gegen ihn ausspricht, bezahlt dies in der Regel mit seiner Karriere. (dpa)


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