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Mit 36 Jahren zu Silber: Manuel Fettner schrieb ein Olympia-Märchen

Vom Olympia-Wackelkandidaten zum „Retter“ der ÖSV-Adler: Der Innsbrucker Manuel Fettner krönte mit Silber im Normalschanzenbewerb seine Karriere.

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Nur Überflieger Ryoyu Kobayashi (Mitte) überflügelte Manuel Fettner (links). Dawid Kubacki (rechts) meldete sich mit Bronze zurück
© GEPA pictures/ Patrick Steiner

Von Benjamin Kiechl

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Peking/Zhangjiakou ‒ Eigentlich lässt sich Manuel Fettner kaum aus der Ruhe bringen. Diesmal war ihm die Nervosität vor jedem Sprung anzumerken. Der Mann, dessen Karriere einer Fahrt mit der Achterbahn gleicht, der aus dem ÖSV-Kader geflogen war und sich mit Stützpunkttrainer Florian Liegl über die Untiefen des Continental Cup wieder herangekämpft hat, musste über zwei Jahrzehnte auf seine große Chance warten.

Der 36-jährige Innsbrucker löste im letzten Abdruck das Olympia-Ticket und überraschte am Sonntag mit Silber auf der Normalschanze. Geschlagen nur von Überflieger Ryoyu Kobayashi, der sich zum ersten japanischen Skisprung-Olympiasieger außerhalb Japans kürte.

Die Silbermedaille war so verdient wie sensationell. Der ÖSV-Adler, dessen bisher bestes Olympia-Einzelergebnis ein 23. Platz in Pyeongchang war, lag zur Halbzeit noch auf Platz fünf und spuckte im Finale Eiswürfel. Mit einem Sprung auf 104 Meter überflügelte er den bronzenen Dawid Kubacki (POL) sowie Peter Prevc (SLO) und Jewgenij Klimov (RUS).

Bei der „Flower Ceremony“ kämpfte der Athlet mit den Tränen, bei den anschließenden Siegerinterviews rang er um die richtigen Worte.

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Ein unglaubliches Gefühl. Am meisten taugt mir, wie sich alle in der Mannschaft mit mir mitfreuen.
Manuel Fettner zu Olympia-Silber.

📽️ Video | Fettner landet Sensations-Coup

"Das alles wird in Erinnerung bleiben"

Erst um 1 Uhr Ortszeit in China und nach einem beruhigend wirkenden Krügerl Bier mit den Trainern und Serviceleuten gelang es ihm, seine Gedanken zu ordnen. „Der zweite Sprung, die Landung und das Gefühl, über die Sturzlinie zu fahren. Danach das Warten, ob es mit einer Medaille klappt, und die Freude der Teamkollegen und Trainer. Das alles wird in Erinnerung bleiben“, sagte der Tiroler überglücklich.

Besonders emotional verlief der Tag für Pressebetreuer Daniel Fettner, der auch dessen Halbbruder ist. „Ich habe versucht, ruhig zu bleiben, aber es ist mir nicht gelungen. Auch Freudentränen waren dabei“, erzählte er.

Der Innsbrucker Manuel Fettner ballte nach seinem Sprung zu Olympia-Silber die Fäuste.
© AFP
In meinem Kopf ist jetzt komplette Achterbahnfahrt.
Manuel Fettner muss alles erst einordnen.

Die ÖSV-Teamkollegen waren im Schanzenauslauf die ersten Gratulanten. „Seit er in China ist, springt er wie von einem anderen Stern. Ich freue mich unendlich, was der ,alte Mann‘ gezeigt hat“, erzählte Daniel Huber (Platz 13). Jan Hörl, der auf der „Snow Ruyi“ genannten Schanze aus dem ÖSV-Quartett am wenigsten ins Fliegen kam und nur 19. wurde, strich die Bedeutung der Medaille für Österreich hervor. Erstmals seit Bronze 2010 (Gregor Schlierenzauer) gab es auf der Normalschanze wieder etwas zu holen.

Stefan Kraft, der eigentliche Medaillenfavorit, staunte über die Leistung Fettners. „Ich freue mich fast mehr für ihn, als wenn ich selber eine Medaille gewonnen hätte. Das tut unserer Mannschaft gut und es können noch schöne Spiele für uns werden!“

Der dreifache Weltmeister indes musste bereits nach dem ersten Durchgang den Bewerb abhaken. „Ich habe in der Anfahrtsposition einen Krampf im Hüftbeuger bekommen.“ Eine Olympia-Medaille fehlt in der Sammlung des zweifachen Gesamtweltcupsiegers und Skiflug-Weltrekordhalters noch. Es warten noch drei Gelegenheiten.

Für den 36-jährigen Team-Oldie Fettner ging das Olympia-Märchen bereits in Erfüllung. Am Montag im Mixed-Teambewerb gibt es die nächste Medaillenchance. „Man wird sehen, was rauskommt. Zu den Top-Favoriten gehören wir nicht, aber in unserem Sport ist vieles möglich.“ So wie Fettners Olympia-Sensation ...

💬 Reaktionen zu Olympia-Silber für Manuel Fettner

Manuel Fettner (Silbermedaillengewinner): "Ich bin ehrlich gesagt ziemlich sprachlos. In meinem Kopf ist jetzt komplette Achterbahnfahrt. Jetzt im zweiten Durchgang habe ich meinen besten Sprung zusammengebracht. Die Medaille bedeutet mir generell sehr viel, sonst hätte ich auch nicht weitergemacht. Ich kann jetzt gar nicht wirklich ein Interview geben."

Stefan Kraft (10.): "Ich habe eine Riesenfreude, der alte Hund ist unglaublich. Der zweite Sprung war von einem anderen Stern. Wenn du eine Medaille holen willst, muss einfach alles passen. Das tut auf jeden Fall den ganzen österreichischen Skispringern gut."

Daniel Huber (13. Platz): "Der alte Mann, der da Silber macht - er ist unglaublich gut gesprungen. Das taugt mir so, es ist völlig wurscht, ob ich 13., 8. oder 6. werde. Vor den Spielen hat ihn keiner so richtig auf der Rechnung gehabt, aber seit er da ist, springt er wie von einem anderen Stern."

Jan Hörl (19.): "Das Einzige, was mir heute so richtig taugt, ist, dass der Fetti Silber gemacht hat. Es ist so wichtig für uns als Land."


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