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Der Bildermacher: Gerhard Richter feiert 90. Geburtstag

Gerhard Richter gehört zu den renommiertesten Künstlern der Gegenwart. Heute wird der Künstler 90, zu sehen ist er derzeit – im Kleinformat – auch im Innsbrucker Ferdinandeum.

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Gerhard Richter, 1993 im Gespräch mit Hans Ulrich Obrist: „Im Mittelpunkt steht das gefundene Objekt. Du akzeptierst, veränderst, zerstörst es – aber du hast immer die Kontrolle.“
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Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Reisen möchte Richter nicht mehr – auch nicht zur Eröffnung seiner Geburtstagsausstellung am letzten Wochenende. Wie die Schau in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) aussieht, kann sich der Künstler vorstellen, er hat selbst monatelang intensiv an „Porträts. Glas. Abstraktionen“ im SKD gearbeitet. Richter selbst ist als Selbstporträt dabei. An der Wand neben seiner Familie – ebenso auf Leinwand gebannt. Darunter auch Tochter „Betty“ (1988), die dem Publikum ihr Gesicht verweigert und damit zum Postkartenmotiv mutierte. Hinzu kommen Richters abstrakte Werkserien und nüchternen Glasskulpturen. Gemacht hat er alles – unrealisiert blieb quasi nichts, „denn wenn ich dann mal einen Einfall habe, fange ich auch an“, gab er 2007 in einem Interview zu Protokoll.

Über 3000 Werke sollen so entstanden sein. Die wollen gerade im heurigen Jubiläumsjahr gesehen werden, neben Dresden auch in Berlin (Neue Nationalgalerie) oder Köln (Museum Ludwig). Alle haben ihm zum 90er, den er heute begeht, eine Einzelausstellung gewidmet.

Dabei ist das Interesse am deutschen Vorzeigekünstler gar nicht höher als in den letzten Jahren. Dass er die internationalen Rankings der einflussreichsten und teuersten lebenden Künstler anführt, scheint eine Selbstverständlichkeit. Er, der sich selbst bescheiden als „Bildermacher“ bezeichnet, wird in den Medien gern mit „Meister aller Genres“ (FAZ) oder „Picasso of the 21st Century“ (Guardian) betitelt.

Im Kleinformat ist der Kunst-Superstar aktuell auch in Innsbruck zu sehen. In „werden. From Michelangelo to ...“ im Landesmuseum Ferdinandeum treffen zwei seiner Fotoübermalungen auf Zeichnungen von Michelangelo und ein Aktionsversatzstück von Joseph Beuys. 1973 war das Innsbrucker Taxispalais das erste Museum in Österreich, das Richter überhaupt zeigte. Zu sehen war die Werkgruppe „48 Porträts“, die Richter kurz zuvor auf der Biennale in Venedig nebst schwummrigen Wolkenbildnissen und verschwommenen Städtebildern ausstellte.

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Die Akademie in Düsseldorf, die in der aktuellen Ferdinandeumsschau eine zentrale Rolle spielt, war 1961 für den in Dresden geborenen Richter erste wichtige Station. Die Pop-Art (Richter sagte 1993 dazu: „Im Mittelpunkt steht das gefundene Objekt. Du akzeptierst es, veränderst es oder zerstörst es sogar – aber du hast immer die Kontrolle“) weckte sein Interesse an der Fotografie und die Auseinandersetzung mit der Malerei – bevor ab Mitte der 1970er die Abstraktion übernahm. Die dominiert bis heute. Dazwischen stehen der berühmte „Birkenau-Zyklus“, sein seit 1960 angesammelter „Atlas“ oder die Künstlerbücher.

Einer, der Gerhard Richter über Jahre und Schaffensperioden hinweg begleitet hat, ist der Schweizer Star-Kurator Hans Ulrich Obrist. Anlässlich des runden Geburtstags erschienen jetzt Obrists Richter-Interviews aus 26 Jahren auf Deutsch. Darin wird der Werdegang des Künstlers in seinen eigenen Worten nachgezeichnet, vorbei an Wegbegleitern wie Sigmar Polke, hinein ins Private zu seinem (Nicht-)Glauben und dem Einfluss der Architektur.

Auch wenn Obrist mit Verweisen und Quellenangaben arbeitet, bei dieser Lektüre ist Vorwissen gefragt. Stets bleibt das Pingpong der Fragen aber ein Gespräch auf Augenhöhe – mit zwei Gesprächspartnern, die sich offensichtlich schätzen. Aus der Freundschaft entstanden gemeinsame Projekte: 2014 etwa kuratiert Obrist Richters spektakuläre Schau in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Wie jetzt im SKD standen damals unterschiedliche Werkserien einander gegenüber. In Dresden ist jetzt auch Richters offiziell letztes Werk, „Abstraktes Bild (952-4)“, ein Teil davon. 2019 verabschiedete er sich vom (großformatigen) Schaffen. Bis heute soll Richter aber täglich zeichnen.

Kampa Verlag, 240 S., 30,90 Euro.

Einzelausstellungen 2022: Museum Ludwig, Köln (bis 1. Mai), SKD, Dresden (bis 1. Mai), Neue Nationalgalerie, Berlin (bis 29. Mai).


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