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Sinnkrise in Hollywood: Niemand weiß, wohin die Reise geht

Hollywood steckt in der Sinn- und Streamingkrise. Das zeigen auch die heurigen Oscar-Nominierungen.

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Zwölfmal nominiert: der Netflix-Film „The Power of the Dog“.
© Netflix

Los Angeles – Hollywood befindet sich gerade in einem großen Veränderungsprozess. Und wie meistens in Zeiten des Umbruchs ist noch nicht wirklich klar, wohin die Reise geht. #MeToo und die Debatte über die Repräsentation von marginalisierter Bevölkerungsgruppen haben das alte Hollywood erschüttert. Streamingdienste und die Pandemie haben die Sinn- und Einnahmenkrise verschärft. Diese Orientierungslosigkeit lässt sich auch an den gestern bekannt gebenen Oscar-Nominierungen ablesen.

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Da ist etwa Steven Spielbergs „West Side Story“-Remake: ein Kinoflopp, aber eben auch ein klassischer Oscar-Stoff – große Gefühle, noch größere Choreografien. Siebenmal hat die Academy of Motion Pictures Arts and Science die Beschwörung alter Größe nominiert, darunter als bester Film und für die beste Regie.

Der meistnominierte Film allerdings ist Jane Campions „The Power of the Dog“. Eine Spätwesterngeschichte, wie sie Hollywood seit Jahrzehnten immer wieder erzählt, aber eben eine, die Netflix vertrieben hat. Auf zwölf Nominierungen kommt der Film – bester Film, beste Regie und bester Hauptdarsteller (Benedict Cumberbatch) inklusive. Keine Streamingproduktion war bislang erfolgreicher. Mit der vierfach nominierten Weltuntergangskomödie „Don’t Look Up“ ist noch ein Netflix-Film im Preisrennen. Überhaupt könnte 2022 ein Jahr der Komödie werden: Auch Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ ist als bester Film nominiert. „Dune“ von Denis Villeneuve – episches Remake und Aufbruch in eine neues Franchise-Universum zugleich – kommt auf zehn, Kenneth Branaghs „Belfast“ auf sieben Nominierungen.

Vergeben werden die Oscars am 27. März. Für Starpower hat die Academy gesorgt: In den Schauspielkategorien sind unter anderem Denzel Washington („Macbeth“), Will Smith („King Richard“), Javier Bardem („Being the Ricardos“) und Penelope Cruz („Parallele Mütter“) nominiert. Ein weiterer #OscarsSoWhite-Shitstorm wurde abgewendet. Das ist die gute Nachricht.

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Die, jedenfalls aus österreichischer Perspektive, bittere: „Die große Freiheit“, das beklemmend konsequente Liebes- und Gefängnisdrama des Tirolers Sebastian Meise, ist nicht mehr im Preisrennen. Als beste internationale Produktion wurden „Die Hand Gottes“ (Italien), „Drive My Car“ (Japan), „Der schlimmste Mensch der Welt“ (Norwegen), „Lunana – Das Glück Liegt im Himalaya“ (Buthan) und der animierte Dokumentarfilm „Fliehen“ (Dänemark) nominiert.(jole)


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