Entgeltliche Einschaltung

Zwei Jahre Pandemie krempelten Wirtschafts- und Arbeitsleben stark um

Auch viele Menschen, nicht "nur" das BIP und die Volkswirtschaft, mussten finanzielle Einbußen hinnehmen. Vor allem dann, wenn sie arbeitslos wurden – oder in deutlich abgemildertem Ausmaß, wenn sie in die für Unternehmen oft rettende Kurzarbeit geschickt wurden.

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Der Handel hatte besonders unter den vielen Lockdowns zu leiden.
© BARBARA GINDL

Wien – Nachdem das Coronavirus vor zwei Jahren in Österreich für die ersten Infektionen gesorgt hat, überschlugen sich nicht nur die gesundheitlichen und politischen, sondern besonders auch die wirtschaftlichen Ereignisse. Mit Fortdauer der Pandemie linderten sich die negativen Auswirkungen. Andere pandemisch bedingte Veränderungen wie mehr Homeoffice sind hingegen gekommen, um zu bleiben. Wirtschaftsgeschichtlich gesehen waren die größten Einschnitte die österreichweiten Lockdowns.

Entgeltliche Einschaltung

In den vier bundesweiten Stillständen – regional wie in Wien auch mehr –, durften lediglich Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittelgeschäfte, Fleischereien, Bäcker, Apotheken, Tankstellen und auch Trafiken) öffnen. Vor dem ersten Lockdown kam es zu Hamsterkäufen, obwohl laut Handel kein Engpass drohte. In Sonderschichten teils unter Mithilfe des Bundesheeres in Verteilzentren wurde weiter in die Märkte geliefert. Leere Regale waren zum Teil zu sehen, weil man an Ort und Stelle mit dem Nachschlichten nicht mehr nachkam.

Herr und Frau Österreicher horteten, was sich auch in Witzen niederschlug: vor allem Klopapier. Aber etwa auch Schokolade, Konserven, Nudeln und Reis wurden gehamstert. Tatsächlich aus ging die Germ – die Menschen begannen sich ihr eigenes Brot zu backen; manchen dürften ihre Pizzateigrezepte perfektioniert haben. Gewitzelt wurde auch darüber, dass die Leute praktisch nicht mehr raus konnten oder wollten, da die Friseure besonders lange geschlossen waren und wie andere körpernahe Dienstleister auch nur unter besonders strengen Auflagen wieder aufsperren durften.

Stationärer Handel von Online-Handel abgedrängt

Inflation und Mikrowarenkorb seit Anfang 2019.

Die Wertschöpfungsverluste im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erreichten wöchentlich an die 1,8 Mrd. Euro. Hin zum (vorerst und erhofft) letzten Stillstand senkte sich der Verlust laut Experten auf rund 800 Mio. Euro ab. Der stationäre Handel beklagte, dass die Leute durch die Schließungen vermehrt in den konkurrierenden Online-Handel gedrängt würden. Das zeigte sich auch jeweils an den Umsatzzahlen. Der Bestell-Boom hat coronageboostert inzwischen in Ballungsräumen auch den Lebensmittelbereich und nicht nur fertige Mahlzeiten oder andere Waren erfasst und scheint kein Ende zu nehmen.

Auch viele Menschen, nicht "nur" das BIP und die Volkswirtschaft, mussten finanzielle Einbußen hinnehmen. Vor allem dann, wenn sie arbeitslos wurden – oder in deutlich abgemildertem Ausmaß, wenn sie in die für Unternehmen oft rettende Kurzarbeit geschickt wurden. Der Höchststand an Kurzarbeitenden überschritt im April/Mai 2020 eine Million, dazu kam zeitgleich der Höchstwert von mehr als einer halben Million Arbeitslosen. Zuletzt (Daten vom Dienstag vergangener Woche) waren noch 184.000 Personen zur Kurzarbeit vorangemeldet. 386.902 Personen waren arbeitslos oder in AMS-Schulungen. Das sind weniger als vor der Krise. Aber der Facharbeitermangel spitzt sich weiter zu.

Die Bundesregierung – die mittlerweile personell ziemlich anders aussieht als vor der Pandemie – ging wegen der drastischen Entwicklungen jedenfalls "All-in": "Koste es, was es wolle", werde man die Wirtschaft und Co stützen, sagte der mittlerweile ehemalige Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Das schlug sich auch in der Gründung der COFAG wieder, der Corona-Hilfsagentur für Unternehmen. Alleine diese hat bisher - ohne viele weitere Hilfen, die sie nicht abwickelt – rund 10 Mrd. Euro an Wirtschaftshilfen wie Umsatzersatz, Ausfallsbonus 1, 2 und 3, Verlustersatz, Fixkostenzuschuss und Fixkostenzuschuss 800.000 ausbezahlt (Stichtag: 31.12.2021).

Am meisten Hilfen in Wien und Tirol

Nächtigungen nach Monaten, jeweils Inländer und Ausländer, seit Anfang 2019.

Nach Bundesländern erhielten Firmen in Wien (1,53 Mrd. Euro) und in Tirol (1,16 Mrd. Euro) am meisten Hilfen ausbezahlt. Dahinter folgen Salzburg (805,1 Mio. Euro), Niederösterreich (722,5 Mio. Euro), Oberösterreich (698,8 Mio. Euro), Steiermark (667,3 Mio. Euro), Vorarlberg (292,9 Mio. Euro), Kärnten (290,4 Mio. Euro) und das Burgenland (127,2 Mio. Euro).

Die vergleichsweise hohen Auszahlungen in den touristischen Bundesländern Tirol und Salzburg zeigen einen Punkt der Krise, der die heimische Volkswirtschaft katastrophal getroffen hat, nämlich Beherbergung und Gastronomie (wie auch Veranstalter). Die Wintersaison 2020/21 war praktisch ein Totalausfall. Nur die Seilbahnen bzw. Skigebiete hatten offen, bei den Hütten gab es Tee "to go".

Ebenso nichts "to go", oder besser "to fly", gab es in der Luftfahrt. Nach einem fast völligen Stillstand der Branche erholt sie sich nur ähnlich schleppend wie der Städtetourismus, der mehr getroffen ist als andere Urlaubsformen. Die AUA und deren deutsche Mutter Lufthansa erhielten von der Republik Österreich 600 Mio. Euro staatlicher Kredite, die schrittweise zurückbezahlt werden sollen sowie Eigenkapitalzuschüsse und sogenannte staatliche Schadensabdeckung.

Erst in der bisherigen zweiten Hälfte der Pandemie kam ein weiteres, inzwischen umso intensiveres wirtschaftliches Phänomen zum Tragen. Es entstand eine galoppierende Inflation. Die Inflation laut HVPI stieg laut Schnellschätzung im Jänner 2022 im Euroraum auf 5,1 Prozent und in Österreich auf 4,6 Prozent (bzw. 5,1 Prozent laut VPI). 2021 gab es mit einer durchschnittlichen Jahresinflation von 2,8 Prozent ein Zehnjahreshoch.

Haupttreiber sind Rohstoffe, vor allem Erdgas. Aber auch in der Gastronomie und aus Sicht von Experten wohl auch im Lebensmittelhandel dürften die Preise weiter anziehen. Einer der vielen Gründe dafür sind die weiterhin gestörten weltweiten Lieferketten. Viele Unternehmen haben in der Krise wieder lernen müssen, Lagerbestände aufzubauen. Denn just-in-time liefern – das spielt es derzeit und wohl noch eine Zeit lang nicht so recht. (APA)


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