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Militärexperte: Russland könnte halbe Ukraine einnehmen

Oberst Markus Reisner schätzt die Lage in der Ukraine als extrem gefährich ein. Europa könne Russland militärisch wenig entgegensetzen.

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Ein Bild vom 14. Februar: Russische Soldaten bei einer Militärübung.
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Wien – Experten des österreichischen Bundesheeres schätzen die Lange in der Ukraine als extrem gefährlich ein. Die entscheidende Frage werde es sein, wie weit die russischen Truppen vorstoßen werden. Im schlimmsten Szenario könnte Russland das halbe Land einnehmen, wie Oberst Markus Reisner, Leiter der Forschung- und Entwicklungsabteilung der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, im Gespräch mit der APA am Dienstag sagte.

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Sogar die Drohung eines Nuklear-Schlages sei vom russischen Präsidenten Wladimir Putin auf den Tisch gelegt worden. Ein solcher sei derzeit nicht wahrscheinlich, könne aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden, wenn etwa NATO-Staaten in den Konflikt militärisch eingreifen, so Reisner.

Nach den Zielen Putins gefragt, nannte Reisner als erstes "das Ernstgenommen werden in der Welt". "Das hat Putin schon erreicht." Während der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama hätten die Amerikaner den Russen die internationale Wichtigkeit abgesprochen. Das habe sich Putin nun zurückgeholt. Das zweite Ziel ist das Zurückdrängen der NATO und die Eroberung von Territorium. Die große Frage sei hierbei, wie weit die russischen Truppen gehen werden: Die jetzt schon von russischen Separatisten kontrollierten Gebiete sind laut Reisner ungefähr so groß wie der Raum zwischen Wien und Graz. Wenn sich Russland die gesamten Regionen Luhansk und Donezk hole, sei das so groß wie die Fläche zwischen Klagenfurt und Brno (Brünn).

Putin „fühlt sich in einer überlegenen Rolle“

Putin habe in seiner Rede der Ukraine den Status als Staat abgesprochen. Das seien starke Ansagen, "er fühlt sich in einer überlegenen Rolle", analysiert Reisner. Ein mögliches Szenario sei es, dass die Ukraine zur Hälfte von Russland eingenommen werde. Wenn die Ukraine Widerstand leistet, werde es angesichts der militärischen Stärke Russlands zu "nachhaltigen Verlusten auf ukrainischer Seite kommen". Putin wolle vermutlich der Welt auch zeigen, wie stark Russland sei. Europa habe dieser militärischen Macht wenig entgegensetzen. "Das ist in Europa verloren gegangen. Wir können nur mit wirtschaftlichen Sanktionen antworten", das sei Putin aber bis zu einem gewissen Grad egal, so Reisner.

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Die Experten der Militärakademie hätten sich sehr intensiv mit moderner Kriegsführung auseinandergesetzt und die Situation in der Ukraine seit 2014 eingehend analysiert, sagte Reisner. Er schilderte vier Handlungsoptionen - sogenannte course of action, entlang denen sich der Konflikt entwickelt. Wobei hier zwischen regionalen und überregionalen Ereignissen zu unterscheiden sei, so Reisner. Der erste Teil sei mit dem Aufstellen von Truppen rund um die Ukraine schon passiert. Im zweiten Teil werden die Separatistengebiete von Russland anerkannt. "Der Einmarsch russischer Truppen wird in kampfloser Form passieren, weil die Gebiete von Separatisten kontrolliert werden."

Beim Teil 3 geht es darum, die beiden Oblaste Luhansk und Donezk zur Gänze einzunehmen. Wenn das passiert, sei das eine Verletzung des Minsker Waffenstillstandsabkommen, so Reisner. Der vierte course of action beinhaltet den Vorstoß (full invasion) bis zum Fluss Dnipro und eine Teilung des Landes durch die Mitte.

Am DIenstag morgen seien bereits Kolonen von Fahrzeugen und Militärgerät einmarschiert. Darunter sind laut Reisner klassische Panzer, Artillerie, Systeme zum Eigenschutz wie Fliegerabwehr und Radar, Aufklärungssysteme und Cybergeräte. (APA)


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