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Meisterkonzerte in Innsbruck: Leidenschaft und Liebesseufzer

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Ein Versprechen für die Zukunft: Timothy Chooi.
© Markus Hauser

Innsbruck – Mehr als fünfzig Kompositionen Mozarts tragen die Gattungsbezeichnung „Sinfonie“. Ihn deshalb als Sinfoniker zu bezeichnen, käme wohl niemandem in den Sinn. Der Großteil seiner frühen Sinfonien waren Gelegenheitswerke, zum Teil in Rekordzeit niedergeschrieben. So ist es kaum verwunderlich, dass etliche so gut wie nie aufgeführt werden.

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Hinter so mancher allerdings steckte hörbar jede Menge Herzblut, wie etwa in der A-Dur Sinfonie KV201, die sich in ihrer kammermusikalischen Faktur, ihrer Feinheit des Satzes und ihrer fast dramatischen Finale-Durchführung nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Den genialen Meister der Wiederverwertung gilt es in der Sinfonie D-Dur KV 196/121 „La finta giardiniera“ (1774/75; = Ouvertüre zu „La finta giardiniera“ KV 196 und Finale KV 121/207) zu entdecken.

Im Rahmen der Meisterkonzerte am Montag im Innsbrucker Congress mit dem Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Pablo Boggiano standen beide Werke auf dem Programm, wie auch Mozarts fünftes Violinkonzert KV 219 A-Dur. Virtuose Kunststücke darin sind zwar Mangelware, an instrumentaler Brillanz und bemerkenswertem musikalischen Inhalt mangelt es aber keinesfalls, steht doch das Schlussrondeau weitgehend im Rhythmus der „türkischen Musik“. Eine besondere Herausforderung bei Mozart ist allerdings die der gesanglichen Qualitäten, die der emotionalen Stimmungswechsel. Mozart hatte stets die Oper im Hinterkopf. Da geht es um Liebe, Leidenschaft, bis hin zu Verzweiflung und Wut.

Schmeichelei, Seufzer und Schluchzer, auch die gab’s mit Antonín Dvoráks Romanze für Violine und Orchester f-moll op. 11. Der Herzensbrecher, sprich, der Solist des Abends war der gebürtige Kanadier Timothy Chooi. Vielfältig und nuancenreich vermag der 28-Jährige die Farben seiner Windsor-Weinstein Stradivari einzusetzen, sodass der Hörer den Eindruck überzeugender interpretatorischer Unmittelbarkeit gewinnt. Da musiziert einer ganz aus dem eigenen tiefen Einfühlungsvermögen für die Musik heraus, voller Sensibilität im Diskreten, voller Leuchtkraft und Esprit, einer, dem es gelingt, Musik zum Sprechen zu bringen.

Für seine Bach-Zugabe allerdings hätten Spezialisten Alter Musik definitiv Optimierungsvorschläge. Der Wiener Concert-Verein zeigte kammermusikalische Transparenz, bei der die Verschmelzung von sprechender Phrasierung und empfindsamer Klangmalerei im Vordergrund steht. Raumgreifende, tiefschürfende langsame Mittelsätze, das dialogische Spiel der Kräfte in bestechender Balance, federnd-tänzerische Elastizität in den schnellen Sätzen – kurzum ein Erlebnis! (hau)


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