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Militärexperte zum Angriff Russlands auf Ukraine: Europa muss aufwachen

Russlands Präsident Wladimir Putin will die ukrainische Armee zerschlagen, so Militärexperte Franz-Stefan Gady. Europa müsse und werde nun aufrüsten. Wie lange der Krieg in der Ukraine andauere sei schwer zu prognostizieren, an dessen Ende werde wohl die Kapitulation Kiews stehen.

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Ein durch russische Raketen zerstörtes Haus in der Ostukraine.
© ARIS MESSINIS

Wien, Kiew, Moskau – Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat nach Ansicht des Militärexperten Franz-Stefan Gady vom Londoner Internationalen Institut für Strategische Studien das Ziel, die ukrainische Armee zu zerschlagen. Davon wird sich Präsident Wladimir Putin nicht mehr abbringen lassen, sagte Gady, der Milizoffizier beim österreichischen Bundesheer ist, im Gespräch mit der APA. "Für Europa muss das ein Weckruf sein, wieder in die eigene Verteidigung zu investieren."

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Für Europa muss das ein Weckruf sein, wieder in die eigene Verteidigung zu investieren.
Militärexperte Franz-Stefan Gady

Ein mögliches Ziel Putins sei es, das Regime in Kiew auszutauschen. Militärisch ist für Gady unbestritten, dass es um ein rasches Zerschlagen der ukrainischen Streitkräfte gehe. Wie lange die Invasion dauern könnte, sei schwer zu sagen. Das hänge von vielen Faktoren ab, etwa, ob es zu Häuserkämpfen kommen werde. "Militärische Invasionen entwickeln immer eine Eigendynamik. Es ist noch zu früh, um Prognosen darüber abzugeben, wie das ausgehen wird." Die ukrainische Armee werde wahrscheinlich versuchen, sich geordnet auf eine Verteidigungslinie – etwa den Fluss Dnjepr, der das Land in der Mitte teilt, zurückzuziehen. Früher oder später werde die Ukraine wahrscheinlich kapitulieren, aber für genaue Voraussagen sei es noch zu früh, so Gady.

Extrem wichtig sei in diesem Konflikt jedenfalls die atomare Komponente. "Russland hat ein enormes nukleares Waffenarsenal." Deswegen müsse sehr vorsichtig vorgegangen werden. Es sei durchaus möglich, dass taktische Atomwaffen für die Zerstörung militärischer Ziele zum Einsatz kommen. Putin habe jedenfalls subtil mit nuklearen Schlägen gedroht, "indem er gesagt hat, dass keine Option ausgeschlossen ist". Derzeit führe Russland eine klassische Militäroperation, wie sie im Lehrbuch stehe."

Für Europa müsse dieser Krieg ein Weckruf sein, so Gady. "Die Lehren für Europa sind für mich ganz klar: Diplomatie ohne militärische Stärke ist zum Scheitern verurteilt. Österreich, Deutschland und ganz Europa brauchen eine Reinvestition in die konventionelle Verteidigung. Wir brauchen schlagkräftige Armeen und dürfen uns nicht wie in der Vergangenheit zurücklehnen und darauf warten, dass Amerika Europa verteidigt", mahnt der Experte. "Europa muss seine Verteidigung in die eigenen Hände nehmen. Das ist die Hauptlektion."

Die Politik dürfe auch nicht mehr dem Trugschluss unterliegen, dass es heutzutage keinen konventionellen Krieg mehr gebe, sondern nur mehr eine "angeblich hybride Kriegsführung". Putin lehre Europa gerade eines Besseren. Die Europäer hätten in den letzten Jahren zu kurz gedacht und zu früh ihre militärisch Verteidigung aufgegeben. Für die NATO bedeute die Aggression Russlands ein Zusammenrücken und Erstarken. Das westliche Militärbündnis werde dadurch gestärkt. Es werde zu einer Remilitarisierung der europäischen Außenpolitik kommen, analysiert Gady. (APA)


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