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„Von schwerer Explosion geweckt“: Österreicher berichtet aus Kiew

Ein junger Österreicher, der im Zentrum Kiews lebt, berichtet von den dramatischen Szenen in der ukrainischen Hauptstadt.

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Rauchschwaden über Kiew.
© www.imago-images.de

Kiew – „In den frühen Morgenstunden wurde ich von schweren Explosionen geweckt. Von 4 Uhr morgens bis circa 6.30 Uhr waren schwere Detonationen zu hören“, schildert ein junger Österreicher, der im Zentrum Kiews lebt, am Donnerstagvormittag der Tiroler Tageszeitung die dramatische Situation in der ukrainischen Hauptstadt. Russische Panzer rollten da schon Richtung Kiew. „Mit dem Auto sind es von Kiew rund 3,5 Stunden bis zur belarussischen Grenze“, so der Österreicher.

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„In Kiew wurde der Flughafen Boryspil angegriffen“, erzählt er. „Und aus dem ganzen Land werden Angriffe gemeldet, aus Odessa am Schwarzen Meer, aus Mariupol im Südosten und auch aus Lwiw im Westen des Landes. Ziele sind militärische Objekte und die kritische Infrastruktur. Die russischen Angriffe kommen aus allen Richtungen, vom Norden, von der annektierten Krim, von Belarus.“

In Kiew selbst herrschte gestern das Chaos: „Die Stadt ist im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen wie ausgestorben. Viele versuchen mit dem Auto aus der Stadt zu gelangen und bei Verwandten unterzukommen. Es haben sich lange Staus gebildet, auf den Straßen, vor den Tankstellen. Auch vor den Bankomaten stehen die Menschen Schlange, Geschäfte werden leergekauft.“

Aber trotz „der Warnungen vor Luftschlägen gingen Menschen gestern noch mit Kinderwägen oder mit ihren Hunden auf die Straße.“ Der groß angelegte Angriff kam für viele überraschend: „Noch am Mittwochabend gestaltete sich das Leben großteils normal. Die Menschen besuchten Restaurants“, erklärt der Österreicher. Gestern hätten sich viele Zivilisten zum Kampf gegen das russische Militär gemeldet. „Das ist ein Angriffskrieg, um eine Ideologie zu rechtfertigen, die aus einem anderen Jahrhundert stammt“, kommentiert er Putins TV-Ansprache, in welcher er in den frühen Morgenstunden den Beginn der Militäroperation verkündete. „Sein Argument der Entnazifizierung der Ukraine ist zynisch, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist Jude.“

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Und zur Behauptung, dass es in der Ostukraine zu einem Genozid an Russen von Seiten der Ukraine gekommen sei, wie Putin behauptet: „Es hat keine Offensive der ukrainischen Armee im Donbass gegeben. 2020 hat der im Minsker Friedensvertrag vereinbarte Waffenstillstand an der Frontlinie auch längere Zeit gehalten. Dann ist schrittweise alles zerbröselt. Aber die ukrainischen Kräfte haben keine Offensive gestartet und laut eigenen Angaben auch keine geplant“, so der Österreicher.

Er wurde gestern Abend zusammen mit anderen Österreichern vom Krisenteam aus Kiew evakuiert.


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